Filmschrott

Schlechte Filme von Mainstream bis Trash. Die Lücke ist kleiner als man denkt.

Ist das Trash, oder kann das weg?

Das mag jetzt für den ein oder anderen eine Überraschung sein, aber hin und wieder gucke ich gerne schlechte Filme. Also so richtig schlechte Filme. Filme, die so schlecht sind, dass sie schon wieder gut sind, in ihrer Schlechtheit.

Manche Leute werden sich fragen, wie man sich solchen Scheiß reinziehen kann. Ich sage es euch: Nirgendwo findet man die Art von Humor, die ein Film entwickelt, der totaler Schwachsinn ist, dir aber versucht zu verkaufen, dass der ganze Scheiß, der da abgeht, wirklich ernst gemeint ist.

Leider hat sich mittlerweile die Trash-Szene in eine Richtung entwickelt, die genau das macht, was Trash eigentlich nicht ist. Trash besticht nicht mehr durch abstruse Geschichten, die ihren Reiz daraus ziehen, eben diese Geschichte mit einem Ansatz von Realismus, der einen glauben lässt, dass das alles doch so tatsächlich ablaufen könnte, zu erzählen. Stattdessen wird einfach generell alles komplett überzeichnet und dadurch lächerlich dargestellt, wodurch dem Zuschauer nicht mal die Möglichkeit gegeben wird, sich irgendwie in die Story reinzuversetzen.

Okay, ich gebe zu, es ist schon nicht so einfach, sich vorzustellen, dass ein Quallenmann sein Unwesen treibt. Oder dass Cyborgs die Erde invasieren. Oder dass Froschmutanten einen Harem mit Menschenweibchen gründen.

Aber all diese Filme versuchen immerhin, so etwas wie Stimmung zu erzeugen, die so einem Film gerecht wird. Und gerade das Scheitern genau daran, macht Trash aus. Denn gerade dieses Scheitern erzeugt diesen angesprochenen, einmaligen Humor, den eben nur ungewollter Trash hervorbringt.

Und da sind wir eben beim Problem. Heute versuchen die Filmmacher gar nicht mehr, ein Thema ernst anzugehen. Es wird alles direkt darauf getrimmt schlecht und selbstironisch zu sein. Was die Macher dabei aber schlicht vergessen, ist die Tatsache, dass ein von Grund auf schlechter Film nicht nur schlecht ist, sonder einfach scheiße. Denn dadurch wird es zu nichts anderem, als einer Marketing-Maschinerie, die dem Zuschauer vorgaukelt, dass er den Scheiß, der da gerade abläuft unterhaltsam zu finden hat, was er aber einfach nicht ist. Das beste Beispiel dürfte wohl das Hai-Getümmel namens Sharknado sein. Wo der erste Teil sogar noch in manchen Momenten den hirnlosen Charme echter Trash-Filme versprühte, verkam das Ganze bereits mit Teil 2 zur reinen Cameo-Parade für abgehalfterte Stars und Sternchen, die lieber in einem Scheißfilm Schaulaufen, statt sich irgendwo in einen Dschungel zu hocken und Känguruhoden zu essen. Dazu ist das alles einfach so extrem Over-The-Top, dass jeglicher Spaß daran verloren geht.

Und mit dem Erfolg dieses New-Trash beginnt das Grauen erst. Denn was machen große Produktionsfirmen, wenn sie ein funktionierendes System entdecken? Genau. Sie kopieren es. Und so werden nach und nach immer mehr New-Trash-Filme in die Kinos gepült. Manche Leute nennen sie auch „Blockbuster“. Ja, die Produktionskosten mögen höher sein und die Stars sind bekannter und somit noch einige Jahre entfernt von den Dschungelprüfungen, aber das Prinzip ist das Gleiche. Over-The-Top-Action-Getöse mit teils schlechten Effekten und hauchdünner Kackstory, die nur dazu dient, noch mehr Over-The-Top-Effektgewitter zu fabrizieren.

Das bringt mich zu dem Schluss, dass fast alles heutzutage Trash ist, aber nicht von der guten Sorte. Hingerotzter Müll, der sich selbst nicht ernst nimmt, ist kein Trash, sondern eben einfach nur hingerotzter Müll.

Und der kann weg.

Ich musste das jetzt einfach mal spontan loswerden und meine Meinung zur momentanen Filmbranche kundtun, da mir das schon länger auf den Sack geht.

Oder sehe ich da irgendwas falsch? Was meint ihr dazu? Wie seht ihr die Entwicklung des Trash und des Films an sich?

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26 Antworten zu “Ist das Trash, oder kann das weg?

  1. Frau Argh Juli 29, 2015 um 5:33 am

    Nö – du siehst – leider – alles richtig. Ich finde es total zum Kotzen, wenn irgendwelche, anfangs noch guten Konzepte oder Ideen total ausgeschlachtet werden, nur um Geld zu machen…hier entsteht Trash im Sinne von Scheisse, die keiner braucht…mal ehrlich – Die Hard trölf, Indianaer Alienschädel oder die eh schon komplett überbewertete Hangoverscheisse (Teil 1 war ja noch „neu“, aber 2 und 3 nichtmal mehr ansatzweise lustig…finde ich)
    Und das jetzt versucht wird krampfhaft auf den Trashzug auf zu springen zeigt ja, dass da wieder nur jemand das Geld riecht, dass man irgendwelchen bescheuerten Leuten aus der Tasche ziehen kann, die ernsthaft glauben, dass das „Superfilme“ sind und überhaupt…also lange Rede – kurzer Sinn:
    Der kann weg!
    *tonneandiestraßeroll*

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    • filmschrott Juli 29, 2015 um 8:21 am

      Deine Beispiele sind quasi perfekt gewählt, um meinen Standpunkt zu unterstreichen. Die Actionreihen aus den 80ern hat man mittlerweile leider auch genau in diese Richtung kaputt produziert. Das ist eigentlich sogar das traurigste daran.

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  2. bullion Juli 29, 2015 um 7:04 am

    Völlig richtig. Gewollter Hochglanz-Trash kann weg. Braucht niemand. Unfreiwilligen Trash, der aus den Umständen heraus entsteht, sehe ich allerdings auch ab und zu ganz gerne… 🙂

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  3. Wortman Juli 29, 2015 um 7:44 am

    Du hast vollkommen recht. Nieder mit den teuren Studios und Effekten und back to Ed Wood 😀
    Im Ernst: Die Schlimmste Erfindung ist, aus irgendwelchen gut gelaufenen Filmen Dauerfortsetzungen zu machen – die meistens nicht mal das schaffen was sie sollten. Ebenso dieses ausweiden von Animationsfilmen. Kommt ja fast jeden Monat ein neuer Film auf den Markt…

    Trash… kann recht unterhaltsam sein und ist meist auch immer ungewollt komisch. Was da heute so als Trash hingeworfen wird, ist nur hirnlos und völlig überzogen. Mein Wort an die Regisseure: Lernt erstmal Filme drehen, dann versucht ihr euch mal beim Trashfilm. Trash produziert man nicht, den muss man können.

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  4. mwj Juli 29, 2015 um 12:11 pm

    Schade dass Ed Wood nicht länger gelebt und mehr Filme gemacht hat. Bei „Sharknado“ und Konsorten würde er sich im Grabe rumdrehen und zappeln wie Bela Lugosi in den Fängen des Kraken („Die Rache des Würgers“).

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  5. olivesunshine91 Juli 29, 2015 um 8:26 pm

    Als ich die ersten Sätze deines Textes gelesen habe, musste ich direkt an Sharknado denken. Müll schlechthin.
    Ich sehe es genauso wie du. Ich halte richtig schlechte Filme zwar nicht lange durch, aber es ist schon schade, dass dieser „Kult“ durch die gewollt schlechten Filme kaputt geht. Und ich lese bei dir auch lieber Texte über schlechte Filme als über gewollt schlechte Filme.

    Gefällt 2 Personen

    • filmschrott Juli 29, 2015 um 8:30 pm

      Das freut mich. Ich schreibe nämlich auch lieber über schlechte Filme, als die gewollt schlechten. Manchmal muss das aber eben auch sein, um etwas Abwechslung reinzubringen. Und in manchen Fällen weiß ich es vorher auch einfach nicht besser.

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  6. Gorana Juli 30, 2015 um 11:52 am

    Amen!!! Ich hoffe dass das nur eine Modeerscheinung ist, die so schnell wieder verschwindet wie sie hergekommen ist.

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  7. blaupause7 Dezember 16, 2016 um 7:32 pm

    Zu Trash-Film-Regisseuren fällt mir neben Ed Wood auch noch John Waters ein (als Regisseur von „Hairspray“).

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