Filmschrott

Schlechte Filme von Mainstream bis Trash. Die Lücke ist kleiner als man denkt.

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Fortbildung in amateurhafter Inkompetenz in allen möglichen Bereichen der filmischen Unfähigkeit

Vor geraumer Zeit hatte ich ja schon mal das zweifelhafte Vergnügen, einen Jochen Taubert Film hier zu besprechen, der … sagen wir, nicht gerade der Bringer war. Aber man sollte niemals unterschätzen, wie sehr man sich selbst unterbieten kann. Ich persönlich beweise das quasi jede Woche aufs neue. Und auch Jochen Taubert hat noch mal alles gegeben, um ein unfassbar fürchterliches Machwerk abzuliefern, das Fluch der Karibik 5 wie einen Kubrickfilm nach einem Drehbuch von Goethe erscheinen lassen wird. Passend zum Start des neuen Piratenfiaskos in den deutschen Kinos also hier ein Piratenfiasko, das es berechtigterweise nie bis ins Kino geschafft hat.

PIRATENMASSAKER – Deutschland – 2000 – 90 Min.

Es dauert genau den Bruchteil einer Hundertstelsekunde, um festzustellen, dass das hier mindestens genau so scheiße wird, wie der erste Taubert, der uns hier begegnet ist. Nur eben mit Piraten. Die Bildübergänge vermitteln allerdings eher den Eindruck von billigstem Cyberpunk. Vielleicht erleben wir hier also doch eine Überraschung … ach, machen wir uns nix vor. Das wird einfach wieder komplett hirn- und vor allem talentlos.

Schöne Unterwasserwelt. Ich frage mich, in welchem öffentlichen Aquarium die Haie gefilmt wurden. Und nur mal so als Tipp: Wenn man schon die Möglichkeit hat, ein Piratenschiff im Vergnügungspark um die Ecke zu filmen, dann wäre es vielleicht nicht ganz doof, einen Zeitpunkt abzuwarten, in dem nicht gefühlt 42 Wasserfontänen in die Luft spritzen und so direkt die Illusion zu zerstören, dass man hier im Piratenzeitalter rumschippert.

Okay, die Illusion will man wohl eh nicht aufrecht erhalten, denn ein normales Seegelboot zum Piratenschiff umzubauen funktioniert halt nur so semi. Und was zur verfickten Hölle geht eigentlich mit der Musik ab? Neben einem Fischerchor, der „Aloha He“ singt, dudelt noch irgendein Gedudel darunter her und jeder Bildübergang muss auch noch mit einem musikalischen Soundeffekt unterlegt werden. Remix des Todes. Wer da keinen Tinnitus kriegt, ist bereits taub.

So, jetzt aber genug der Grütze. Kommen wir zur Handlung. Die Piratencrew hat einen Mönch auf eine Insel gebracht. Und auf dieser Insel soll angeblich ein Messer vergraben liegen, auf dem eine Schatzkarte eingraviert ist. Moment mal. Die Schatzkarte ist auf dem Messer? Wie groß ist so ein Messer? 10 Zentimeter? Was für eine Schatzkarte passt da schon drauf? Wie gut versteckt kann der Schatz bitte sein? Der Mönch lacht, wie es eben ein echter Mönch damals getan hat. Da waren die noch nicht so ernst drauf mit Schweigegelübde und allem. Da konnte man auch mal ein Späßchen machen. Oder eben so tun, als wüsste man von gar nix.

Messerjockel will aber natürlich sofort zu dem Messer geführt werden. Der Mönch hebt die Arme, labert irgendwelchen Jibberisch und aus dem Wald kommen die Räuber. Oder Mönche. Oder maskierte Volldeppen in billigen Kutten. Oder wasauchimmer. Ich will jetzt wirklich nicht auf die Action und vor allem die unfassbaren Sterbeszenen eingehen, weil sie einfach unfassbar sind.

Viel wichtiger ist ohnehin die Frage, wo plötzlich der Musketier und seine blonde Ische hergekommen sind, die da durch die Gegend laufen.

Das Piratenschiff wird jedenfalls abgefackelt, wie uns einer der Charaktere verrät „Mein schönes Schiff brennt lichterloooooooooooh!“ und geht dann unter, wie uns die blonde Ische verrät „“Das Schiff sinkt.“ Zur passenden Atmosphäre trägt grottenschlechte Technomusik bei, denn die macht jede Szenerie direkt noch mal schlechter. Vor allem in einem PIRATENFILM!!! Wenn der Twist hier nicht ist, dass Guybrush Threepwood und sein Bruder Chuckie nur im Vergnügungspark Piraten spielen und dabei Techno hören, ist das alles komplette Scheiße im Quadrat. Und ich kenne die Antwort jetzt schon.

Der Käptn will einen Mönch lynchen, aber als er ihm die Maske abzieht, stellt er fest, dass es eine Frau ist. Also geht er einfach wieder und … hat der ernsthaft Turnschuhe an? Come on! Gebt euch doch wenigstens etwas Mühe.

In einem Anflug von ganz großer Comedy wird ein Pirat von einer Armbrust ins Bein getroffen und schlägt vor, dass die anderen besser ohne ihn weiterlaufen. Ein Gag, der niemals alt wird. Als ihn ein Speer endgültig erlegt, ist klar, dass er recht hatte. Hätte er mal glaubhafter gespielt. Diese Sterbeszenen sollten wirklich an jeder Schauspielschule als abschreckendes Beispiel verwendet werden.

Wer ist sie denn jetzt? Zwei Mönche verfolgen eine Frau in grünem Kleid und ich weiß nicht warum, aber aus irgendeinem Grund, wird andauernd der Ton abgeschnitten und beginnt von vorne. Nicht mal den Sound kriegen die hin. Es ist unfassbar. Sie stirbt. Die Szene war also nicht nur scheiße, sondern auch völlig sinnlos.

Die übrigen Piraten verstecken sich in einem Loch und beobachten den mönchischen Kannibalismus. Den Geräuschen nach zu urteilen, könnten sie auch Zombies sein. Aber das wäre ja lächerlich.

Einer der Piraten wird angeschossen, als er den Schiffsjungen rettet, der kein Blut sehen kann und zusammenbricht.

Dann wird erstmal gepennt und geträumt. Von Titten natürlich. Und einem Mauscursor, der das Video mit besagten Titten startet. Schon die Piraten träumten also von Internetpornografie. Die anderen Piraten spielen am Ständer des Pornoträumenden rum, aber dann stirbt der Schiffsjunge, was diese grandiose Szene unterbricht. Nur der Angeschossene überlebt die nächste Attacke und liefert sich einen unglaublich spannenden Messerkampf mit einem Mönch … und verliert. Ach so, dass sich einer der Mönche den Ständer des toten Tagträumers reinpfeift muss ich wohl nicht erst erwähnen, oder?

Ich frage mich nebenbei, warum die Leichen so komisch rumstöhnen, wenn sie gefressen werden. Doch Zombies?

Oh, der Musketier und seine blonde Trulla sind auch noch da. Offenbar waren sie auf dem Piratenschiff, weil sie dachten, es wäre ein Handelsschiff. Moment mal … Also mal davon abgesehen, dass die Blondine und der Musketier wirklich nicht die schärfsten Degen im Fechtkampf sind, was sind das denn bitte für Piraten, die irgendwelche Honks einfach mal so durch die Gegend schippern? Betreiben die nebenbei ein Kreuzfahrtunternehmen, oder wie soll ich mir das vorstellen?

Und da ist noch ein Musketier. Und er läuft mit einem fetten Piraten durch die Gegend. Es ist schon bemerkenswert, wie es dieser Film schafft, so viele Charaktere unterzubringen, ohne auch nur einen einzigen Charakter zu haben. Irgendeine Tussi isst einen Arm und einer der Trottelpiraten schleicht sieben Stunden um sie herum, ohne sie zu bemerken. Vielleicht sollte er sich dem Musketier und der Blondine anschließen. Zusammen kriegen die vielleicht eine halbe Gehirnzelle zusammen. Kampf. Beide sterben. Mir egal.

Der Käptn latscht mittlerweile mit der Trulla durch die Gegend, die er vorhin nicht gekillt hat. Er versucht ihr zu erklären, dass er einen Schatz sucht. Scheinbar sind sie die Hauptcharaktere hier, denn sie verraten ihre Namen. Tia und Mick. Ich werde es in drei Sekunden vergessen haben. Immerhin zieht sie ihre Kutte aus und läuft ab jetzt im Amazonenlook rum.

Wisst ihr, was wir noch gar nicht hatten? Grottenschlechte Rockmusik. Passend zu unfassbar lahmer Action, die es hier ohnehin am Fließband gibt. Ich gehe jetzt mal nicht auf die Pulverfassszene ein. Nur soviel: Wunderkerzen, die zumindest den Eindruck einer Zündschnur vermitteln könnten, gibts zu hundert Stück schon unter 5 Euro. Hier hat man darauf verzichtet. Das Budget von dieser Scheiße sollte damit ausrechenbar sein.

D’Artagnan stirbt und Blondie muss alleine klar kommen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie nicht weit kommen wird. Und da wird sie auch schon von einem Kannibalenmönch geschnappt.

Der Peitschenaugust mit der Zipfelmütze peitscht eine rothaarige Trulla und ihre Freundin und frisst dann ihre Organe. Käptn Fatso und die Amazone beobachten das Treiben und gehen dann lieber mal weiter. Musketier B und der andere fette Pirat latschen auch noch rum. Sterben aber dann irgendwann völlig unspektakulär.

Die Amazone befreit Blondie, die noch lebt. An anderer Stelle latscht noch ein Pirat mit Blondie Zwo rum. Keine Ahnung, wo die herkommen. Habe ich wohl verpasst.

Zeit für grottenschlechten Schnulzenrock. Warum weiß nur Herr Taubert selbst. Das letzte, an das ich denke, wenn ich Vollhonks durch einen Wald tapern sehe, ist Schnulzenrock. Aber hey, jedem seinen Fetisch …

Ich denke, es ist für die geistige Gesundheit aller – vor allem meiner eigenen – besser, wenn ich den Rest etwas abkürze. Im Endeffekt passiert ohnehin nur noch 20 Minuten lang genau das, was schon in der letzten Stunde passiert ist. Mönche und Piraten töten sich gegenseitig im Wald. Irgendwann sind dann nur noch Käptn Fettbacke, die Amazone und die blonde Trulla übrig. Letztere kriegt einen Giftpfeil in die Titten, was die Amazone dazu veranlasst, ihr das Gift aus dem blutenden Bauchnabel zu saugen. Ernsthaft, in diesem Film kriegen die nicht mal sowas simples wie Kontinuität innerhalb von drei Sekunden gebacken. Und dann stirbt sie, ohne dass man jemals ihre Titten gesehen hat. Was für eine Zeitverschwendung.

Käptn Fatman findet das Messer – das jetzt nebenbei ein Dolch ist, was von Anfang an sinnvoller gewesen wäre – und flieht mit der Amazone vor den Mönchen. Die hat aber keinen Bock mehr zu fliehen und will stattdessen den Käptn knallen. Der kriegt aber einen Pfeil in den Arsch und stirbt auf der Stelle. Also: Giftpfeil in Titten = Lebenserwartung von gefühlt drei Stunden. Normaler Pfeil in Arsch = Instant Death. Muss an der Blutzirkulation liegen, die im Arsch einfach stärker ist, als in Titten. Immerhin lernt man hier was über Biologie.

Tia trifft dann einen Mönch, den sie kennt und es gibt Techno, während der Mönch Tia vor den anderen Mönchen verteidigt. Ich glaube ehrlich gesagt, ohne den Versuch von Handlung wäre der Film besser. Der Mönch stirbt und Tia haut ab. Jede Menge Gerenne und der übliche Käse eben, dann versteckt sie sich in einem Loch, hackt einem toten Mönch das Bein ab und wirft es in einen See, in dem offenbar ein Hai rumschwimmt, wie uns ein Cut ins Aquarium wohl weismachen will. Sie wirft auch noch den Dolch rein und einer der Mönche stürmt hinterher ins Meer. Ach, der Tümpel sollte der Ozean sein. Hätte ich um ein Haar nicht erkannt. Mit der Moral „Den Schatz des Lebens, sucht man oft vergebens“ endet der Müll und ich denke, es ist klar, dass man Talent manchmal auch vergebens sucht.

Tja, was soll man dazu noch sagen? Es ist alles so unglaublich schlecht, dass es noch nicht mal wieder gut ist. Ein Haufen Idioten im Wald, die sich beim Piratenspielen filmen ist eben kein Trash sondern einfach Crap, mit dem man den besten Freunden auf den Sack gehen kann, nachdem man die Dias vom letzten Urlaub durchgeguckt hat. Ist nämlich genau so spannend und genau so unterhaltsam. Also gar nicht. Ich gehe mein Messer suchen …

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