Filmschrott

Schlechte Filme von Mainstream bis Trash. Die Lücke ist kleiner als man denkt.

Kategorie-Archiv: Film/Serienkritiken

Mal aktuell: Joker

Ja, es ist wahr. Ich war im Kino. In einer Comicverfilmung. Und ich kann nur sagen, ihr solltet dort auch für diese Comicverfilmung hin. Deshalb werde ich hier nicht spoilern und nur kurz ein paar Gedanken niederschreiben.

Die DC-Charaktere bieten von jeher eine Menge Potential für Dramaturgien und psychologische Analysen. Vor allem die Antagonisten von Batman sind eine wahre Fundgrube an Psychosen. Was Christopher Nolan bereits wusste und in seiner DARK KNIGHT-Trilogie in Ansätzen verbaut hat, wird hier auf die Spitze getrieben.

Joaquin Phoenix ist großartig und sollte alle Preise der Welt kriegen. Er „joket“ sich durch eine Psychostudie, die mit der gesamten Palette an Emotionen für den Darsteller und den Zuschauer aufwartet und spielt gleichzeitig mit den Erwartungen, während er die Eskalation ruhig und langsam aufbaut.

Ich vermute, dass es bei weiteren Sichtungen noch einiges zu entdecken gibt, denn auch wenn die Geschichte recht stringent erzählt wird, gibt es kleine Details in der Darstellung der Charaktere und ihrer Umgebung, die sicher nicht alle beim ersten Mal auffallen. Der Film wird also in meine Sammlung wandern und mit Sicherheit noch das ein oder andere mal in meinem Player landen, wenn er fürs Heimkino erhältlich ist. Bis dahin wünsche ich mir, dass man in diesem Stil noch weitere Filme folgen lässt, mit den ganzen Psychos, die DC so am Start hat. Vom Riddler über Two Face bis hin zu Bane und Scarecrow. Ich will in deren Psyche eintauchen und den Wahnsinn erleben, der um sie herum entsteht und sie letztlich in genau diesen treibt. Wie es hier beim Joker so wunderbar funktioniert.

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Serienstapel: GLOW, MINDHUNTER, I-LAND

Wie sich auf einem Schrottplatz die Autos stapeln, stapeln sich bei mir die Serien.

GLOW – SEASON 3

Puh, das war irgendwie … ja. Schon beim Ende der zweiten Staffel beschlich mich der Gedanke, dass diese Vegas-Nummer nicht so gut werden könnte. Und leider hatte ich recht. Die ersten Episoden dümpeln so dahin und es fehlt komplett der große Handlungsbogen, den die ersten Staffeln mit der Produktion einer ständig absetzungsgefährdeten TV-Show hatten. Hier läuft viel zu lange alles glatt und auch die Charaktere hangeln sich eher durch lahme Storyarcs, die vor allem nur 2-3 des Ensembles vorbehalten sind, während alle anderen komplett in der Luft hängen.

In der zweiten Hälfte der Staffel kommt die Sache dann glücklicherweise doch noch in die Gänge, aber so richtig interessant wird es nicht mehr. Die Staffel wirkt sehr stark wie ein Haufen Fillerepisoden, um dann irgendwie an einem anderen Punkt weiterzumachen. Entwicklungen gehen viel zu schnell oder werden quasi übersprungen. Ich hoffe, dass man Vegas jetzt schnell hinter sich lässt, dann wird es vielleicht noch was. Ansonsten dürfte es schwer werden, mich wieder einzufangen.

MINDHUNTER – SEASON 2

Diese Serie ist einfach nur gut. Die ganzen psychoanalysen der realen Serienkiller, dazwischen die privaten Probleme der Charaktere und gleichzeitig wird hier auch noch ein realer Fall verfolgt, der die Protagonisten auf Trab hält. Und daneben wird noch irgendwas angeteast, was interessanten Kram für die Zukunft verspricht. Teils verstörend, teils faszinierend, durchgehend höchstinteressant. Eine der besten Serien derzeit und definitiv die Beste, die Netflix bisher hervorgebracht hat.

Ganz im Gegensatz zu:

THE I-LAND

Schlechte Darsteller tun dumme Dinge ohne Ende in einem Drehbuch voller dämlicher Dialoge. Die Grundidee ist okay, mehr nicht. Was man draus macht ist einfach nur haarsträubend langweilig, mit Ausreißern in völligen Mumpitz. Vermutlich hat der Scheiß nicht wirklich viel gekostet, trotzdem hätte man mit dem Geld besser eine andere Serie nochmal verlängert oder es einfach aus dem Fenster geworfen. Alles wäre besser gewesen, als das hier.

Filmstapel: Scorsese, Party, Game Night

Wie sich auf einem echten Schrottplatz die Vehikel stapeln, stapeln sich bei mir die Filme. Den ein oder anderen davon gibt es hier in einer Kurzbesprechung.

Den Anfang machen Martin Scorsese, Robert De Niro und Harvey Keitel, mit zwei der ganz großen Streifen aus den 70er Jahren. Ersteren kannte ich bereits, beim zweiten bin ich mir unsicher, ob ich ihn vielleicht vor 20 Jahren oder so schonmal gesehen habe. Macht für die Qualität aber auch keinen Unterschied:

TAXI DRIVER

Ich und die Filme der 70er tun uns immer recht schwer, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Ich bin eben mit dem überbordenden 80er-Quatsch groß geworden und dagegen wirken die 70er oft wie ein Spaziergang im Park. Alles ist ruhiger, langsamer, zäher. Mit den richtigen Leuten am Werk, kann das aber natürlich ebenfalls seinen Reiz haben. Diese richtigen Leute haben sich hier zusammengefunden und ein psychologisches Drama kreiert, das von seiner Atmosphäre nichts eingebüßt hat.
Der Film ist ebenfalls ruhig, langsam und stellenweise zäh. Aber genau das ist hier der Kernpunkt, denn so folgen wir dem schleichenden Prozess, der Travis letztlich ans „Ziel“ führt.
De Niro ist dabei natürlich überragend und mit Keitel als Streetcornerpimp macht man nie was verkehrt. Daneben brilliert vor allem die Stadt. Oder sollte man sagen: Sie verstört. Alles und jeder hier ist einfach nur abgefuckt und zu keiner Sekunde will man in dieser Umgebung leben.
Mich wundert ein wenig, dass der Streifen über die üblichen Filmenthusiasten hinaus so beliebt ist. Schließlich kriegt man hier nicht viel Action oder Coolness geboten, die sonstige „Kult“-Filme so mitbringen. Er ist wohl die Ausnahme, die die Regel bestätigt. Das alleine spricht schon für ihn.

MEAN STREETS – HEXENKESSEL

Das hier ist quasi die Blaupause für die späteren Rock-N-Roll-Gangster-Streifen, mit denen uns Martin Scorsese bis heute in unregelmäßigen Abständen versorgt. Quasi die Vorstufe zu den „Klassikern“. Wenn man diese kennt, findet man hier überall Facetten, die später größer und besser wieder aufgegriffen wurden. Sagen wir, es ist die etwas holprige Version, die gerade das Laufen lernt. Stellenweise etwas unbeholfen, aber nicht weniger interessant und unterhaltsam.

Nach all der Ernsthaftigkeit musste dann mal was zu Lachen her:

THE PARTY – DER PARTYSCHRECK

Ausschließlich Peter Sellers ist in der Lage, mit der ultimativen Whitewashingrolle inklusive Blackfacing (oder hier eher Brownfacing) davonzukommen. Könnte man heute zurecht nicht mehr so bringen, aber Sellers war einfach ein Comedygott und holt zu jeder Sekunde das absolut Beste aus seiner Rolle heraus. Ich meine, er ist auch kein Franzose, aber hat absolut überzeugend einen französischen Inspektor verkörpert, dessen Akzent so treffsicher war, wie die Gags von Blake Edwards. Diese Kombination schmeißt hier die unterhaltsamste Abrissparty bei spießigen Fatzken mit Stock im Arsch, die von einem Klischeeinder gesprengt wird. Könnte man heute zurecht so nicht mehr bringen.
Vielleicht ist das der Grund dafür, dass es noch kein Remake gibt. Der Stoff drängt sich geradezu für eine grottenschlechte Komödie mit siebentausend Cameos von Hollywoodstars auf. So bleibt uns aber das Original, dass man zwar so heute zurecht nicht mehr machen könnte, aber trotzdem unterhaltsam ist, weil hier eben echte Meister ihres Fachs am Werk waren. Das Drehbuch hatte nur knapp 50 Seiten, der Rest ist Improvisation. Das merkt man auch irgendwie, denn die improvisierten Momente sind die Guten. Der Rest ist Blahblah. Das macht man heute übrigens immer noch so. Nur ohne die improvisierten Momente.

Und dann gab es noch eine große Überraschung:

GAME NIGHT

Wer hätte gedacht, dass die scheinbar unlustigen Flachpfeifen, die das VACATION-Reboot verbrochen haben, in der Lage sind, eine wirklich lustige Komödie zu fabrizieren?
Vermutlich liegt es vor allem an der netten Idee, die eine Gruppe von Brettspielverballerten in eine echte Kidnappingstory verfrachtet. Vor allem liegt es aber daran, dass die Charaktere recht gut funktionieren und die Darsteller hier sichtlich jede Menge Spaß hatten.
Im Mittelteil hängt die Nummer zwar ein wenig durch, aber kann mit ein paar beknackten Twists und Turns gerettet werden.
Ein lustiger Spaß, gepaart mit ein wenig Thrill und Action, der nur manchmal seine Gags zu sehr in die Länge zieht, insgesamt aber wirklich lustig ist. Und das ist heutzutage ja mehr, als man meistens kriegt.

Mal aktuell: Once Upon A Time … in Hollywood

Jap, ich war mal wieder im Kino. Das letzte Mal ist schon wieder fast ein Jahr her und hatte sich wirklich gelohnt. Diesesmal bin ich mir da nicht so sicher. Um es kurz zu sagen: Tarantino langweilt mich mit jedem Film mehr. Auch mit:

ONCE UPON A TIME IN HOLLYWOOD

Rick Dalton ist ein Schauspieler auf dem absteigenden Ast und Cliff Booth sein Stuntman, Gehilfe und bester Freund. Nachbarin Sharon Tate ist … ihre Nachbarin und hat sonst nicht den geringsten Charakter. Alle anderen sind halt auch da. Den Darstellern kann man dabei keinen Vorwurf machen, denn sie sind allesamt sehr gut bis fantastisch. Nur lässt Tarantino ihnen nicht viel Entwicklung. Tate ist wie gesagt völlig charakterlos. Cliff ist Herr Sorglos, den nichts aus der Ruhe bringt. Nie. Zu keinem Zeitpunkt. Er ist immer die absolute Coolness. Und dadurch dermaßen eindimensional, dass ich mich bei jeder weiteren Szene mit ihm immer mehr gelangweilt habe. Nur Rick darf wirklich eine (gehetzte) Entwicklung durchmachen, die leider dann irgendwann zugunsten des üblichen Tarantino-Splatter-Endes weggeworfen wird, das er sich hier wirklich mal hätte schenken sollen.

Denn wo Sharon Tate wohnt, da sind die Manson-Hippies nicht weit. Die sind hier nichts weiter als ein Haufen blutrünstiger Irrer, aber immerhin ein wenig creepy, woraus Quentin aber absolut nichts macht, abgesehen von einer netten Szene, die aber auch zu nichts führt, weil die Hippies am Ende auf ihrer Killertour nur zufällig im Haus mit Cliff landen und nicht als Reaktion auf eben diese Szene. Dazwischen existieren sie ohnehin nicht mehr, also ist es sowieso egal.

Und Szenen sind hier auch der Stichpunkt. Denn alles wirkt wie ein Haufen zusammengefügter Einzelszenen, die nichts zu einer Handlung oder gar einem Erzählfluss beitragen. Alles ist nur Stückwerk. Da kloppt sich Cliff mal mit Bruce Lee, dann spielt Rick eine Szene in einer neuen Serie, dann latscht Sharon durch die Gegend und nichts ist irgendwie weiterführend.

Die Gegend immerhin sieht wirklich super aus und es gibt einiges zu entdecken. Die Details im Hintergrund sind ein Fest für jeden Filmfreund. Egal ob Filmposter, Kinomarkisen oder Leute auf einer Party. Hier ist so einiges versteckt und es gibt sicher auch beim dritten oder vierten Rewatch noch Dinge, die einem zuvor nicht aufgefallen sind.

Nur ob ich mir so viele Rewatches davon antun werde, weiß ich noch nicht. Vielleicht ist es einer dieser Filme, die mit jedem weiteren Anschauen wachsen oder vielleicht habe ich auch einfach das übersehen, was den Film so gut macht. Aber jetzt kann ich nur sagen, dass es in meinen Augen sehr belanglos und teils zäh war, gestrickt nach der üblichen Tarantino-Formel, mit jeder Menge Dialogen und abschließendem Gemetzel. Das langweilt mich nicht zum ersten Mal und ich hoffe immer noch, dass er mit dem nächsten Film endlich mal aus diesem Schema ausbricht. Aber vermutlich nicht, denn die Tarantino-Family scheint es nach wie vor zu lieben.

Blockbuster-Sommer 2019: Postman, Dunkirk, Kingsman

Noch ein paar Blockbuster. Langsam reichts dann auch …

THE POSTMAN

Es gab mal eine Zeit, da hatte Hollywood keine Angst davor, einfach mal ein paar Millionen Dollar zu verbrennen. Eine Zeit, in der noch sowas wie Risikobereitschaft existierte. Als selbst im Blockbusterbereich noch nicht alles ein Einheitsbrei war. Und wenn Hollywood sich auf diese Eigenschaften berief, kontaktierten sie Kevin Costner.
Der ist hier ein normaler Mann mit seinem Esel, der nur versucht, in einer postapoaklyptischen Welt zu überleben. Oh, und natürlich für die Gerechtigkeit einzutreten, weil das in solchen Filmen einfach sein muss.
Und was ist gerechter, als die Post? Nun, vermutlich alles andere, aber hier nicht, denn die Post ist der heiße Scheiß in der Postapoalypse, wie ja schon der Name sagt.
Und so reitet der Postmann durch die Gegend, verteilt Briefe und schwängert schöne Frauen. Dabei tischt er den Zivilisten etwas von einer neuentstandenen Regierung auf und gibt ihnen Hoffnung. Das findet der böse Will Patton so richtig kacke und macht Jagd auf den Postboten.
Drei Stunden lang trieft hier der pathetische Kitsch aus jeder Pore und ich kann jeden verstehen, der das absolut grauenhaft findet. Geht mir genau so. Aber irgendwas mag ich an dem Streifen. Vermutlich ist es einfach der Umstand, dass hier ein ungewöhnlich optimistischer Ansatz in einer so trostlosen Welt genutzt wird. Statt durchgehend darauf hinzuweisen, wie im Arsch alles ist, wandeln die Figuren mit einer Art durchgehendem Hoffnungsschimmer durch diese Welt.
Dadurch fehlt aber auch Konflikt an allen Ecken und Enden und bis auf den großen Helden Costner und den großen Bösen Patton, sind eigentlich alle einfach nur da. Und die beiden sind auch nur vom Reißbrett, was die Sache nicht besser macht. Die völlig beschissene Lovestory, die den kompletten Mittelteil einnimmt, lasse ich zudem besser unerwähnt. Und Tom Petty als Tom Petty auch.
Die Nummer hier auf knapp 2 Stunden runtergedampft und mit mehr Charakterentwicklung hätte mehr Spaß gemacht. Aber auch so kann ich dem Film irgendwas abgewinnen. Nur was genau, das weiß ich nicht.

DUNKIRK

Als ich den Streifen im Kino sah, war mir hinterher absolut bewusst, dass ich die ganze Nummer nicht gerade geil fand. Aber im Kino kann einen der Sound und die Bildgewalt schonmal blenden.
Zuhause auf dem TV muss ein Film dann wirklich zeigen, was er kann und das ist hier für mich persönlich leider nicht viel. Ich weiß genau, was Nolan hier tut und der Ansatz, die Distanzierung voneinander im Krieg aufzuzeigen und mal von der sonst üblichen Kameradschaft wegzugehen, ist nicht uninteressant. Nur sorgt eben diese Distanzierung dafür, dass mir völlig egal ist, was da gerade passiert. Es ist wie ein Videospiel, das von Außen betrachtet eher langweilig ist, denn wenn ich nicht selbst spiele, kann ich kein Leben verlieren. So geht es mir hier mit den völlig hohlen Figuren. Es juckt mich einfach nicht, ob sie überleben.
Den Feind nie zu zeigen ist ebenfalls eine nette Idee und sorgt für ein oder zwei durchaus intensive Szenen, die weit weniger effektiv gewesen wären, wenn da eine Truppe Soldaten über den Strand marschiert wäre. Allerdings geht dadurch die anrückende Bedrohung und der Umstand, dass die Zeit rennt, ein wenig flöten.
Und Zeit ist ohnehin ein eigenartiger Faktor hier. Mittlerweile sollte klar sein, dass Christopher Nolan sehr gerne mit der Zeit herumspielt. Bisher hat das auch immer recht gut funktioniert. Hier sollen drei verschiedene Zeitebenen gleichzeitig erzählt werden, die sich aber explizit in ihrer Länge unterscheiden. Wörtlich: 1 Stunde, 1 Tag und 1 Woche. Und das kam bei mir schon bei der ersten Sichtung gar nicht an und daran hat sich jetzt nichts geändert. Könnte auch alles kurz vor Sonnenuntergang sein. Ich kann den Unterschied einfach nicht feststellen, wer da gerade wann sein soll.
Am Ende bleibt ein netter Film, dem ich handwerklich nichts vorwerfen kann, und ich bin froh, dass es noch Leute wie Nolan gibt, die Experimente wagen. Das kann nur eben nicht immer funktionieren. Hier ging es für mich ziemlich in die Hose.

KINGSMAN: THE SECRET SERVICE

LeFloids Geheimagentenausbildung ist durchaus unterhaltsam. Was ich aber mittlerweile wirklich ambemerkenswertesten finde, ist die Tatsache, dass in Actionfilmen die Action immer der Schwachpunkt ist. Da ist es zur Abwechslung wirklich mal nett, wenn sich jemand die Mühe macht, seine Schnitte zu verstecken, wie hier in der Kirchenszene. Ansonsten müllt man leider auch ein wenig mit Effekten rum, die eine gute Actionszene einfach nicht nötig hat, aber das ist wohl heute einfach so und scheinbar finde nur ich das absolut zum Kotzen, deshalb wird es sich wohl nicht mehr ändern.
Immerhin sind hier die Charaktere und die Story gut genug, um den Film zu tragen und die Action ergibt sich daraus und nicht umgekehrt. So hat mich das Ding ganz gut unterhalten, auch wenn ich ihn nicht so feiern kann, wie es viele andere tun. Dafür fehlte mir einfach irgendwas. Der Humor kam bei mir nicht an und irgendwie hätte ich das Ganze gerne noch abgefahrener gehabt. Wenn man schon eine Breakdance-Klingenfuß-Asiatin am Start hat, sollte man auch auf allen anderen Ebenen komplett die Sau rauslassen. Aber da geht es wohl auch nur mir so.
Insgesamt ist der Streifen durchaus unterhaltsam und hat ein paar nette Ideen. Er leidet nur ein wenig unter dem modernen Problem, das Action nie einfach mal nur für sich stehen darf, sondern immer zum Kamerafahrten-Effektgewitter und Zeitlupen-FastForward-Gewusel verkommen muss. Und davon bin ich einfach kein Befürworter.

Orange Is The New Black – Season 7

Mit der siebten Staffel von ORANGE IS THE NEW BLACK – kurz OITNB – geht eine der ersten großen Netflixserien zuende. Und das keine Sekunde zu früh, um mal ein kleines Fazit vorwegzunehmen.

Nachdem in der letzten Staffel die Nachwehen des großen Gefängnisaufstands behandelt wurden, kehrt wieder etwas Ruhe in den Gefängnisalltag ein. Wobei noch der ein oder andere Ausläufer des Riots zu spüren ist. Und das sind dann auch die interessanteren Geschichten in der finalen Staffel. Die unschuldig verurteilte Taystee muss mit sich damit abfinden, dass sie wohl nie wieder aus dem Knast kommen wird. Blanca muss die Konsequenzen ihres Mitwirkens an dem Aufstand tragen. Und alle anderen sind auch noch irgendwie da.

Es wirkt leider so, als ob man für den Großteil des Casts eigentlich keine Ideen mehr hatte und deren Entwicklung bereits abgeschlossen war. So hängen einige der Frauen (und auch Männer) ziemlich in der Luft. Mittlerweile dürfte auch der letzte Depp kapiert haben, dass auch die Wärter allesamt Dreck am stecken haben oder die Insassen vögeln wollen; oder beides. Und auch, dass es den Ex-Häftlingen schwerfällt, sich wieder an ihr Leben außerhab der Zellen zu gewöhnen, hatten wir mittlerweile mehrmals in der Serie. So werden also einige Charaktere mit Alibi-Storys abgespeist, die sich nicht selten darum drehen, sich irgendwas oder irgendjemanden zwischen die Beine zu schieben.

Natürlich will man am Puls der Zeit bleiben und wirft noch halbherzig eine #MeToo-Geschichte und Immigrantencamps in den Mix. So richtig aufregend ist das aber alles nicht gerade. Mittlerweile folgt man den Charakteren halt gerne und so hält einen das alles irgendwie bei der Stange. So richtig interessant ist hier aber nicht mehr viel und bei den wenigsten wollte ich dann auch wirklich wissen, wo die Reise endet.

Immerhin hat man aber den offensichtlichen Weg vermieden und schmeißt hier nicht mit Pseudy-Happy Ends um sich. Wie die Charaktere der Serie, ist auch deren Abschied selten ausschließlich positiv oder negativ. Es gibt einige Grauzonen, die man hier abdeckt. Für manche kommt es nur etwas plötzlich und dann spielen sie einfach keine Rolle mehr. Das wirkt dann doch sehr wie das Abhaken einzelner Stationen innerhalb der Geschichte.

Am Ende ging der Serie leider die Puste aus. Die Riot-Season war einfach ein Höhepunkt, den man nicht mehr toppen konnte und selbst, daran anzuschließen, war schwierig. Man hat das ganze hier zu einem netten Abschluss gebracht, der der Serie und den Charakteren durchaus gerecht wird. Nur so richtig mitnehmen wollte mich das alles nicht mehr. Die Staffel plätschert so dahin und dann ist es halt vorbei. Unspektakulär. Nett. Vorbei.

Blockbuster-Sommer 2019: Holmes, LAH, Kong

Eigentlich hatte ich nach Teil 1 keine Lust mehr, aber dann wurde ich darauf hingewiesen, dass noch ein dritter Teil kommen soll und da dachte ich, dass das Sequel vielleicht etwas unterhaltsamer als der Vorgänger ist:

SHERLOCK HOLMES: A GAME OF SHADOWS

Teil 1 zeigte neulich im Rewatch bereits, dass diese Version von Sherlock Holmes nicht das Unterhaltungspotenzial besitzt, dass ich ihm vor 10 Jahren noch zugesprochen hätte. Mit anderen Worten: In meiner Erinnerung funktionierte das alles besser.
Dieses Sequel habe ich damals „verpasst“ und aus irgendeinem Grund entschied ich mich dazu, diesem Holmes noch eine Chance zu geben. Und es hat sich nicht viel geändert. Der Streifen hat ein paar nette Momente, aber insgesamt bleibt da nichts bei mir hängen. Die Gags zünden bei mir nicht, die Darsteller sind halt da und die Geschichte läuft so daher. Der Holmes Charakter langweilt mich mehr, als er es dürfte. Er kann einfach alles. Rätsel lösen, kämpfen, geigen, sogar in die Zukunft schauen (sozusagen). Das Einzige, das er nicht kann: Mich unterhalten.

LAST ACTION HERO

Es sagt viel über das Kinopublikum aus, dass ausgerechnet dieser Film Arnies erster Flop war. Das Publikum (und ja, ich zähle mich dazu) war also schon in den 90ern dumm wie Brot. Es wurde mit den Jahren nur immer dümmer und die Risikobereitschaft der Studios immer geringer. Und jetzt haben wir den Salat.
Ironischerweise ist dieser Film eine Liebeserklärung an die Magie, die das Kino beziehungsweise das Medium Film auf den Zuschauer übertragen kann. Eine Magie, die diesem Medium irgendwann zwischen Effektgewittern und dem Aufkochen des immer gleichen Gemüses abhanden kam.
Gleichzeitig handelt es sich um eine Hommage an die große Zeit der Actionfilme, voller Oneliner, schwerbewaffneter Typen und cooler Action.
Alles an diesem Film macht einfach nur Spaß, weil er eine gute Idee zuendegedacht umsetzt und sich nicht nur auf Getöse ausruht, das diese Idee ohne Zweifel mit sich bringt. Es ist irgendwie traurig, dass ausgerechnet dieser Film so unterging und bis heute kaum Erwähnung findet. Andererseits vermutlich eine gute Sache, ansonsten hätte man die Idee mittlerweile bereits mit drei Sequels, einem Prequel und einem Reboot komplett zerstört. Dann doch lieber nochmal diese Version anschauen, aus einer Zeit, in der Ideen noch gewürdigt und umgesetzt wurden, selbst wenn das saudumme Publikum sie nicht sehen wollte.

KONG: SKULL ISLAND

Als nach 5 Sekunden ein Fallschirmspringer wie die geborene Coolness am Strand landet, hatte ich schon keinen Bock mehr. Aber es war dann doch nicht so grauenhaft, wie ich erwartet hatte.
Der Reihe nach:
John Goodman ist Mr. Exposition und erzählt entweder, wie beschissen die momentanen Zeiten sind oder spricht wie eine Seite aus einem fiktionalen Kriegsroman.
Samuel L. Jacksons Charakter hat genau eine Aufgabe: Durchgehend scheiße drauf sein.
Brie Larson hat eine Photokamera und sonst nicht den geringsten Charakter.
Tom Hiddleston gibt den Abenteurer, der auf der Suche ist, aber nicht weiß, wonach er eigentlich sucht. Außer Geld.
Und John C. Reilly ist erstmal nur nervtötend, entwickelt sich dann aber zum interessantesten Charakter in dem Gemüse hier. Nicht, dass das eine große Leistung wäre, denn alle anderen geben absolut nichts her.
Nett ist der teils griselige Filter, der über manchen Szenen liegt und den Film etwas aus der Zeit fallen lässt. Der Soundtrack trägt natürlich auch dazu bei, auch wenn man wirklich mal aufhören könnte, den ganzen Kram runterzududeln, den jede Sau sowieso kennt. Die 60er/70er hatten mehr als CCR, Black Sabbath und Jefferson Airplane zu bieten. Wenn jetzt noch jemand verstanden hätte, wie man einen Abenteuerfilm macht, bei dem Charaktere, Abenteuer und Action gleichermaßen interessant und spannend bleiben, wäre dabei vielleicht sogar ein guter Film herausgekommen. So sind es aber nur Riesentiere und Monster, die Menschen jagen und Krempel durch die Gegend werfen. Die Dialoge während der Actionszenen wirken dabei teilweise wie gelangweilt reingeschnitten, was sie vermutlich auch wurden.
Und da kommt natürlich dann mal wieder das heute übliche CGI zum Vorschein, das teilweise mal wieder mehr schlecht als recht ist und in jeder Szene vorkommt, die man auch ohne hätte drehen können. Ihr wisst schon. So wie in den 70ern, die der Streifen ja so gerne kopieren will.
Ich glaube, das ganze Ding hätte mit einer gehörigen Portion Horroratmosphäre viel besser funktioniert. Das Setting dafür wäre bereits vorhanden gewesen und die Monster sowieso.
Die erste halbe Stunde ist ganz nett. Der Shot mit King Kong vor der Sonne sieht super aus. Danach kriegt man visuell ein paar schöne Szenen und zumindest kommt nie wirklich Langweile auf, bis zum großen Endkampf, der wie üblich, ziemlich lahmes Rumgekloppe ist. Mehr kann man von einem modernen Blockbuster wohl nicht erwarten.

Blockbuster-Sommer 2019: Weniger schrottig

Ich mogele direkt mal, denn eigentlich ist der folgende Film nicht wirklich ein Blockbuster. Aber er hat schon den Vibe davon:

BABY DRIVER

Bisher hat Edgar Wright mich mit seinen Filmen immer überzeugt. Bei diesem Streifen hatte ich allerdings bereits im Vorfeld so meine Zweifel, ob das wirklich was taugen kann. So sehr ich Verfolgungsjagden mag, alleine machen sie keinen guten Film.
Wright ruht sich nicht komplett auf der Autoaction aus und gibt seinen Charakteren … nun Charakter. Baby hat mich mit seinem Musiktick zwar eher genervt, aber es ist zumindest menschlich und damit besser, als der Großteil, den uns moderne Filme normalerweise geben. Die restlichen Leute sind zwar eher Reißbrettkandidaten, aber die Darsteller geben ihnen einen eigenen Touch, wodurch sie ebenfalls lebendig genug wirken, um durch die Story zu kommen.
Die Story ist einer der Knackpunkte. Es ist die übliche Geschichte um den Aussteiger, der zurück ins Gangsterleben gezwungen wird. Nichts besonderes und auch nicht besonders anders erzählt. Zudem kann man wohl durchaus hinterfragen, ob die Loveinterest von Baby noch ganz normal in der Birne ist, aber kommen wir hier besser nicht mit nachvollziehbaren Handlungen. Die Figuren tun, was der Plot von ihnen verlangt. Nur tun sie eben auch andere Dinge, wodurch es nicht so stark ins Gewicht fällt.
Wright stützt sich hier auf seinen Soundtrack und der ist … ganz nett. Genau so wie die Schnitte ganz nett sind. Und einfach alles hier ganz nett ist. Irgendwie macht der Streifen durchaus Spaß, aber mir persönlich nicht so viel, wie er es vermutlich sollte. Trotzdem ist er damit tausendmal besser als die meisten modernen Actionfilme voller Getöse und Effekten und anderem langweiligen Blah, den man genau so schon tausendmal gesehen hat. Wrights schwächster Film, aber noch irgendwie unterhaltsam.

2012

John Cusack fährt Auto, während im Rückspiegel die Welt untergeht. Mehr muss man über den Quatsch hier eigentlich nicht wissen. Andererseits gibt es auch noch einen irren Woody Harrelson auf nem Berg und ansonsten absolut niemanden, den man guten Gewissens als Charakter bezeichnen könnte.
Kurz gesagt: Die Personen gehen mir komplett am Arsch vorbei und hangeln sich hier durch Logiklücken und Klischees an allen Ecken und Enden. Aber dafür geht die Welt unter und es sieht wirklich richtig richtig richtig scheiße aus. Veraltetes CGI ist nun mal ein Traum … sofern man im Traum gerne erblindet.
Ist nur mindesten eine Stunde zu lang. Wenn die Welt wirklich irgendwann untergehen sollte, reichen auch 90 Minuten. Spätestens dann hat man alles gesehen.

SHERLOCK HOLMES

Holmes ist hier so dermaßen perfekt, dass es eigentlich nur noch nervt. Nicht nur, dass er natürlich jedes Rätsel lösen kann, er ist auch noch ein guter Kämpfer und kloppt jeden Gegner um. Die Darsteller geben zwar alles, aber der Funke wollte nie so recht überspringen.
Dazu kommt dann die ganze Action, die in der Regel ebenfalls nur nervt, durch hektische Schnitte und Tricktechniken. Man konnte eben schon vor 10 Jahren eine Actionszene nicht einfach mal so abdrehen, dass man sie als Zuschauer einfach in ihrer Gänze genießen kann.
Zwischen der Action dödeln Holmes und Watson durch London und ermitteln hier und da ein bisschen rum, was auch nicht sonderlich spannend ist, denn Holmes weiß ja eh alles.
Was hier vor allem fehlt, sind die spritzigen Dialoge eines Guy Ritchie, was noch mehr auffällt, wenn man bedenkt, dass sich Holmes und Watson hier durchaus im von Ritchie beliebten Gangstermilieu herumtreiben. Aber dem Mann ist mittlerweile langweiliges Getöse leider auch wichtiger, als alles andere, schätze ich.
In meiner Erinnerung war der Streifen hier trotzdem unterhaltsamer. Vielleicht haben ihm die 10 Jahre – und die BBC-Serie – auch einfach nicht gut getan.

Mal (einigermaßen) aktuell: Stranger Things Season 3

Hasst ihr es eigentlich auch so, wenn recht durchschnittliche oder bestenfalls gute Dinge als „genial“ bezeichnet werden? Gerade bei Film- und Serienrezensionen stolpere ich regelmäßig über diesen Ausdruck und muss mich dann zügeln, keine Grundsatzdiskussion über Sinn und Unsinn dieser Bezeichnung zu beginnen. Es gibt sicher schöpferische Genies, aber bei Netflix findet man die eher selten. Und bei der Serie STRANGER THINGS schon mal gar nicht.

Schon in Staffel 1 schwamm die Serie auf einer schlichten Nostalgie-Welle und ließ so richtig die Sau aus dem 80er Stall. Zugegebenermaßen war das alles gut gemacht, hatte eine nette Handlung – die man so auch schon hundertmal gesehen hat – und vor allem funktionierende Charaktere, die den Zuschauer bei der Stange halten. Der Rest setzte sich zusammen aus Verweisen auf die 80er Popkultur und lahmen Cliffhangern. Wie oft kann man zum Ende einer Episode irgendeine Monstermutation in die Kamera brüllen lassen? Die Antwort liefert diese Serie.

Im Prinzip ist es also auch nur eine dieser Netflix-Blendgranaten, die durch simple Tricks Spannung vortäuschen, die zu keinem Zeitpunkt vorhanden ist, weil wir eh wissen, dass alle heil aus der Nummer herauskommen und eben mit lahmen Pseudocliffhangern zum „Bingen“ anregt (nebenbei ein Wort, dass ich noch weniger mag als „genial“).

Staffel 2 erzählte dann einfach die gleiche Geschichte noch mal und langweilte mich größtenteils und Staffel 3 wirft halt russische Terminatorenimitate und hundert lahme Lovestorys in den Mix. Immerhin ist die Staffel insgesamt etwas weniger dröge als die vorherige, aber insgesamt wäre es für die Geschichte am besten gewesen, es bei einer Staffel zu belassen.

Andererseits könnte ich mich so nicht an der einen Stärke der Serie erfreuen: Den Charakteren. STRANGER THINGS ist das perfekte Beispiel dafür, warum Charaktere so wichtig sind. Wären da nicht die liebgewonnen Jungs und Mädels und ein paar neue (außer die nervige Erica), wäre ich nicht mehr dabei. Gute Charaktere können eben eine schwache Story tragen. Umgekehrt funktioniert das so gut wie nie. Außer vielleicht bei Dan Brown.

Insgesamt hatte ich mehr Spaß mit Season 3 als mit der vorherigen. Genial ist hier absolut gar nix, aber unterhaltsam schon irgendwie. Jetzt kann man aber gerne zum Ende kommen, bevor sich die gleiche Geschichte zum vierten Mal wiederholt und endgültig abnutzt. Soll ja nicht zu einer „Neverending Story“ werden, ne? Ne? Muäh …

Mal aktuell: Good Omens

Mittlerweile sollte bekannt sein, dass ich großer Fan von Terry Pratchetts Werken bin. Auch wenn ich das Wort Fan nicht mag. Ich sammele keine Fedorahüte, weil Terry die gerne trug oder habe eine Kiste, die ständig hinter mir herläuft. Aber ich mag seine Schreibe und seine Kreativität und mehr oder weniger jedes Wort, das er jemals geschrieben hat. Um so schweriger gestaltet es sich natürlich, mich mit einer Adaption seines Werks zu überzeugen. Da in diesem Fall aber Neil Gaiman persönlich die arbeit übernahm, sein und Terrys Werk auf die Bildschirme zu bringen, habe ich wenig Sorgen. Hoffentlich berechtigt.

GOOD OMENS

Vorweg eine Sache, die sich für mich niemals ändern wird: Buchhumor lässt sich nicht gut auf ein visuelles Medium übertragen. Vor allem nicht, wenn es sich um Humor im Stile eines Terry Pratchett oder Douglas Adams handelt. Da hilft auch Frances McDormand als göttliche Erzählerin nicht. Mit anderen Worten: Das Voice-Over hat mich größtenteils genervt und mir wäre es lieber gewesen, man hätte die paar Szenen, wo es wirklich nützlich ist, mit den Darstellern abgedreht oder sich was anderes einfallen lassen, um die Lücken zu füllen. Ich brauche in einer Serie keine lustigen Charakterbeschreibungen und Hintergründe, denn die kann man genau so gut zeigen.

Dementsprechend quälend fiel für mich die erste Folge aus. Neben der ganzen Exposition hat sich vor allem das Baby-wechsel-dich-Spiel gefühlt ewig hingezogen.

Die Geschichte ist natürlich schön bekloppt und steigert sich mit jeder Szene zu größerem Irrsinn. Die Darsteller machen ihre Sache durch die Bank gut bis hervorragend und man merkt ihnen an, dass sie so richtig Bock auf die Nummer hier hatten. Vor allem David Tennant, Michael Sheen und Jon Hamm stechen heraus. Letzterer in der Rolle des Engels Gabriel, die für diese Serie im Vergleich zum Buch etwas größer angelegt wurde. Dafür hat man die Szenen mit den SIE eingedampft, was ein wenig Schade ist, da dadurch der ganze Verschwörungsquatsch aus dem Buch wegfällt, der ja zu dem ganzen Chaos irgendwie dazugehört und einiges erst heraufbeschwört.  Aber da das nicht groß was zur Story beigetragen hat, ist es schon okay so. Dummerweise bleiben so der „Antichrist“ und seine Freunde aber sehr blass hier und er und seine Freunde wirken bis zum Schluss nur wie ein Plotelement, das dann plötzlich wichtig wird.

Lobend erwähnen muss man natürlich auch den Queen-Soundtrack, der besonders für Kenner des Buchs ein schöner Insider-Gag ist. Weitere kleine Gags ziehen sich durch die Serie und es gibt einiges zu entdecken für die absoluten Fans der Vorlage. Alleine die Opneing Credits sind eine wahre Fundgrube an Details. Der ein oder andere Cameo ist auch dabei. Neil Gaiman und Terry Pratchett tauchen in gewisser Form ebenfalls auf.

Absolutes Highlight ist Episode 3, die größtenteils aus Szenen besteht, die nicht im Buch vorkommen. Da ich kein großer Befürworter von direkten Adaptionen und immer auf der Suche nach dem anderen Weg, eine Geschichte erneut zu erzählen bin, hat mir die Folge richtig Spaß gemacht. Den kleinen Zusatz am Ende mochte ich dementsprechend ebenfalls. Ich hoffe nur inständig, dass man sich hier nicht bewusst, eine Tür für eine Fortsetzung offen gehalten hat. Das würde sicher schiefgehen.

Nach schwierigem Start also ein schöner Spaß, der nicht immer den Humor des Buchs trifft, dafür aber mit tollen Darstellern trumpfen kann. Die ein oder andere Rolle kommt dabei zwar zu kurz, aber im Buch waren Erziraphael und Crowley auch schon das Highlight, also kann ich mich kaum beschweren, dass man ihnen hier noch mehr Zeit eingeräumt hat.