Filmschrott

Schlechte Filme von Mainstream bis Trash. Die Lücke ist kleiner als man denkt.

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Wunschschrott – Master Of The Flying Guillotine

Hin und wieder trudeln bei mir ja auch mal Filmwünsche ein. Meine treuen Leser besuchen den Filmschrottplatz schließlich nicht nur, um sich an dem filmischen Wahnsinn zu ergötzen, den ich hier präsentiere, sondern haben auch meist selbst ihre eigenen geliebten Schrottfilme. Frau Argh beispielsweise scheint etwas für alte Martial Arts Schinken übrig zu haben. Das ist zwar nicht gerade mein bevorzugtes Genre (wenn man mal von den guten alten Jackie Chan Knallern absieht), aber das macht die Sache um so interessanter. Genau genommen gilt der heutige Film auch nicht mal als Schrott, sondern als eine Art Meisterwerk des Filmgekloppes aus Asien. Jetzt habe ich euer Interesse wirklich geweckt, was? Dann schauen wir mal, was uns erwartet, bei:

DU BI QUAN WANG DA PO XUE DI ZI – MASTER OF THE FLYING GUILLOTINE – ONE ARMED BOXER 2 – Taiwan – Hong Kong – 1976 – 81 Min.

Regie, Drehbuch und Hauptdarsteller ist Jimmy Wang Yu. Der lässt also gar nichts anbrennen und übernimmt einfach mal alles, was zur Verfügung steht. Vermutlich hat er auch das Catering selbst organisiert. Wenn ein Mann einfach alles übernimmt, bin ich ja schon aus Prinzip skeptisch. Andererseits kann er so natürlich seine eigene Vision auch genau nach seinen Vorstellungen umsetzen. Und die sieht dann so aus:

Der Wind in den Bergen bringt Nebel mit sich. Der Nebel erreicht ein einsames Haus. Vor diesem einsamen Haus sitzt ein alter Opa, der genau so aussieht, wie wir sie aus solchen Filmen kennen. Lange, weiße Haare, langer, weißer Bart, lange, weiße Augenbrauen und blind ist er auch. Als Lama verkleidet zog er sich hierher zurück, um … Martial Arts-mäßig auf dem Berg herumzuhampeln und einer Taube bei der Landung zuzuschauen. Die Taube hat eine Nachricht von seinen Schülern dabei. Die sind alle tot und wurden vom einarmigen Boxer ermordet. Rache ist natürlich Ehrensache, wenn man auf einem Berg am Arsch der Welt lebt und so bricht Opa zu monströsen Klängen auf, um für Recht und Ordnung zu sorgen. Und weil es dafür eine gehörige Portio Coolness benötigt, macht man das natürlich am besten, indem man einfach durch sein eigenes Strohdach springt, ein paar Puppen mit seiner Kettenguillotine enthauptet und das Haus niederbrennt. Die Epicness kennt keine Grenzen hier.

Kampfkunsttraining im Dojo gehört ja aus Prinzip in so einen Film und das ist auch hier nicht anders. Immer wieder … spannend? Trainer Einarmboxer bringt den Schülern heute das Springen auf einen Korb bei, auf dem die Schüler dann balancieren müssen. So lernt man nämlich das richtige Atmen. Aha. Wenn ich mal Atembeschwerden kriegen sollte, besorge ich mir auch so einen Korb. Anschließend zeigt er, wie man an die Decke springt und kopfüber daran entlang latscht. Die Physik komplett auszuhebeln gehört nebenbei auch prinzipiell in so einen Film.

Der Meister bekommt eine gute Nachricht, denn sein Dojo ist zu einem Wettkampf der Schulen eingeladen. Dieses Turnier wird vom Obermeister der Adlerklaue-Kampfschule organisiert und der muss sich gerade mit Stirnbandelvis herumschlagen, der auch teilnehmen will. Dafür muss er aber mal eben beweisen, dass er würdig ist und tritt einen Stein zu Klump. Das scheint soweit zu reichen. Das komische Getanze im Anschluss ist nur ein Bonus. Und dass er die Schüler alle vertrimmt wohl auch. Adlerklaues Tochter will Stirnbandelvis dann die Fresse polieren, aber Adlerklaue geht dazwischen und gibt Stirnbandelvis ein Zimmer.

Die Regierung schmuggelt mit der Hilfe von Fung Sheng (das ist der Opa vom Anfang) einige Teilnehmer ins Turnier und ich habe jetzt schon komplett den Faden verloren. Was hat der Opa mit der Regierung zu tun? Und was interessiert die Regierung überhaupt das Turnier? Und warum schnetzelt Fung Sheng nicht alle nieder, um seine Schüler zu rächen?

Wartet mal. Da ist ja noch ein einarmiger Boxer. Dann ist der Trainer gar nicht der richtige? Oder doch? Fung Sheng köpft den Honk und schwört, einfach alle einarmigen umzubringen. Lässt nichts anbrennen, der Opa. So lobe ich mir das.

Papa Adlerhorst hat Bedenken, ob seine Tochter am Turnier teilnehmen sollte, denn Stirnbandelvis könnte sie verletzen. Denn sonst hat noch niemand die Einladung zum Turnier angenommen. Da aber nun mal alles vorbereitet ist, findet es einfach mal morgen statt. Und irgendwie sind da doch schon ein paar Kämpfer am Start. Irgendwelche Krampen eröffnen den Spaß und einer gewinnt halt. Der Mann, der ohne Messer kämpft, besiegt Das schnelle Schwert, indem er ihn mit einem Messer absticht. Der Mann mit dem Zopf und Der Mongole sind als nächstes dran und ich bin ehrlich: Das interessiert mich alles nicht die Bohne. Lasst wenigstens die Leute kämpfen, die vorher schon eingeführt wurden und nicht irgendwelche Honks, die ohnehin keine Rolle spielen. Nach Der Teufelskerl gegen Die Eisenhaut darf die Adlertochter gegen den Affenman ran und besiegt ihn, indem sie ihm die Hose auszieht. Meine Fresse, zeigen die jetzt einfach das ganze verdammte Turnier oder was? Wie viele Kämpfe sollen das denn noch werden? Vorhin hieß es noch, dass keine Sau teilnehmen wollte.

Adlerauge entdeckt den einarmigen Boxer im Publikum und will, dass der am Turnier teilnimmt. Der hat aber keinen Bock und haut ab. Also müssen sich weitere namenlose Heinis die Fressen polieren. Irgendwann greift dann auch mal Stirnbandelvis ins Geschehen ein und gewinnt nicht gerade unerwartet. Nach dem nächsten Kampf kommt dann endlich mal Opa Sheng vorbei und köpft jemanden. Adlerklaue findet das richtig kacke, denn der Opa hat sein Turnier versaut. Also gibt es zur Abwechslung mal einen Kampf. Adlerpapa und Adlertochter gehen drauf und Opi fackelt einfach mal alles ab, was sich dafür anbietet. Oh, ich glaube Adlertochtet lebt noch, denn der Alte nimmt sie mit. Das Turnier dürfte damit nebenbei vorbei sein und hat mich nur eine halbe Stunde meines Lebens gekostet, um dann zu absolut gar nichts zu führen.

Der einarmige Trainer erzählt seinen Schülern, was eigentlich geschah. Wir wissens schon, also spare ich mir das an dieser Stelle. Er hat die Schüler gekillt und Opi will jetzt Rache. Stirnbandelvis kommt reingetanzt und nervt einfach unglaublich mit seinem Scheißgetröte. Nicht nur mich und es wird gekämpft. Dann taucht auch noch Großvater Guillotine auf und alle hauen ab. Außer Stirnbandelvis, denn der hat wohl nix zu befürchten.

Ach, Tochter Adlerei wurde gar nicht von Opa mitgenommen, sondern vom Mann, der ohne Messer kämpft (aber dann seine Gegner bescheißt und mit einem Messer absticht). Der will sie mit nach Japan nehmen, aber die hat keinen Bock. Einarmboxer kommt vorbei und hilft ihr bei der Flucht. Woher zum Geier wusste der überhaupt, dass sie da war?

Nach und nach bastelt man die ganzen überlebenden Turnierteilnehmer in die Story ein und das führt selbstverständlich in erster Linie zu Gekloppe, ohne Sinn dahinter. So kämpft der einarmige Boxer gegen den Inder mit den ausfahrbaren Todesarmen, weil der ein heiliges Bild abfackelt. Stirnbandelvis hingegen hat sich aus einem Grund, der zu keiner Zeit erwähnt wurde, mit dem Guillotinengreis verbündet und jetzt suchen sie gemeinsam nach dem einarmigen Boxer, was auch nicht wirklich Sinn ergibt, weil sie ja vorhin schon bei dem waren. Aber lasst uns nicht anfangen, hier nach Logik zu suchen.

Weil irgendein Holzfäller im Wald es nicht gebacken kriegt, mit seiner Axt einen Bambusast abzuschlagen, wird der Plan entwickelt, mit eben diesem Bambus die Klingenguillotine unschädlich zu machen. Vorher wird noch Stirnbandelvis gegrillt und Meckie-ohne-Messer fordert mal schnell den Boxer zum Kampf heraus, damit Messer Jockel dann auch raus ist hier.

Das große Finale mit Bambus und Guillotine verlagert sich in die örtliche Vogelzucht, was tatsächlich gar nicht mal so doof ist, hat der blinde Opa da doch arge Probleme, seinen Gegner zu hören, vor lauter Geflatter und Gezwitscher. Generell ist der Kampf ziemlich intelligent, muss ich sagen. Der Boxer sorgt dafür, dass die Guillotine sich selbst mit zurückschleudernden Äxten verletzt und schaltet dann auch die Waffe aus. Das anschließende Gekloppe dauert mir aber dann doch zu lange und ich bin froh, als es vorbei ist.

Der Boxer hat nebenbei gewonnen, also war er hier wohl der Gute. Irgendwie war das zu keinem Zeitpunkt wirklich klar. Aber sonst im Film ja auch nix. Ich gehe meinen Arm amputieren …

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Wunschschrott – Ziemlich beste Freunde

Okay, das hier wird interessant. Ende letzten Jahres hatte ich euch gefragt, welche Filme ihr gerne auf dem Filmschrottplatz verewigt sehen wollt. Ohne irgendwelche Beschränkungen. Und somit gibt es heute einen Film, den ich persönlich eigentlich ganz gut finde. Okay, eigentlich trifft das auf ungefähr 90% der hier vertretenen Filme zu. Aber dieser Fall ist dann doch etwas speziell, denn er gilt auch allgemein als guter Streifen. Und wenn die Allgemeinheit und ich uns mal einig sind, dann muss da ja mal wirklich was dran sein. Oder wir irren uns einfach alle. Jedenfalls stelle ich mich hier erstmals der Herausforderung, einen Film auf den Schrottplatz aufzunehmen, an dem ich eigentlich nicht mal auf ironische Weise etwas Schlechtes sehe. Ich habe halt einfach was übrig für diese Streifen, die das Leben feiern. Vermutlich, weil das Leben als Filmschrottplatzbetreiber selbst so kacke ist. Also schauen wir mal, was das hier gibt.

INTOUCHABLES – ZIEMLICH BESTE FREUNDE – Frankreich – 2011 – 112 Min.

Gewünscht von: Aktion Morgenluft

Okay, okay, okay, ich kann dem Film doch direkt etwas vorwerfen. Er beginnt nicht am Anfang. Ich hasse ja mittlerweile dieses komplett ausgelutschte „Mitten im Film anfangen und dann an den Anfang springen, um zu zeigen, wie wir dorthin gekommen sind“. Bleh. In diesem Fall flüchtet Omar Sy zusammen mit Philippe vor den Bullen. Als er dann angehalten wird, täuscht Philippe einen orgasmischen Anfall vor, damit sie weiter fahren können und werden dann zum Krankenhaus eskortiert.

Musste man wirklich „Earth, Wind & Fire“ über die Credits packen? Der Film spielt ja nicht in den 70ern. Und in die Disco gehen die auch nie. Warum also nicht was modernes an Musik einbauen? „Atemlos durch die Nacht“ oder so.

Zack und da sind wir am Anfang des Films. Omar und irgendwelche anderen Lackaffen bewerben sich um den Job, dem komplett gelähmten Philippe den Arsch abwischen zu dürfen. Okay, um genau zu sein, bewerben sich alle, außer Omar, der eigentlich gar keinen Bock auf den ganzen Quark hat und nur eine Unterschrift fürs Arbeitsamt haben will. Aus irgendeinem Grund entsteht daraus eine Diskussion über „Kool & The Gang“, „Earth, Wind & Fire“ und Zuul aus dem ersten „Ghostbusters“ Film. Ich frage mich, wer von den beiden Honks hier der Schlüsselmeister und wer der Torwächter ist …

Ich mag Pianomusik in Filmen. Wollte ich nur mal so erwähnt haben, weil Omar gerade eh nur durch die Gegend latscht.

Zuhause herrscht das reinste Chaos. Omar, dessen Namen man im Film nebenbei noch nicht erfahren hat, aber er heißt Driss, also übernehme ich das jetzt mal, lebt zusammen mit seinen tausend Geschwistern. Scheinbar war er ein halbes Jahr weg und jetzt ist Mama echt angepisst. Sie hat keine Hoffnung mehr für Driss und schmeißt ihn raus. So viel dazu. Ich glaube, im Großen und Ganzen war es das mit der Familie hier in diesem Film. Schön, dass wir mal drüber gesprochen haben.

Weil er zuhause rausgeflogen ist, nimmt Driss dann doch den Job bei Philippe an, da der quasi mit eigener Wohnung kommt. Anfangs stellt er sich natürlich etwas dämlich an und beim „Arschausleeren“ zieht er dann doch mal die Grenze. Ich kann es nachvollziehen. In einer der üblichen Collagen wird dann beleuchtet, wie die beiden sich langsam anfreunden.

Nachdem Driss den Nachbarn, der immer die Einfahrt zuparkt, mal kurz durch die Mangel gedreht hat und seine Expertise zu einem Kunstwerk abgegeben hat, stellt Philippe fest, dass Driss genau der richtige Mann für den Job ist. Fragt mich nicht warum. Scheinbar hat Philippe einen Haufen aufgestauter Aggression, die er versucht, durch Schläger-Driss zu kompensieren.

Während Driss sich an die Sekretärin ranschmeißt, wird Philippe über die kriminelle Vergangenheit seines neuen Pflegers aufgeklärt. Ich zitiere: „Es ist mir scheißegal.“ Guter Mann. Er erklärt noch kurz, dass er Driss mag, weil der ihn nicht bemitleidet. Da haben wir dann auch schon mal die Aussage des Films: Behandele alle wie Menschen, egal wie behindert sie sind. Das gilt auch für die Nachbarin, die jeden Morgen besoffen in den Hausflur kotzt und den Typen von gegenüber, der Rattenscheiße in Plastiktüten sammelt. Eine gute Message, finde ich. Auch wenn ich den Teil mit der Alkoholikerin und dem Rattenscheißemann erfunden habe.

Philippe vertreibt seine Zeit mit Brieffreundschaften mit irgendwelchen Frauen. Bei einem nächtlichen Ausflug erklärt Philippe, wie er Sex mit seinen Ohren hat und kifft sich einen mit Driss rein. Anschließend erzählt er seine Lebensgeschichte mit Frau und Fehlgeburten und toter Frau und Paraglidingunfall, der ihn in den Rollstuhl gebracht hat.

Neuigkeiten: Es kam noch nie eine Miss Frankreich aus Dünkirchen. Driss hat wirklich die absolut wichtigen Infos am Start.

Driss in der Oper ist ungefähr das, was ich auch in der Oper wäre. Die Scheiße kann man einfach nicht ernst nehmen. Außer natürlich in „The 5th Element“, aber da opert auch eine blaue Alientussi rum, die aus der Nähe von Pandora kommt. Und der Krampf geht 4 Stunden. Wie zur Hölle hält irgendjemand das durch?

Driss kriegt sich mit Philippes Tochter in die Köppe. Philippe will mit seiner Tochter reden und nutzt Driss‘ Worte, um ihr die Leviten zu lesen. Apropos Lesen: Driss malt jetzt. Kunst. Und es gibt die nächste aneinandergereihte Collage mit Rollstuhlpimping und Ohrenmassagen,

Den üblichen Beziehungsquark mit Herzensbruch der Tochter und so weiter lasse ich mal außen vor und genieße lieber das große Klassische Musik Medley. Ganz ehrlich, teilweise ist klassische Musik ja einfach nur die pure Epikness. Aber teils auch einfach nur einschläfernd ohne Ende. Aber alles davon ist besser, als die grauenhafte Disco-Dudel-Kacke, die Driss dann anmacht.

Ein bisschen Blah und Bleh und Blub und dann wird Philippe von seiner Brieffreundin versetzt und Driss guckt traurig seiner Mutter beim Fensterputzen zu und dann gehen sie zusammen Paragliden.

Nachdem Driss dann Besuch von seinem Bruder kriegt, der in Schwierigkeiten steckt, ist Philippe der Meinung, dass es reicht und er sich besser um seine Familie kümmern sollte. Okay, die Spannung steigt: Wie kommt es jetzt noch zu der unglaublichen Verfolgungsjagd mit den Cops? Ich kann es kaum erwarten …

Es sollte klar sein, was als nächstes kommt. Philippe findet seine neuen Pfleger alle kacke und Driss wurschtelt halt rum. Irgendjemand ruft dann aus irgendeinem Grund irgendwie bei Driss an, der dann auch irgendwann kommt und irgendwas passiert dann, damit wir bei der Verfolgungsjagd ankommen. Und der absolute Knaller ist: Keine Sau weiß, was! Also nur, um das mal kurz auseinanderzudröseln: Der Film beginnt mit einer Szene aus der Mitte des Films, springt dann zurück, um uns zu zeigen, wie es zu dieser Szene kam und zeigt uns dann einen absoluten Scheiß. Wow. Das nenne ich mal konsequent durchdachtes Writing.

Nun ja, dann sitzt man halt am Meer rum und hat noch etwas Spaß mit Philippes Bart, bevor Driss Philippe in ein Date mit seiner Brieffreundin zwingt. Philippe hat später geheiratet und zwei Kinder gekriegt. Und Driss ging in seinem schwarzen Kapuzensweater den Strand entlang, als wäre er der Tod persönlich auf Urlaub. Ich weiß nicht, ob er das für den Rest seines Lebens gemacht hat, aber mehr erfährt man halt nicht.

Puh, Herausforderung bewältigt, würde ich sagen. Ich kann nicht anders, ich mag den Film immer noch. Aber da mir euer Wunsch Befehl ist, ist er jetzt halt hier auf dem Filmschrottplatz verewigt. Ich gehe aus Spaß vor den Bullen flüchten …

Wunschschrott – Eliminators

Ende letzten Jahres habe ich hier auf dem Filmschrottplatz dazu aufgerufen, mir Filme zu nennen, die ihr gerne mit einem Eintrag auf dem Filmschrottplatz verewigt sehen wollt. Der ein oder andere ist diesem Aufruf gefolgt, und heute gibt es dann auch mal einen dieser gewünschten Filme.

ELIMINATORS – USA – Spanien – 1986 – 96 Min.

Gewünscht von: Samuel David Herr

Es handelt sich hier übrigens um eine Charles Band Produktion. Wem das nix sagt, der Typ hat unter anderem tausend „Evil Bong“ und „Gingerbread Man“ Filme verbrochen. Das hier kann also nur unfassbar grauenhaft werden.

Ein ungeschriebenes Gesetz der 80er sieht vor, dass alles, was irgendwie mit Technik zu tun hat, von Asiaten bedient werden muss. Und so fuckeln auch hier zwei Asiaten an einem Computer rum und heraus kommt Kano von Mortal Kombat. Aber sie nennen ihn Mandroid. Er ist also halb Mann halb Android. Und da das hier ja sicher seine Schöpfer sind, auch zum Teil Asiate. Das heißt wohl, dass er einfach alles kann. Takada will nicht, dass der Mandroid zerstört wird, also will er mit ihm fliehen. Aber der andere Asiate ist dagegen und Takada stirbt. Der Mandroid will dann Reeves killen – wer auch immer das sein mag – und schießt sich auf beeindruckende Art und Weise durch die Gegnerhorden und flieht mit einem fahrbaren Untersatz, der sehr stark an den Unterbau von Nr.5 erinnert. Er ist also halb Mann, halb Maschine, teils Asiate und jetzt auch noch zum Teil Kettenfahrzeug. Ich glaube, er kann wirklich alles.

In New York (oder einer anderen Stadt; da stehen Hochhäuser ohne Ende also gehe ich einfach von New York aus) doktort eine Blondine an irgendeinem Roboterding rum. Und sie ist keine Asiatin. Das kann ja nur schief gehen. Jemand bricht ein und Spot – so heißt der Haustierroboter selbstverständlich – schlägt direkt Alarm bei der Blondine. Der Einbrecher ist Kano No. 5. Der sucht Colonel Hunter. Und Colonel Hunter ist natürlich die Blondine, die zumindest asiatsiche Vorfahren hat, so viel steht fest. Sie hat die ganzen Einzelteile gebaut, aus denen der Mandroid besteht. Der erzählt, dass Reeves noch lebt. Sie ist geschockt. Zumindest denke ich, dass diese darstellerische Glanztat Schockierung ausdrücken soll. Aber wer weiß das schon genau. Ich würde lieber mal wissen, was es mit diesem Reeves auf sich hat. Ist es vielleicht Keanu in einer frühen Rolle?

Zusammen geht es auf die Mission, Reeves zu killen. Und die beginnt selbstverständlich in Mexiko. Vorher werden sie aber noch von zwei Handtaschendieben überfallen, damit Hunter mal kurz ihre Karateskills unter Beweis stellen kann. Sie beherrscht genau einen Kick, soweit ich das beurteilen kann. Und etwas weiter beurteilt, wird das für diesen Film vermutlich mehr als reichen.

Großartige Comedy zwischen dem Mandroid und Spot, die sich um das Fernsehprogramm streiten bleibt uns erspart. Die Szene bietet keine Comedy.

Hunter verursacht eine Schlägerei in einem Tacoladen (oder irgendeiner anderen mexikanischen Fressbude), indem sie nach dem härtesten Typen fragt. Der Gewinner ist Harry Fontana, der zuletzt Betty ausschaltet. Ganz große Leistung seinerseits, würde ich sagen. Harry fährt die Truppe mit seinem Boot den Fluss hoch. Hoffnungen auf „Apocalypse Now“-Referenzen sind wohl eher nicht angebracht. Betty und Co. fahren hinterher. Eigentlich schade, dass Harry nicht vorher Bettys Surfbrett geklaut hat. Solche Vorlagen kann man doch nicht so einfach liegen lassen. Die Verfolgungsjagd ist an inszenatorischer Großartigkeit kaum zu überbieten. Harry wirft Fässer über Bord, damit die verfolgenden Boote da drüber fahren und explodieren. Ein ungeschriebenes Gesetz der 80er sieht vor, dass man auf einem Boot immer ein explosives Fass dabei haben muss.

Das Boot von Betty und Maurice wird mit einem Torpedo vom Mandroid erledigt und die beiden schwimmen nach Hause. Unterwegs treffen sie zwei Affen auf einem Boot, die den Mandroid jagen wollen, oder so. Ganz ehrlich ich weiß nicht, was das Ziel der beiden ist. Vielleicht auch nur Boot fahren mit Schrotflinte aufm Arm.

Hunter und der Mandroid, der jetzt plötzlich John heißt, wollen zu Fuß weiter gehen und lassen Harry mit seinem Boot alleine. Der wird dann von den beiden mexikanischen Jägern angehalten, die wissen wollen, wo seine Passagiere sind. Er sprüht sie mit einem Feuerlöscher ein und flieht, was zur nächsten Bootverfolgungsjagd führt. Ich verrate jetzt mal nicht, wessen Boot explodiert und wer dabei im Wasser landet.

Hunter und John finden das Flugzeugwrack, mit dem John einst abgestürzt ist und Hunter durchsucht es, um etwas über Johns Vergangenheit zu erfahren. Ich erwarte einen Megatwist am Ende. John war eigentlich Stewardess und weiß deshalb immer, wo alle Notausgänge sind, oder so. Harry kommt rechtzeitig vorbei, um Hunter aus dem absaufenden Wrack zu retten und dafür ein Drittel des Schatzes abzusahnen. Moment mal, was denn für ein Schatz? Ach so, nur Verarsche, damit er sie wieder den Fluss hochschippert. Warum sind die überhaupt erst ausgestiegen?

John sieht Dinge. Boah, nee, bitte keine Flashbackgrütze. Dann geht er über Bord und keiner findet ihn jemals wieder. Eigentlich wäre damit der Film natürlich vorbei, aber nicht mit Hunter. Die macht weiter.

Reeves bastelt derweil an seinem LaseRoboTerminator Arm mit Blitzeschleuderfunktion. Die mexikanischen Trottel berichten ihm vom Mandroid und werden dafür gebrutzelt. Aber sie versprechen natürlich, ihn aufzuhalten. Schön nebenbei, dass man kurz vor Schluss auch mal den Antagonisten zeigt.

John und Spot gehen an Land. Irgendwo im Busch treffen sie einen Asiaten, der sich nicht so gut mit Technik auskennt, aber der ein Ninja ist, weil genau das diesem Film noch gefehlt hat. Er ist der Sohn von Takada und heißt Kuji. Wie zum Kuckuck wird der Sohn eines Wissenschaftlers bitte zum Ninja?

Harry geht über Bord. Was zur Hölle ist bloß los mit diesen Trotteln? Hunter wird entführt und Harry taucht dann in einem Käfig wieder auf und wird ebenfalls mit ins Kannibalendorf genommen. Der Oberschamane zieht irgendein Ritual ab und Harry will noch schnell einen Kuss, bevor sie gegrillt werden. Dabei drückt er Hunter Munition in die Hand, die sie ins Feuer wirft. Die Wilden sind natürlich von dieser Wahnsinnszauberei extrem abgelenkt, schließlich haben sie gerade erst mit irgendwelchem Pulver den ganzen Urwald zugenebelt, was ähnliche magische Kenntnisse voraussetzen sollte, aber was weiß ich schon davon. Die Flucht führt dann alle wieder zusammen und natürlich kommt Ninja Kuji auch mit. Glücklicherweise hat jemand ein Floß gebaut, mit dem sie abhauen können. Wird wohl das von den Kannibalen sein. Johns Motorbootstiefel helfen ungemein bei der Flucht. Er ist also halb Mensch, halb Maschine, zum Teil Asiate (nicht mehr Kettenfahrzeug) und zum Teil Inspector Gadget.

Ein ungeschriebenes Gesetz der 80er sieht vor, dass ein Film mit Robotern und Ninjas auch noch eine Zeitmaschine haben muss. Von der erzählt Kuji, dem davon von seinem Vater Takada erzählt wurde. Hunter erklärt sich so die Kannibalen beziehungsweise Höhlenmenschen, die wohl von Reeves durch seine Zeitmaschine hergebracht wurden. Ergibt erstaunlich viel Sinn, diese Erklärung. Wenn man mal darüber hinwegsieht, dass das hier alles völliger Humbug ist.

Die mexikanischen Jäger kommen mit ihren Mopeds durch den Wald gefahren und es gibt Mörderaction vom Feinsten, inklusive ninjamäßigem Katanagefuchtel.

John will, dass Hunter ihn zerstört, weil er selbst das nicht kann, wegen der Programmierung und so. Hunter hält eine Ansprache über Menschlichkeit und John, halb Mensch, der er ist, will dann doch erstmal am Leben bleiben. Hunter küsst ihn. Diese Schlampe. Vorhin noch mit Harry rummachen und jetzt mit John. Am Ende kommt die sicher mit dem Ninja zusammen.

Spot explodiert und bringt noch schnell eine Hologramnachricht von Reeves, der kurz und knapp auf den Punkt bringt, dass sie besser abhauen, wenn sie nicht verrecken wollen. Sie gehen natürlich trotzdem weiter und infiltrieren Reeves‘ geheimen Stützpunkt (oder was auch immer) durch einen Schacht, in dem Kuji durch einen Ventilator springt, wie ein echte Ninja. John hingegen steht vor der Tür, aber keiner macht ihm auf. Scheint mir wieder äußerst durchdacht zu sein, das Ganze.

Es sollte klar sein, dass die absolute Mörderaction folgt, mit viel Geballer und viel Ninjagedöns (oder besser gesagt, drei Karatekicks). Reeves hat sich zum absoluten Obermandroid umgebaut und niemand kann ihm etwas anhaben. Nicht Hunter mit ihrem Kick, nicht John mit seinem Laser, nicht mal Kuji mit seinem Ninjagelöt. John stirbt und die anderen werden in einem Kraftfeld gefangen, aber Überraschung John ist gar nicht ganz tot und schaltet das Kraftfeld aus, indem er … keine Ahnung, die Energie davon aufsaugt und dann wirklich stirbt, oder sowas in der Art. Was war denn jetzt mit der ganzen Backstory von John? Gebt mir bloß keine Auflösung, das würde schließlich durchdachtes Writing erfordern.

Apropos „durchdachtes Writing“: Jeder, der schreibt, kann ein Lied davon singen, dass es schwer ist, ein gutes Ende zu schreiben. Aber zum Glück hatte man hier wirklich fähige Leute am Kugelschreiber und es folgt das große Finale. Der Höhepunkt. Der absolute Showdown. Und der sieht so aus: Reeves will sich mit seiner Zeitmaschine gerade auf den Weg ins alte Rom machen, um da als Mandroidlegionär zu rulen, aber Harry haut einfach mal den Computer zu Schrott und Reeves landet am Anfang der Erde, wo er gar nichts regieren kann, außer heiße Lava. Reeves ist nicht erfreut und der Film vorbei. Was für ein packendes Finale.

Guter Wunschfilm, muss ich sagen. Ich gehe meine Lavalampen regieren …