Filmschrott

Schlechte Filme von Mainstream bis Trash. Die Lücke ist kleiner als man denkt.

Schlagwort-Archiv: Wertiere

Mach was #3

Das Gemeinschaftsblogprojekt von Pö (ehemals mit oe geschrieben) und Herba (immer noch fasziniert von Unkraut), geht in die dritte Runde. Aber jetzt heißt das Ganze „Mach was“. Find ich gut. Gemeinschaftsprojekt klingt irgendwie so sehr nach singen am Lagerfeuer, während der immer anwesende Volltrottel seinen Marshmallow in den Flammen verliert. Mach was hingegen sagt: „Jetzt komm mal ausm Arsch, du Penner!“ Sehr motivierend.
Das Thema heute: Piraten. Ein gutes Thema, denn das gibt mir die Möglichkeit, die Wertier-Trilogie zu beenden. Wer noch mal sein Gedächtnis auffrischen möchte, was der Wer-Truppe bisher widerfahren ist, findet hier den ersten Teil und hier Teil 2.

Ein leises, aber doch unüberhörbares Grummeln zeugte davon, dass Leo der Werlöwe in seinem Käfig recht unglücklich war. Diesen Umstand verbarg er nicht, als ein Mann, auf einem Stuhl an dem wackelige Holzräder angebracht waren, an seinen Käfig gerollt wurde. Graue Haarsträhnen lugten unter einem schwarzzen Hut mit Totenkopf-Motiv hervor und verbargen einen Teil des graubärtigen Gesichts des Mannes. Was die Haare nicht verdeckten, verdeckte eine Augenklappe.
„Aaaaaaahr“, sagte der Mann unter dem Hut. „Ich bin Captain Half Leg McKee …“
„Ist es üblich, dass Seekapitäne sich über das Deck ihres Schiffes fahren lassen?“, fragte Leo gelangweilt.
„Aaaaaaahr“, begann McKee scheinbar jeden Satz, „natürlich nicht. Aber leider wurde mir vor geraumer Zeit von irgendeinem Spaßvogel mein Holzbein abgesägt während ich meinen Rausch ausgeschlafen habe. Ein neues kann ich mir nicht leisten.“
„Leisten? Ihr seid Piraten. Stehlt doch einfach ein Holzbein.“
„Aaaaaaahr“, McKee schien sein persönliches Wort des Jahres bereits gefunden zu haben, „wir sind Piraten, aber das Tischlerhandwerk ist eine große Kunst. Wir würden niemals von einem Handwerker stehlen. Auch Plündern und Brandschatzen hat seine Grenzen.“
„Ich könnte dir ein Holzbein kauen“, schlug Horst der Werholzwurm vor.
„Aaaa … Ähem. Habt ihr was dagegen, wenn ich auf das ‚Aaaaaaaahr‘ verzichte? Ist schlecht für den Hals.“
Alle Wertiere zuckten mit den Schultern, sofern welche vorhanden waren.
„Sehr gut. Es wird nicht nötig sein, mir ein Holzbein zu ‚kauen‘, was nebenbei eine widerliche Vorstellung ist. Und das sage ich als Pirat. Ich habe einen besseren Vorschlag für euch. Wir lassen euch frei, wenn ihr uns helft.“
„Helfen? Wobei?“
„Vor einigen Wochen haben wir auf einer einsamen Insel einen Schatz vergraben. Einen großen Schatz. Eine ganze Truhe voll. Das ist heutzutage echt selten. Die meisten Leute haben nicht mal eine Truhe. Von einem Schatz ganz zu schweigen. Jedenfalls können wir uns leider nicht mehr erinnern, wo genau wir den Schatz vergraben haben. Unsere einzige Hilfe ist diese Karte.“ McKee holte eine Karte hervor und zeigte sie den Wertieren.
„Was bedeuten die ganzen Kreuze?“, fragte Gertrud die Wergiraffe und streckte ihren langen Hals, bis ihr Kopf ganz nah an der Karte verharrte.
„Das ist das Problem. Ich sage es mal so: Beim Vergraben des Schatzes und beim Zeichnen der Karte war Rum im Spiel. Viel Rum. Ein ganzes Fass. Das ist heutzutage echt selten. Die meisten Leute haben nicht mal ein Fass. Von Rum ganz zu schweigen. Jedenfalls fiel uns irgendwann in der Nacht auf, dass wir uns nicht mehr erinnern konnten, wo wir den Schatz vergraben haben und zeichneten diese Karte, auf der jeder ein X einzeichnete, wo er den Schatz vermutete. Leider haben wir ihn immer noch nicht gefunden.“
„Was hat das mit uns zu tun?“ Leo wollte auf den Punkt und aus dem Käfig kommen.
„Ihr habt einen Wolf. Er kann sicher die Witterung aufnehmen und den Schatz finden.“
„Sind das nicht Hunde?“
„Hunde. Wölfe. Ist doch alles das Selbe. Also, was sagt ihr? Ihr helft uns und wir lassen euch gehen. Deal?“
„Nein.“ Leo klang entschlossen. „Ich habe ein Gegenangebot. Wir wurden aus unserer Stadt vertrieben und wollen uns rächen.“
„Das willst eigentlich nur du, Leo“, mischte sich Bruno der Werbär ein. „Wir wollen nur in Frieden leben.“
„Rache. Frieden. Ist doch alles das Selbe. Also, hör zu. Wir helfen euch, den Schatz zu finden, dafür helft ihr uns, die Stadt zu erobern. Deal.“
„Aaaaaaahr …“, McKee brach sein Lieblingswort für einen kurzen Hustenanfall ab. „Wir hatten lange keinen richtigen Kampf mit einer Stadt mehr. Zuletzt haben wir ein kleines Fischerdorf überfallen, in dem nur ein alter Mann lebte. Das ist viel heutzutage. Die meisten Leute haben keine Stadt. Von einem alten Mann ganz zu schweigen.“ Er stand auf und streckte seine Hand aus, was aber nicht verhinderte, dass er direkt zur Seite des fehlenden Beins umkippte. „Deal“, keuchte er vom Boden seines Decks.

Die Insel sah aus, wie eine gute Schatzinsel auszusehen hat. Lange Strände, dichter Dschungel, ein Berg geformt wie ein Totenkopf, bei dem man sich fragt, was für ein Wetter über Jahrtausende geherrscht haben muss, damit ein Felsen so eine Form annimmt. Captain Half Legs Schiff ankerte nicht weit entfernt von der Insel und schwankte auf den Wellen leicht hin und her. McKee ließ die Käfige aufschließen und die Wertiere sprangen auf das Deck und streckten sich erleichtert.
„Das ist die Mondschein-Insel“, erklärte der Kapitän. „Hier ist immer Vollmond, aber trotzdem ist die Insel ständig in Tageslicht getaucht. Fragt mich nicht warum. Scheint eine Laune der Natur zu sein. Wie sprechende Tiere.“
„Polly will nen Keks. Krah.“
„Äh, ja. Also, wenn ihr auf der Insel seid, lasst den Wolf die Witterung dieser Goldmünze aufnehmen und nach dem Schatz suchen.“
„Kommt ihr nicht mit?“
„Ein Kapitän verlässt niemals sein Schiff. Außerdem haben wir noch keine Möglichkeit gefunden, meinen Stuhl an Land zu schieben.“
Ein Pirat drückte Bruno ein Paddel in die Pfote und die Wertiere paddelten zur Insel.

Auf einem Hügel stand ein haariges Etwas, das sich auf den zweiten Blick als nackter Mann herausstellte. Er blickte auf den Ozean, während er einer Kokosnuss eine Geschichte erzählte. Das Gesicht der Kokosnuss ließ darauf schließen, dass sie die Geschichte eher uninteressant fand. Der Mann brach seine spannungsarme Geschichte ab.
„Nutsie, schau!“ Er zeigte auf den Ozean. „Ein Schiff! Wir sind gerettet!“
Die Begeisterung der Kokosnuss hielt sich in Grenzen, als der Mann sie packte und den Hügel hinunter rannte. Er erreichte den Strand, legte die Kokosnuss in den Sand und begann, mit den Armen wedelnd, auf und ab zu springen. Die Kokosnuss schloss sich ihm nicht an, in seinen Bemühungen, auf sich aufmerksam zu machen.
Das Boot legte am Strand an und Tiere sprangen in den Sand.
„Euch schickt der Himmel!“
„Meinst du er weiß, dass er mit Tieren redet?“, fragte Bruno.
„Gerade hat er mit einer Kokosnuss gesprochen. Ich glaube, für ihn macht das keinen Unterschied“, versuchte Leo eine Erklärung zu finden.
„Seit ihr hier, um mich zu retten?“
„Ich fürchte ich muss dich enttäuschen. Wir sind mit Piraten unterwegs.“
„Primaten? Ist das euer Anführer?“, fragte der Mann mit Blick auf Albert den Weraffen, der auf einer Banane kaute.
„Nicht Primaten. Piraten. Augenklappen, Holzbeine, Hakenhände, Skorbut. Du weißt schon.“
„Leo, der Typ ist doch völlig balla. Lass uns lieber nach dem Schatz suchen.“
„Nutsie, hast du das gehört?“ Der gammelige Gestrandete lief zurück zu der Kokosnuss und hielt sie sich vors Gesicht. „Eine Schatzsuche. Deswegen sind wir gestern in See gestochen.“
„Äh, heißt das, du bist erst seit gestern hier gestrandet?“
„Oh nein, nein, natürlich nicht. Ich bin seit ungefähr zwei Stunden auf dieser Insel.“
„Zwei Stunden? Und du redest schon mit einer Kokosnuss?“
„Kokosnuss? Was für eine Kokosnuss.“
„Die du in der Hand hältst.“
„Ich kenne Nutsie schon seit Jahren. Ich habe ihn auf einer Expedition über die Meere kennen gelernt, an einem schönen Strand. Ähnlich wie dieser hier. Wir haben viele spannende Abenteuer gemeinsam erlebt. Weißt du noch Nutsie, als wir von dem Wal verschluckt wurden.“
„Leo, ich schlage vor, wir sehen zu, dass wir schnell hier weg kommen.“
„Gute Idee.“

„Such, Wulf. Wir haben nicht den ganzen Tag Zeit.“
Leo wurde ungeduldig. Seit Stunden irrten sie über die Insel, Wulf folgend, der, immer der Nase nach, den Schatz suchte.
„Wie oft soll ich euch noch erklären, das ich kein Spürwolf bin? Ich habe keine Ahnung, wo der Schatz ist.“
„Jetzt streng dich mal etwas an, man. Kann doch nicht so schwer sein.“
„Dann such du doch danach, Bruno. Bären haben sicher ganz hervorragende Spürnasen. Aber lass dich nicht von nem Honigtopf ablenken.“
„Ich mache gleich Honig aus deiner Fresse …“
„Okay, okay, das reicht. Kommt Jungs, wir sind wegen wichtigerem hier. Wulf, riech noch mal an der Münze.“ Leo hielt Wulf die Münze ins Gesicht.
„Schau Nutsie, es sind unsere neuen Freunde. Wo wart ihr die ganze Zeit? Ihr habt viel verpasst. Wir haben am Strand Sandburgen gebaut.“
„Toll. Wenn du uns entschuldigen würdest, wir haben zu tun.“
„Sicher, sicher. Oh, schöne Münze. Genau wie die aus der Schatztruhe, nicht wahr Nutsie?“
„Warte, welche Schatztruhe?“
„Die, die ich am Strand gefunden habe. Stand einfach so rum. Neben einer Schaufel und leeren Rumflaschen. Jemand muss sie vergessen haben.“
„Wo ist die Truhe jetzt?“
„In meinem Baumhaus. War nicht einfach, sie da hoch zu kriegen, aber Nutsie hat geholfen. Nicht wahr Nutsie? Weißt du noch, wie du vom Baumhaus gefallen bist. Die Narbe sieht man immer noch. Seht ihr?“ Der alte Mann hielt dem Wertiertrio die Kokosnuss vor die Schnauzen.
„Ja, ja, böse Verletzung und so. Wo ist dein Baumhaus noch mal genau?“
Der alte Mann zeigte nach oben. „Ihr steht genau darunt … aah …“
„Bruno, ich glaube nicht, dass das nötig war.“

Captain Half Leg McKee sah zu, wie seine Scumbags die Truhe an Deck zogen. Er öffnete die Truhe und überzeugte sich davon, dass der komplette Inhalt vorhanden war. Er grinste zufrieden und ließ sich zur Reling rollen. Er zog sich an der Reling hoch und schaute hinunter zu den Wertieren, die im Ruderboot neben dem Schiff warteten.
„Gute Arbeit. Leider trennen sich hier unsere Wege.“
„Aber du wolltest uns helfen, man.“
„Ja, was das angeht; Aaaaaahr, Pirat. Ihr versteht das sicher. Es wäre schlecht für unsere Reputation, wenn herauskäme, dass wir nicht mal unseren eigenen Schatz wiederfinden können. Weil wir so nette Typen sind, lassen wir euch das Ruderboot, damit ihr zurück zur Insel paddeln könnt. Machts gut.“
Leo grummelte unerfreut.

„Schau Nutsie. Unsere Freunde kommen zurück. Vielleicht haben sie etwas dabei, das gegen meine plötzlichen Kopfschmerzen hilft.“ Der verfilzte Mann winkte mit der Kokosnuss, als das Boot erneut am Strand anlegte und die Tiere in den Sand hüpften.
„Hallo Freunde. Nett, dass ihr zurückgekommen seid.“
„Jetzt sitzen wir mit dem Verrückten hier fest.“ Die Wertiere hatten zu viele Rückschläge erlitten, um ihren Kummer nicht gleichzeitig laut auszusprechen.
„Oh, keine Panik, Freunde. Wir können direkt in See stechen, wenn ihr so weit seid.“
„Was?“
„Ich weiß ja nicht, ob ihr erst noch etwas in der Sonne liegen wollt.“
„Du hast ein Schiff?“
„Natürlich. Was meint ihr, wie ich und Nutsie hergekommen sind.“
„Aber warum hängst du dann hier auf der Insel rum?“
„Alleine kann ich das Schiff nicht segeln. Und Nutsie ist kein guter Steuermann. Ursprünglich hatte ich eine Crew, aber die sprang nach und nach über Bord. Meistens, wenn ich ihnen Nutsie vorgestellt habe. Keine Ahnung, was da los war. Skorbut vielleicht.“

Das Schiff holte auf. Das Piratenschiff war bereits zu sehen. Die Wertiere stellten sich beim Segeln nicht so doof an, wie man annehmen könnte.
„Macht die Kanonen bereit“, befahl Leo und sah zu, wie die Tiere Kanonenkugeln über das Deck rollten, während Kathrin die Werkatze sich in einem Seil verhedderte. Es war immer gut zu wissen, dass Kathrin beschäftigt war, und die anderen nicht bei der Arbeit behinderte.
„Kanonen sind bereit, Leo.“
„Käptn, wir müssen das Schiff drehen, damit wir feuern können.“
„Hast du gehört, Nutsie. Dreh am Rad. Ich muss noch diesen frischen Fisch aufessen.“ Der alte Kapitän biss in einen rohen Fisch und kaute, während die Kokosnuss auf dem Steuerrad balancierte und sich als so nutzlos wie erwartet herausstellte.
„Scheiße, ich übernehme das Steuer.“ Bruno stapfte zum Steuerrad rüber und warf die Kokosnuss über Bord.
„Nutsie, neiiiiiiiiin!“ Der Kapitän sprang auf und spuckte den Rest des Fisches aus, den sich direkt Kathrin unter die Krallen riss. „Mann über Bord! Keine Panik, Nutsie! Ich rette dich.“ Der Kapitän ging über Bord, was Erleichterung bei den Wertieren auslöste.

„Käptn, wir werden angegriffen!“
McKee ließ die Feile fallen, mit der er ein Stuhlbein bearbeitete, und ließ sich an Deck rollen.
„Aaaaahr, wo haben die das Schiff her? Zu den Säbeln!“
Albert der Weraffe schwang sich als erster an Deck des gegnerischen Schiffes und warf mit Bananen, die die Piraten mit ihren Säbeln in der Luft schälten. Die anderen Wertiere hatten Schwierigkeiten, sich an Seilen durch die Luft zu schwingen. Leo kletterte zurück an Deck und spuckte einen Schwall Wasser aus. „Ich übernehme die Kanonen“, grummelte er und wrang seine Mähne aus. Albert gingen die Bananen aus, was ihn dazu zwang auf eine umherhüpfende Verwirrungstaktik umzusteigen, die dazu führte, dass die Piraten auf den Bananenschalen ausrutschten und wie Schildkröten auf dem Rücken an Deck lagen. Leo zündete die Kanone. Die Kugel flog durch die Luft, zersplitterte den Hauptmast. Das Hauptsegel schwirrte hinab und begrub McKees Mannschaft unter sich.
„Aaaaahr …“ McKee ließ seinen Säbel fallen, und biss in eine geschälte Banane.
Leo sprang von Schiff zu Schiff und stellte sich vor McKee.
„Beeindruckend“, kannte der Kapitän an. „Für Landratten seid ihr verdammt gute Piraten. Das Schiff gehört dir.“
McKee reichte Leo seinen verknitterten Hut.
„Was machen wir jetzt, Käptn Leo?“, fragte Bruno der Werbär.
„Ein Leben als Pirat ist vielleicht gar nicht so schlecht.“
„Aaaaahrgh …hust … keuch.“ McKee spuckte ein Stück Banane aus. „Das kann ich bestätigen. Viel Alkohol. Viele Frauen. Alles, was ein Mann, oder Tier, braucht.“
„Klingt gut.“ Leo setzte den verknitterten Hut auf. „Bruno, geh ans Steuerrad. Ich weiß schon, welche Stadt wir als erstes plündern.“

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Short Story Collab # 12 – Neuanfang

Der erste Monat des Jahres ist rum und ich bin weiterhin krank. Um genau zu sein, wird es immer schlimmer. Zuletzt gesellte sich noch eine Grippe zu meinen anderen Leiden, wodurch ich die letzte Woche im kompletten Zombiemodus durchs Haus torkelte, oder einfach direkt den ganzen Tag im Bett geblieben bin. Deshalb ist hier momentan recht wenig los. da heute aber der letzte Tag im Januar ist, muss ich zumindest mal schnell die nächste Short Story raushauen, zu der David monatlich aufruft.

Leider war es mir durch besagte Krankheit nicht möglich, der Geschichte etwas Feinschliff zu verpassen, aber lesen könnt ihr es ja trotzdem.

Das Thema Neuanfang bot sich geradezu an, um eine Fortsetzung zur ersten hier veröffentlichten Short Story zu schreiben. Und natürlich driftet das Ganze wieder recht schnell in eine völlig andere Richtung. Aber lest halt selbst:

 

Leos Rachepläne gingen mit dem Schiff im Meer unter. Trotz seiner Ermahnungen, ließ sich Horst der Wer-Holzwurm nicht davon abhalten, sein Unwesen im Holzbug des Schiffs zu treiben und dieses letztlich versehentlich zu versenken. Horst stieg aus dem Meer, spuckte eine Suppe aus Salzwasser und Holzspänen in den Sand und stapfte, ein „Entschuldigung“ murmelnd, an Leo vorbei. Leo ließ den Kopf hängen, als der Hauptmast vor seinen Augen im Ozean versank.
„Willst du etwas Kokosnusssalat?“
Leo drehte sich um und sah Gertruds breites Lächeln. „Er ist ganz frisch“, sagte sie fröhlich.
Er blickte auf die Kokosnusshälfte in ihrer Hand, in der ein Brei aus grünen Blättern, roten Beeren und weißer Milch schwappte. Leo schlug das Frühstück weg und schlurfte davon in den Dschungel.

„Leo scheint schlecht drauf zu sein“, fiel Bruno auf. Er schaute in seine Kokosnusshälfte und verzog das Gesicht. Seit einem Monat hatten sich die Gestaltwandler davon ernährt. Er stellte den Salat weg. „Ich gucke mal, was mit ihm los ist.“
„Meinst du nicht, wir sollten uns langsam mal etwas organisieren?“, fragte Gertrud. „Wir werden wohl etwas länger hier sein. Wulf macht sich auch schon nützlich.“ Sie zeigte zum Werwolf, der ein Loch im Sand grub.
„Was macht er da?“
„Ich schätze, er gräbt ein Fundament, damit wir ein Haus bauen können.“
Wulf rollte eine Kokosnuss in das Loch und grub es zu.
„Oder er legt einen Essensvorrat an.“
„Okay, ruf alle zusammen. Wenn ich mit Leo wieder da bin, beginnen wir mit den Planungen zum Neuanfang auf der Insel.“
Bruno ging in den Dschungel. Seine Fährtensucherfahrungen beschränkten sich bisher darauf, Honiggläser in Küchenschränken aufzuspüren. Dabei hatte er einfach in alle Schränke geguckt, bis er den Honig fand. Leo war in keinem Schrank. Er war im Dickicht verschwunden, das vor Bruno aufragte. Der Werbär schlich durch Büsche und Sträucher. Moskitos summten herum. Es waren normale Moskitos. Bruno mochte keine normalen Tiere. Mit ihnen konnte man nicht verhandeln. Ein Moskito stach ihn und surrte fröhlich davon. „Kackvieh!“ Bruno rieb sich den Arm.
„Du-uh-ah-ah hättest etwas Schnittlau-uh-ah-ah-ch mitnehmen sollen.“ Albert der Weraffe hing mit einem Arm an einem Ast und schaukelte fröhlich hin und her, wie ein haariges Pendel. „Angeblich reagieren Moskitos darau-uh-ah-ah-f sensibel.“
„Danke für den Tipp“, brummte Bruno. „Wenn ich etwas Schnittlauch finde, werde ich so viel mitnehmen, wie ich tragen kann. Autsch.“ Summ. „Verdammte Mistviecher.“
„Da hinten habe ich Schnittlau-uh-ah-ah-ch gesehen. Ich kann dir zeigen wo es ist.“ Der Affe schwang an einer Liane davon. Bruno folgte ihm leise Fluchtiraden murmelnd und seinen anderen Arm reibend.

Bruno kam sich dämlich vor, wie er mit einer Schnittlauchkette um seinen Hals im Urwald stand. Immerhin hielten sich die Moskitos von ihm fern.
„Du-uh-ah-ah hattest Glück“, erklärte Albert und schälte eine Banane. „Ich habe noch nie von einem Dschu-uh-ah-ah-ngel gehört, in dem Schnittlau-uh-ah-ah-ch wächst.“ Er schob sich die Banane komplett zwischen die Backen und schwang davon.
Bruno seufzte. Von Leo fand sich keine Spur. Bruno irrte orientierungslos weiter zwischen den Bäumen umher. Ein lautes Brüllen sprach dafür, dass Leo sich in der Nähe befand. Bruno lief los, so schnell seine vier Pfoten ihn trugen.

Bruno erreichte eine Lichtung. Leo stand auf dem Weg und brüllte einen Vogel an.
„Was machst du da, Leo?“
Leo drehte sich um und sah Bruno an. das heißt, er hätte ihn angeschaut, wenn ihm nicht das Gestrüpp, das er seltsamerweise auf dem Kopf trug, über die Augen gerutscht wäre. Leo schob das Astgebilde hoch. „Ich streite mich mit diesem unhöflichen Vogel.“
„Warum?“
„Weil er mir Respekt zu zollen hat. Ich bin der König des Dschungels.“ Leo zeigte auf seine Stirn. „Siehst du nicht die Krone?“
„König des Dschungels? Man, Leo, du kennst dich im Dschungel doch gar nicht aus. Du bist gerade mal 5 Minuten hier drin.“
„Mir kommt es vor, wie eine Ewigkeit. Und als Löwe kenne ich mich aus Prinzip im Dschungel aus. Und dieser Vogel hat seinem König gefügig zu sein.“
„Was hat er denn getan?“
„Er hat mich beleidigt.“
Bruno ging näher an die Streitenden heran und betrachtete den bunten Vogel, der auf einem Ast saß und absolut kein Interesse an den beiden Gestaltwandlern zu zeigen schien. „Polly will nen Keks“, sagte der Vogel und stocherte mit seinem Schnabel in seinem Gefieder rum. Bruno vermutete, dass er dort seine Kekse verstaut hatte.
„Man, Leo, der Vogel ist doch völlig harmlos. Können wir jetzt zurück gehen? Die anderen werden langsam nervös und wollen Häuser bauen.“
„Ich gehe nicht zurück, Bruno. Ich bin als euer Anführer gescheitert …“
„Genau genommen, warst du nie unser Anführer, Leo.“
„Indirekt schon. Ist ja auch egal. Ich bleibe jedenfalls hier. Im Dschungel. Meinem Revier.“
„Dein Revier. Du weißt doch noch nicht mal genau, wo du dich befindest.“ Bruno sah den Weg zurück, den er gekommen war. „Um genau zu sein, weiß ich es auch nicht. Also vergiss den Vogel und lass uns den Weg zurück suchen.“
„Du kämpfst wie eine Kuh!“ Der bunte Vogel krächzte und flog davon.
„Der verdammte Vogel hat mich eine Kuh genannt.“ Leo brüllte. „Zum zweiten Mal.“ Leo rannte los.
Bruno seufzte und verfolgte ihn.

„Da ist er.“ Leo saß in einem Gebüsch und schielte durch die Blätter.
„Wo?“, fragte Bruno und setzte sich neben ihn.
„Auf der Schulter von dem Typen mit dem Holzbein, der Augenklappe und der Hakenhand.“
„Eigenartige Gestalten sind hier unterwegs. Selbst in der Stadt würde niemand so vor die Tür gehen.“
Leo warf die selbstgebastelte Krone weg. „Vielleicht muss ich die Königsherrschaft doch noch etwas verschieben. Ich habe einen Weg von der Insel gefunden.“
„Was? Wo denn?“
„Das Schiff. Wir werden es stehlen.“
Bruno schob einige Blätter zur Seite und sah das große Schiff, das im Wasser schwappte. Ihn beschlich ein ungutes Gefühl. Erst kürzlich waren sie einer wütenden Menschenhorde entkommen. Jetzt wollte Leo sich mit der nächsten anlegen, die zudem noch weniger nett aussah, als die Stadtbewohner. Oder zumindest verrückter. Bruno kannte sich mit verrückten aus und wusste, wie unberechenbar sie waren. Er war mit einer Horde davon auf der Insel gestrandet.
„Und den Vogel nehmen wir auch mit.“
„Vergiss doch den Scheißvogel, man.“
„Denk doch mal nach, Bruno. Er könnte wertvoll sein.“
„Wertvoll? Wieso das?“
„Wie viele sprechende Vögel kennst du?“
„Nun ja“, Bruno sah zurück in die Richtung, in der er den Strand vermutete, „den einen oder anderen.“
„Du weißt was ich meine“, knurrte Leo. „Er ist kein Wertier. Ein echter sprechender Vogel bringt bestimmt viel Geld. Und mit dem Geld können wir unsere Rache an den Stadtbewohnern finanzieren.“
„Man, Leo, bist du immer noch auf diesem Rachetrip? Vergiss das doch endlich mal.“
„Wir müssen schnell handeln.“ Leo ignorierte Brunos Ratschlag. „Lass uns zurück zum Strand gehen und die anderen holen. Wir müssen zuschlagen, bevor der Vollmond weg ist.“

Am Strand herrschte Chaos, was Bruno nicht überraschte. Auch wenn niemand Leo als Anführer anerkannte, war allen bewusst, dass er die Gruppe zusammenhielt und für Ordnung sorgte. Diese Ordnung war momentan völlig über den Haufen geworfen.
„Kathrin, was ist hier los?“, fragte Leo die Werkatze, die sich als Einzige nicht an den Streitereien beteiligte und stattdessen mit einer Fischgräte spielte.
Sie spuckte die Fischgräte aus. „Hm?“
„Vergiss es.“
Leo sorgte mit einem laut gebrüllten „Ruhe!“ für Ruhe. Er hörte sich die Beschwerden der Gestaltenwandler an, bei denen sich herausstellte, dass man sich nicht einig wurde, wer welches Zimmer im zukünftigen Strandtraumhaus beziehen durfte.
„Ihr habt noch nicht mal ein Haus gebaut“, sagte Leo. „Und wir werden auch keins bauen. Wir bleiben nicht hier.“
Leo erklärte die Sachlage. Alle hörten zu und nickten zustimmend. Alle außer Kathrin, die eine Kokosnuss über den Strand rollte.

Die Männer saßen um ein Lagerfeuer, tranken Rum und sangen schmutzige Lieder über hübsche Mädchen und Männer mit einem, zwei und drei Beinen. Die Wertiere dachten nicht weiter darüber nach, wie ein Mann mit drei Beinen aussehen könnte.
Der Plan war simpel und Idiotensicher. Zumindest hatte Leo das behauptet. Bruno hatte seine Zweifel. es gab verschiedene Abstufungen von Idioten. er wusste auf welchem Idiotengrad die meisten Wertiere wandelten. Alle Wertiere sollten sich an den betrunkenen Männern vorbei zum Schiff schleichen und dort auf Leo und Bruno warten, die mit dem sprechenden Vogel im Gepäck folgen würden. Leo war nicht weiter darauf eingegangen, wie er den Vogel von der Schulter des einäugigen, behakten Hinkenden beschaffen wollte. Diese Information war auch weniger wichtig, denn der Plan scheiterte bereits bei Phase eins, als Wulf der Werwolf, ängstlich zitternd, ein Rumfass umstieß, dessen Inhalt sich über den Strand ergoss, sich einen Weg ins Lagerfeuer schlängelte, und den Strand in helles Licht tauchte. Es dauerte nur wenige Sekunden, bis alle Wertiere einen Säbel an der Kehle hatten.

Leos Erklärungsversuche blieben erfolglos. Die Wertiere fanden sich in einer ihnen aus der Stadt bekannten Umgebung wieder. In einem Käfig. Auf dem Schiff. Das auf dem Meer trieb.
Die Männer, die sich als Piraten vorgestellt hatten, verrieten, dass sie die sprechenden Tiere – abgesehen vom sprechenden Vogel Polly – in der Stadt verkaufen würden.
Leo grummelte, im Käfig hockend vor sich hin.
„Sieh es positiv, Leo“, versuchte Bruno ihn aufzumuntern. „Immerhin kommen wir zurück in die Stadt.“
„Fresse, Bruno.“

Short Story Collab #10 – Horror

Durch Steffi, die Mediophatin bin ich auf einen kleinen Spaß aufmerksam geworden, der sich Short Story Collab nennt, welcher ursprünglich von David aka Captain Obvious ins Leben gerufen wurde. Kurz und knapp geht es einfach darum, jeden Monat zu einem bestimmten Thema eine Kurzgeschichte zu verfassen. Und mit der Nummer 10 steige ich auch mal ein, um direkt mal das Thema, welches in diesem Monat HORROR lautet, mehr oder weniger zu verfehlen. Aber lesen könnt ihr das Ganze natürlich trotzdem:

 

Wulf rannte um sein Leben.Hinter sich hörte er die Rufe der Bauern, die mit Mistgabeln und Fackeln seine Verfolgung aufgenommen hatten. Seine Augen boten ihm einen Vorteil in der Finsternis, aber es mangelte an einem Ziel. In der Nähe befand sich kein Ort, an dem er sich verstecken konnte. Er rannte weiter, ständig den Geruch seines verbrannten Fells in der Nase. Die Verfolger würden den Geruch nutzen, um ihn aufzuspüren. Er musste handeln. Schnell. Er blieb zwischen den Bäumen stehen und lauschte. Ein Plätschern deutete auf ein Gewässer in der Nähe hin. Im Wasser könnte er den Geruch abwaschen. Er folgte dem Geräusch. Die Bauern kamen näher. Er sah zurück und erblickte die leuchtenden Fackeln zwischen den Bäumen. Er lief weiter zu einer Schlucht. In der Tiefe strömte ein Fluss durch die Landschaft. Es war nicht so tief, dass man den Sprung nicht überleben konnte, aber tief genug, um sich lieber Alternativen zu überlegen. Wulf blieb dazu keine Zeit. Das Feuer kam näher. Er überlegte nicht lange und sprang in die Tiefe.

Lautes Gemurmel hallte durch den Raum. Es stammte von den Gästen, die an einem runden Tisch saßen und sich ausschweifend über ihre zuletzt erlebten Abenteuer unterhielten. Das flackernde Licht von tropfenden Kerzen spiegelte sich in den braunen Augen von Leonard. Er schob seine langen Haare über die Schultern zurück und räusperte sich, um für Ruhe zu sorgen. Der gewünschte Effekt blieb aus. Er schlug einen Löffel an ein Weinglas, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Die Gäste redeten weiter. Ein gezielter Wurf, mit dem Glas, an die gegenüberliegende Wand, brachte ihm die gewünschte Aufmerksamkeit.
„Man, Leo, du hast deine Aggressivitätsausbrüche immer noch nicht ganz im Griff, was?“, sagte der behaarte Mann rechts neben ihm, der aussah, als hätte er in letzter Zeit keine Mahlzeit verpasst. Der Stuhl unter ihm bog sich Richtung Erdkern.
„Fresse, Bruno.“
Leonard blickte durch die Runde. Alle Augen waren auf ihn gerichtet. Alle, außer die von Kathrin, die geistesabwesend mit einem Wollknäuel spielte. Leo verdrehte die Augen, seufzte, setzte sich hin und erklärte, warum er den Rat der Gestaltenwandler einberufen hatte.
„Ich habe euch alle hier her bestellt, weil mir zu Ohren gekommen ist, dass es in letzter Zeit vermehrt Probleme bei der Essensbeschaffung gab. Die Menschen scheinen ihre Angst vor uns zu verlieren und sich zu organisieren, um die Rasse der Gestaltenwandler auszurotten. Als Ritzo, die Werrratte in eine Mäusefalle lief, hielt ich es noch für einen Zufall. Als Zeb, das Werzebra von einem Jäger erlegt wurde, begann ich skeptisch zu werden. Zuletzt konnte Wulf, der Werwolf nur knapp dem Tod entrinnen, indem er wagemutig von einer Klippe sprang …“
„Jaaaaoooouuuuuhhhhh, es war alles so furchtbar“, jaulte Wulf. „Ich rieche noch immer das verbrannte Haar von meinem Fell.“ Er begann zu weinen.
„Jetzt reiß dich mal zusammen, man“, brummte Bruno, der Werbär. „Guck dir an, was sie mit Gertrud angestellt haben.“
Alle sahen Gertrud an, eine groß gewachsene Frau, deren blondes Haar unter einem Verband versteckt war.
„Sie heult hier auch nicht rum.“
„Oh, das?“ Gertrud zeigte auf ihren Verband. „Das war ein Unfall. Der Torbogen zur Stadt ist einfach zu niedrig.“
„Du bist eine Wergiraffe. Was wolltest du überhaupt in der Stadt?“
„Ich mag die Blätter von den Bäumen im Park.“
„Oh ja, die Nüsse im Park sind auch ganz toll“, meldete sich Erik, das Wereichhörnchen zu Wort.
„Ich kann die Beeren von den Sträuchern empfehlen“, sagte Anne, die Weramsel und flatterte aufgeregt mit den Armen.
„Wenn wir dann wieder auf den Punkt kommen könnten“, knurrte Leo genervt. „Vor langer Zeit habe ich euch gewarnt, dass die Menschen uns gefährlich werden würden, aber ihr wolltet nicht hören. Ich verstehe das. Wir sind keine Monster. Wir versuchen nur, zu überleben, wie jeder andere auch. Aber jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, an dem wir eine Entscheidung treffen müssen. Lassen wir uns von den Menschen in die Berge und Wüsten verdrängen, um dort einen langsamen Hungertot zu erleiden, oder schlagen wir zurück?“
„Was schlägst du vor, Leo?“ Der Stuhl drohte jeden Moment zusammenzubrechen.
„Wir verbünden uns. Und verjagen die Menschen aus der Stadt.“
Alle schwiegen und sahen Dinge an, die nicht existierten, aber interessant zu sein schienen.
„Wir sollten abstimmen.“ Leo stand auf. „Jeder, der dafür ist, die Menschen zu verjagen, hebt die Hand.“
Leo hob seine Hand. Alle anderen Anwesenden warteten, bis jemand sich Leo anschloss.
„Du weißt, ich bin gegen jegliche sinnlose Gewalt, Leo. Aber in diesem Fall sehe ich keinen anderen Ausweg.“ Bruno stand auf, was dem Stuhl unter ihm Erleichterung verschaffte. Der Werbär hob die Hand.
Nachdem jemand den Anfang gemacht hatte, folgten weitere Hände. Nach wenigen Momenten waren alle Hände am Tisch erhoben. Alle, außer die von Kathrin, die sich mittlerweile in dem Wollknäuel verheddert hatte, und versuchte sich zu befreien. Leo verdrehte die Augen und ritzte mit einem scharfen Fingernagel die Wolle auf. Kathrin warf die Wollreste in die Luft und ließ sie auf sich herunterregnen.
„Kathrin?“ Leo verlor langsam die Geduld.
„Hm? Ja, ja, was immer du sagst.“
„Also ist es entschieden. Beim nächsten Vollmond greifen wir an.“ Leo setzte sich zufrieden auf seinen Stuhl und verschränkte grinsend die Arme vor der Brust.

Mehrere Leute standen im Regen.
„Man, das ist vielleicht eine beschissene Nacht, um eine Stadt zu überfallen.“ Bruno wischte sich das Wasser aus dem Gesicht. Es wurde sofort durch Neues ersetzt.
„Stell dich nicht so an“, sagte Leo, der die Regenwolken beobachtete.
„Macht dir der Regen gar nichts aus? Ich dachte immer, Katzen hassen Wasser.“
„Ich bin ein Löwe. Und ja, ich gebe zu, das Wetter ist nicht das beste, aber den Menschen wird es auch nicht gefallen.“
Leo drehte sich um und sah seine Mitstreiter an. Wulf wälzte sich im Matsch und jaulte fröhlich. Erik versuchte, mit den Zähnen eine Nuss zu knacken, die sich als besonders widerspenstig herausstellte. Gertrud versuchte ihren Verband davon abzuhalten, von ihrem Kopf zu schwimmen.
„Gleich ist es so weit“, sagte Leo. „Sobald die große Wolke vorbei gezogen ist, wird der volle Mond auf uns herunter scheinen und wir werden uns verwandeln.“ Er blickte durch die Runde und wurde das Gefühl nicht los, dass er eine bessere Armee haben könnte. Es hörte auf zu regnen. Er atmete tief durch. „Seid ihr bereit?“
Niemand sagte etwas. Man hätte eine Grille zirpen hören können, aber Gustav die Wergrille hatte sich noch nicht verwandelt. Leo verdrehte die Augen.
„Also los.“, seufzte er.
Die Wolke zog weiter und legte den Blick auf den Mond frei, der das Licht auf die durchnässten Gestalten reflektierte. Felle wuchsen, Hälse streckten sich, Krallen ersetzten Fingernägel, eine Grille zirpte.
Die Werarmee zog los. Die Stadt war nicht weit entfernt. Nach einigen Minuten drängten sich die Gestalten durch den Torbogen. Ein „Autsch“ hallte von Höhe des Torbogens herab.

„Wir hätten das Ganze vielleicht etwas besser durchplanen sollen, Leo.“
Die Gestaltwandler baumelten in einem Käfig über dem Marktplatz. Die Stadtbewohner bewarfen sie mit Tomaten.
„Es war eine Falle. Jemand muss sie gewarnt haben, dass wir kommen.“
„Die Tomaten sind echt gut.“
„Hast du schon einen Fluchtplan, Leo?“
„Ich arbeite daran. Wo ist Paul, das Werpferd?“
„Hie-ie-ier.“
„Siehst du die Pferde da vorne? Die vor die Kutsche gespannt sind?“
„Natürli-i-ich.“
„Kannst du sie rüber rufen. So, dass die Kutsche direkt unter unserem Käfig steht?“
„Si-i-icher.“
Paul wieherte. Die Pferde zogen die Kutsche über den Marktplatz, stießen Menschen zur Seite und parkten sie unter dem Käfig. Sven, der Werspecht flog über den Käfig und hackte mit seinem Schnabel das Seil durch. Der Käfig fiel auf die Ladefläche der Kutsche.
„Okay, weg hier.“
„Wohi-i-in?“
„Völlig egal. Sie sollen einfach losreiten.“
Paul wieherte in einer anderen Tonlage als zuvor und die Pferde setzten sich in Bewegung. Wachen sprangen auf ihre eigenen Pferde und nahmen die Verfolgung auf. Verwunderte Blicke breiteten sich auf ihren Gesichtern aus, als sie, nach einem Wiehern des Pferdes im Käfig auf der Kutsche, von den Pferden aus den Satteln geworfen wurden.
„Wir müssen den Käfig öffnen“, erklärte Leo, während die Kutsche über das Kopfsteinpflaster der Fußgängerzone hüpfte. „Günther kannst du das Schloss mit deinen Krallen aufschließen?“
„Ich kann es versuchen.“ Günther, das Wergürteltier zwängte sich zwischen den anderen Käfiginsassen hindurch und schob eine Kralle ins Schloss der Käfigtür.
Die Pferde blieben stehen, als sie ein Ufer erreichten.
„Warum bleiben wir stehen?“ Leo sah sich nach den Pferden um.
„Wir sind an den Docks, Leo.“
„Das sehe ich auch.“
„Autsch.“ Günther lutschte an seiner Pfote. „Ich habe mir eine Kralle eingerissen.“
„Du wirst es überleben. Ist die Tür offen?“ Leo stieß die Tür an. Sie schwang auf. „Raus hier“, befahl er.
Die Wertiere verließen nacheinander den Käfig und sahen sich einer Menschenmenge mit Fackeln gegenüber. Einer der Männer trat einen Schritt vor.
„Das war der wohl schlechteste Fluchtversuch, den diese Stadt jemals erlebt hat“, sagte er. „Der Typ, der letzte Woche im Gefängnis versucht hat, einen Tunnel nach Neuseeland zu graben, hatte größere Erfolgschancen.“ Der Mann gab der Menge ein Zeichen mit der Hand. Diese zogen ihre Waffen, Mistgabeln und einen Löffel. Der Mann sah die Person mit dem Löffel neben sich an. „Ich habe meine Mistgabel verlegt“, erklärte dieser.
„Warum jagt ihr uns?“ Leo stand vor der Wergruppe und sah die Menge mit seinen Löwenaugen an. „Wir haben euch nichts getan. Wir jagen nicht in der Stadt. Wir reißen nicht euer Vieh auf den Weiden. Wir können friedlich miteinander leben.“
„Die Giraffe hat unseren Stadtpark verwüstet. Die armen Kinder waren ganz verängstigt. Wir haben sie nur am Leben gelassen, weil sie sich bereit erklärte, mit uns zusammenzuarbeiten.“
Leo drehte sich zu der Giraffe um. „Du hast uns verraten?“
„Sie wollten mich zwingen, Fleisch zu essen“, heulte Gertrud. „Außerdem wisst ihr, dass ich Gewalt verabscheue. Immerzu seid ihr am Jagen. Dabei habe ich euch so tolle Salate angeboten. Ich will nur ein Leben in Frieden führen. Kathrin stimmt mir sicher zu. Nicht wahr, Kathrin?“
„Hm? Ja, ja, was immer du sagst.“ Kathrin beobachtete abwesend einen Fisch, der im Wasser unter der Hafenkante schwamm.
„Wir werden das später besprechen“, sagte Leo.
„Gute Idee“, sagte der Anführer der Menschenmenge. „Es wird langsam kalt.“ Er verschränkte die Arme vor der Brust. „Nun, für unser Problem gibt es eine einfache und eine schwere Lösung.“
„Man, wie abgedroschen“, brummte Bruno.
Der Mann ignorierte den Kommentar des Bären. „Verlasst das Land. Oder sterbt.“
„Ihr lasst uns keine Wahl.“ Der Löwe brüllte und stürmte nach vorne.

Ein klappriges Boot, das den Eindruck erweckte, als wäre es innerhalb weniger Minuten, von blinden Handwerkern, denen jeweils ein Arm fehlt, zusammengehämmert worden, schipperte langsam über das Meer.
„Du hättest bedenken sollen, dass wir alle Angst vor offenem Feuer haben, Leo.“ Bruno stand am Steuerrad und tat so, als wisse er, was er tut.
„Die paar Fackeln. Ihr Feiglinge.“ Leo betrachtete den Horizont, der durch die aufgehende Sonne in ein strahlendes Rot gefärbt wurde. In der Ferne sah er Insel. „nimm Kurs auf die Insel“, befahl er Bruno. „Vielleicht sind die Menschen dort freundlicher.“
Das Boot erreichte die Insel. Die Reisenden betraten den Strand. Das Boot fiel auseinander. Leo verdrehte die Augen, setzte sich in den Sand und sah Kathrin beim Spielen mit einer Kokosnuss zu.
Während er auf den nächsten Vollmond wartete, schmiedete Leo Pläne zum nächsten Angriff auf die Stadt.