Filmschrott

Schlechte Filme von Mainstream bis Trash. Die Lücke ist kleiner als man denkt.

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Interview mit Alex „Sander“ Lotz von SanderMania Productions

Vor einiger Zeit habe ich ja hier die DVD zu Creepy Campfire Stories vorgestellt. Im Rahmen dessen, habe ich noch ein Interview mit dem Regisseur dieses Schnetzel-Horror-Spaßes geführt.

Alex „Sander“ Lotz heißt der gute Mann, der so viel Spaß daran hat, Filme zu machen und schon einige Kurzfilme auf seiner Homepage SanderMania veröffentlicht hat. Weitere werden folgen. Was er sonst so tut, was er noch vorhat und überhaupt und sowieso könnt ihr im folgenden Interview erfahren:

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Alex „Sander“ Lotz

Filmschrott: Hi, Alex. Erst mal danke, dass du dich bereit erklärt hast, als erster Interviewgast auf den Filmschrottplatz zu kommen. Handeln wir zu Beginn mal das Wichtigste ab: Stell dich doch mal kurz meinen Lesern vor. Was machst du? Wie lange machst du es schon? Wie lange wirst du es noch machen? usw.

Alex: Na klar, gerne doch. Ich hab zu danken!
Ok fangen wir mal an. Wie der ein oder andere schon weiss, bin ich Filmemacher. Das heisst im Detail, dass ich nicht nur Regie mache, sondern auch noch Drehbücher schreibe, selbst vor der Kamera stehe, alles schneide, hier und da mich auch um die Special FX kümmere (je nach Projekt) und und und.
Seit wann ich das genau mache ist Ansichtssache. Meine erste Videokamera hab ich 1994 als ich 14 war bekommen. Da sind logischerweise schon die ersten Kurzfilme entstanden. Schneiden musste ich damals noch mit 2 Videorekordern und allgemein war das zu dieser Zeit sehr schwierig alles zu machen, im Gegensatz zu heute, wo man alles am Rechner machen kann.
Aber so richtig angefangen hat es erst 2012, weil ich damals zum ersten Mal mit Drehbuch gearbeitet hab und das alles etwas ernster genommen hab.
Wie lange ich das machen werde kann ich nicht genau sagen. Am Ende des Tages mach ich das ja aus Leidenschaft. Und solange die da ist, werde ich das auch tun. An Kreativität mangelt es ja zum Glück nicht. Höchstens am Geld und Equipment.

Creepy Campfire Stories ist ja dein erster „Langfilm“. Wie kam es zu der Idee, statt einen eigenständigen Film, eine Kurzfilm-Anthologie zu machen?

Das kann ich dir ganz genau sagen. Ich wollte mich für mein erstes Feature einfach nicht übernehmen. Es ist nämlich extrem schwierig ein Drehbuch zu schreiben und so umzusetzen, dass der Zuschauer am Ende nicht gelangweilt ist von der Story und allem. Deshalb hat man bei einem Episodenfilm automatisch schon mal die Abwechslung auf seiner Seite. Davon abgesehen, steh ich auf 80er Jahre Horror-Antholgien wie z.B. „Creepshow“. Also alles gute Gründe, warum ich mich dafür entschieden hab.

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Creepy Campfire Stories

Wahrscheinlich ist auch der Zeitaufwand für ein „echtes“ Langfilmprojekt nicht zu unterschätzen. Ich habe erst kürzlich mal wieder die Peter Jackson Schnetzel Trilogie (ich behaupte mal, dass das der offizielle Titel ist) angeguckt. Für seinen Erstling Bad Taste hat er ja um die 2 Jahre gebraucht, weil er nur drehen konnte, wenn Geld da war und seine Darsteller Zeit hatten usw.
Wäre das für dich auch ne Option? Einfach anfangen und immer, wenn die Möglichkeit besteht drehen, bis das Ding dann irgendwann fertig ist, oder bist du eher der Typ, der sich an nen strengen Zeitplan hält?

Allerdings. Das sollte man wirklich nicht unterschätzen. „Creepy Campfire Stories“ hat auch 2 Jahre gedauert, also vom Drehbuch schreiben 2013 und den ersten Drehs und dann 2014 hauptsächlich die Postproduction und alles.

Nein, eigentlich ist das keine Option für mich. Das sowas für mich zu sehr „ausser Kontrolle“ ist und man am Ende gar nicht weiss, ob das Projekt dann auch wirklich fertig wird. Dann wäre ja alles umsonst gewesen. In meinem Fall muss das alles vorher schon, so gut es geht, durchgeplant werden. Klar, es gibt immer Nachdrehs und Sachen die man nicht planen kann und Probleme die man vor Ort lösen muss, aber nur drehen wenn Geld da ist oder Leute zu Verfügung, dass wäre nix für mich! Ich hab gelernt mit wenig Geld auszukommen und trotzdem etwas brauchbares daraus zu machen. Ich bin mehr der „Just Do It“ Typ!

Wo ich gerade bei Jackson bin: Der hat damals gesagt, dass die Kreativität, die man hat, wenn man alles selber macht, kein Geld in Hollywood ersetzen kann. Du machst ja auch alles selber, vom Schreiben, übers Drehen, bis zur Endproduktion. Siehst du es auch so, dass diese uneingeschränkte Freiheit, tun zu können was du willst, mehr wert ist, als für große Studiobosse zu arbeiten, die einem in alles reinlabern? Oder ist es dein Ziel, irgendwann auch mal nen „richtigen“ Kinofilm zu machen, selbst wenn du da eingeschränkt wärst, in dem was du darfst und dein Einfluss auf das eigentliche Endprodukt dann nicht mehr so groß ist?

Interessante Frage. Auf der einen Seite ist das natürlich richtig und auf der anderen hat das auch Nachteile, was z.b. die Anerkennung betrifft. Das Wort „Amateurfilm“ hat immer so einen negativen Beigeschmack, dass alle immer den Term „Urlaubsfilmer“ im Kopf haben. Und natürlich auch, weil es soviel Schrott gibt. Deshalb würde ich mich auch eher als Independent-Filmemacher bezeichnen. Aber es ist halt auch sehr schwer überhaupt wahrgenommen zu werden, wenn man nicht ein grosses Studio im Rücken hat. Und es ist schon schade, dass viele Leute sich blenden lassen, indem sie sagen: „Der Film war nicht im Kino zu sehen, also warum soll er dann gut sein?“ oder „Der Film hat wenig bis kein Budget, warum soll ich mir das ansehen?“. Aber um auf deine Frage direkt einzugehen, ich bin da so ein bisschen wie Axl Rose. Ich lass mir nicht reinreden. Entweder wird’s so gemacht wie ich es mir vorstelle und wenn nicht, dann Fuck You! Wenn ich mit dem Endprodukt nicht zufrieden bin, weil irgendwer anders Einfluss drauf haben will (und da zählt Design und Layout auch dazu), kann ich das nicht verantworten. Klar, will ich schon einen „richtigen“ Kinofilm machen, aber wenn dann nur zu meinen Konditionen. Ich könnte nicht damit leben, wenn mir jemand was vorschreibt. Ideen vorschlagen ist ja okay. Aber das letzte Wort sollte bei mir liegen, sonst wird das nix!

Käme es denn beispielsweise in Frage, Drehbücher von anderen Autoren zu verfilmen? Zumindest wenn du die Idee umsetzen kannst, wie du willst?

Darüber hab ich mir ehrlich gesagt noch gar keine Gedanken gemacht. Ich hab selber noch so viele Ideen die ich umsetzen will. Von daher bin ich mir nicht sicher, aber offen wäre ich theoretisch dafür schon. Nur muss man da auch höllisch aufpassen, wenn man ein „fremdes“ Drehbuch liest, da kann man schnell sagen „du hast meine Idee geklaut“.

Das stimmt natürlich. Außerdem findet man in eigenen Geschichten auch oft einen Teil von sich selbst wieder. In deinem Kurzfilm „Gefangen in der Zeitkapsel“ zum Beispiel geht es um einen Traum, den du mal hattest. Gibt es auch in deinen anderen Filmen Szenen, die auf realen Erlebnissen beruhen? Oder hattest du schon mal einen Moment, in dem du dachtest „was hier gerade abgeht, muss ich irgendwann in einen Film einbauen“?

Richtig. Bei „Gefangen in der Zeitkapsel“ hatte ich den Traum sozusagen verfilmt. Gleichzeitig hab ich auch gleich meine damals neue Kamera getestet mit den Aufnahmen.

Ja, definitiv. Eigentlich hat jeder Film von mir was persönliches von mir. Mal mehr, mal weniger. Logischerweise mehr, wenn ich selber auch mitspiele. Aber ich versuche schon immer irgendetwas persönliches einzubauen und wenn es nur eine Requisite ist, wie z.B. ein Guns N‘ Roses Poster im Hintergrund. Aber bei meinem bald erscheinenden Kurzfilm „Jerks“ wird eigentlich alles was da an Dialogen stattfindet, auf meinen persönlichen Erfahrungen und Diskussionen basieren. Ich denke mit diesen Themen kann sich jeder auch identifizieren und ruft Reaktionen bei den Leuten meiner Generation vor wie: „Ja man, genau so war das damals“, da der Film ja im Jahr 1993 spielt.

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Gefangen in der Zeitkapsel

Na, wenn wir schon dabei sind: Erzähl doch mal schnell, worum es in Jerks geht.

Na klar, gerne! Also „Jerks“ ist sozusagen eine Hommage an „Clerks“ von Kevin Smith. Es geht um Roger (der von Jonathan Schäble gespielt wird) und Dave (der von mir gespielt wird). 2 Typen, die den ganzen Tag nur rumhängen und ihr Leben geniessen. Roger ruft Dave eines Tages an und will sich dringend mit ihm treffen, aber erst am Ende des Films wird man den Grund erfahren, worüber Roger mit Dave sprechen will.
Der Film spielt, wie schon erwähnt, 1993 und greift die damaligen Themen auf, die einem in diesem Jahr als Teen so interessiert haben. Der Streifen lebt hauptsächlich von den Dialogen zwischen den beiden Jungs, dem Humor und den ganzen Referenzen zu Filmen, Videogames usw. Das bedeutet, es gibt in jedem Segment des Films ein bestimmtes Thema, was angesprochen wird und es kommt zur Diskussion. Wenn man „Clerks“ kennt und mag, wird man „Jerks“ auch was abgewinnen können. Zumal es auch bisher unsere beste schauspielerische Leistung ist, wie ich finde. Das interessante hierbei ist auch, dass es der billigste Film von mir ist. Gekostet hat der nämlich genau 0 Euro. Wir hatten diesmal auch keinen Kameramann zur Hand und haben trotzdem etwas sehr interessantes daraus machen können, was man ja im Trailer schon sicherlich erahnen kann.

Klingt nach ner Menge Spaß (für die ganze Familie). Hauptsächlich drehst du ja eigentlich Horrorfilme. Macht es da um so mehr Spaß, sich auch mal an anderen Genres zu versuchen, oder ist Horror dann doch eigentlich das Genre, in dem du dich am liebsten aufhältst?

Ist es auf jeden Fall!

Naja ich wollte mit „Jerks“ halt auch mal was anderes probieren. Mal was wo kein Blut fliesst und man Effekte und den ganzen Kram vorbereiten muss. Und vor allem wo man schauspielerisch mal mehr machen kann. Also auch mal eine neue Herausforderung, was das Drehbuchschreiben angeht und man sich speziell auf die Dialoge konzentrieren kann. Sozusagen was „angenehmes für zwischendruch“. Der Dreh war auch sehr chillig, bis auf eine Sache, nämlich die extreme Hitze vom Sommer 2015. Aber du hast schon recht, im Horror Genre halte ich mich natürlich am liebsten auf.

Wo du gerade die Effekte erwähnst: Die sind ja in deinen Filmen, so weit es möglich ist, handgemacht, was ich als großer CGI-Gegner generell nur befürworten kann. Ist das eher eine Geld- und Zeitfrage, dass du CGI umgehst, oder gefallen dir handgemachte Sachen auch einfach besser, als animierter Kram?

Ich bin auch kein Fan von CGI. Vor allem im Horror Genre. Wenn man nicht drumherum kommt und es sparsam einsetzt, kann es hilfreich sein. Aber die praktischen Effekte sind natürlich favorisiert.

Wenn das Blut schon animiert ist, bin ich schon enttäuscht. Wenn man mal bedenkt, wie kreativ und wieviel Mühe man sich früher gemacht hat, mit all den praktischen Effekten und Animatronics. Unglaublich!

Und heute wird das alles nur noch lieblos hingerotzt.

Da bin ich komplett deiner Meinung. Mittlerweile ist das viel zu überbordend. Vor allem als Trash Fan stört es mich ja, dass selbst da nicht mehr wirklich mit Liebe zum Detail gearbeitet wird, was ja eigentlich dieses „Genre“ ausmacht. So Sachen wie Sharknado gehen da einfach völlig an dem vorbei, für das ich Trashfilme so mag. Wie stehst du denn zu „Trash“? Ist das auch ein favorisiertes Genre von dir? Oder magst du dann doch eher die „hochwertig“ produzierten Filme?

Ich mag Trash schon. Aber da muss ich auch unterscheiden. Es gibt ungewollten und gewollten Trash. Und am Ende ist es ja auch ein Frage des Geschmacks. Manchmal ist Trash besser als „hochwertig“ produziertes. Denn meiner Meinung nach bringt es nix, wenn man das beste Equipment hat, aber damit nicht umgehen kann und was langweiliges produziert. Trash hat da oft mehr zu bieten für weniger Budget. Ich vergleiche das immer gern mit Videogames. Nur weil ein Game ’ne Bombengrafik hat, heisst das noch lange nicht, dass es gut ist! Da sind mir Games wo alles andere stimmt, aber dafür die Grafik schlechter ist, viel lieber. Aber ich steh eh auf den ganzen Old-School 2D Kram. Von daher.

Du bist also scheinbar eher „retro“. Finde ich gut. Hast du dadurch generell eine „Früher war alles besser“-Einstellung, oder gefallen dir die „neuen“ Sachen trotzdem genau so gut, wie die alten?

Auf jeden Fall. Wenn du meine Filmesammmlung siehst, findest du 90% alten Kram aus den 80ern und 90ern. Aber auch ganz altes s/w Zeug. 

Nur wenig was nach der Jahrtausendwende kam. Und auch so bin ich wirklich eher der „Früher war alles besser“-Typ. Nicht umsonst hab ich auf meiner Website und YouTube Channel die „Memories“ Videos und „Die Nostalgiker“ Webserie.
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Die Nostalgiker

Was sind denn so deine Lieblingsfilme? Sind da auch welche bei, die nichts mit Horror zu tun haben?
Das ist eine ganze schwierige Frage. Da gibt’s einfach viel zu viele, die auf die Liste gehören. Vor allem wenn du so allgemein fragst. Aber sicher ist da nicht nur Horror bei mir im Regal.
Na gut, dann haue ich zum Abschluss eine genau so schwere Frage hinterher. Da wir uns hier auf dem Filmschrottplatz befinden, darf die schließlich nicht fehlen: Welchen Film findest du richtig schlecht? Was ist ein absoluter Hassfilm von dir, den du dir nie wieder angucken könntest?
Die Killerkacke Trilogie! Denn das ist der beschissenste Film aller Zeiten! Hahaha!
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Die Killerkacke

Na, was ein Glück, dass du den selbst gedreht hast und deshalb sowieso auswendig kennst. Da ist eine erneute Sichtung ja dann nicht nötig.
Ich will dich dann auch nicht weiter vom Filme machen abhalten und freue mich erst mal auf Jerks.
Vielen Dank für das Gespräch, Alex und viel Glück mit den zukünftigen Projekten.

So siehts aus!

Ich hab zu danken. Es war mir ein Vergnügen!
„Jerks“ hat am 19.12.2015 Web-Premiere.
dann kann man ihn auf meiner Website www.sandermania.de und auf meinem YouTube Channel www.youtube.com/sandermaniafilms ansehen. 
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