Filmschrott

Schlechte Filme von Mainstream bis Trash. Die Lücke ist kleiner als man denkt.

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Monatsrückblick Oktober 2018

Im Oktober bin ich tatsächlich mal wieder dazu gekommen, mehr als eine handvoll Filme und Serien zu schauen, einfach weil ich mir mal die Zeit dafür genommen habe. Gewöhnlicherweise ist der Oktober ja der Monat, in dem ich ohnehin einen ganzen Haufen Horrorfilme im Rahmen des Horrorctober gucke. Das war dieses Jahr nicht drin, aber ein bisschen Horror gab es dann trotzdem.

FILME

Den Anfang machte einer der meiner Meinung nach besten Horrorfilme der letzten Jahre:

THE WITCH – 2015

Durch die Zweitsichtung steigt der Film nochmal etwas in meiner Gunst. Fand ich ihn schon im Kino sehr gut, aber vom Ende runtergezogen, wusste ich jetzt schließlich genau, was mir bevorsteht und so stört mich dann auch nicht mehr, dass der Film leider durch ein paar wenige Szenen den kompletten Interpretationsspielraum wegwirft, den er eigentlich hervorragend hätte bieten können. Dann wäre er für mich vermutlich sogar mit der Höchstnote belegt worden. So muss ich aber ein bisschen was abziehen. Zusätzlich auch für die extrem nervige Mutter und die beiden Kackblagen, die ständig den armen Ziegenbock ärgern, nur weil er schwarz ist … Moment mal, versteckt sich da etwa noch irgendwo eine Anti-Rassistische Botschaft? Ähm … wollen wir das mal nicht überinterpretieren.
Tolle Atmosphäre, durchgehend spannend und am Ende eben ein bisschen zu sehr standard für meinen Geschmack. Das macht ihn aber immer noch zu einem der besten Horrorfilme der letzten Jahre und ich wünschte mir, es würde mehr davon geben, als den immer gleichen Jumpscaregalore vom Fließband.

Dann gab es eine Art Klassiker des Psycho/Bodyhorrors zu sehen:

VIDEODROME – 1983

Hach, die 80er. Es ist doch einfach alles traumhaft. Man bekam schnell Brüste zu sehen, die Leute rauchten alle drei Packungen Kippen am Tag, Männer waren noch echte Männer, die nur vom Ficken halluzinierten und die Effekte waren einfach nur großartig. Cronenberg hat für seine Filme ja scheinbar ohnehin immer Spezialisten versammelt, die aus jedem praktischen Effekt noch den letzten Würgreiz herausholen. Alleine dafür lohnt sich der Streifen.
Aber auch die ständig mitschwingende Medienkritik und die Geschichte um einen angeblichen Snufffilm, der angeblich für eine Gehirnwäsche sorgt oder so, gibt genug her, um keine Langeweile aufkommen zu lassen. Cronenberg präsentiert das ganze als langsam steigenden Wahnsinn, bei dem weder der Protagonist noch der Zuschauer genau weiß, was eigentlich abgeht.
Alles in Allem also ein sehr guter Streifen. Cronenberg war in den 80ern einfach der Knaller, mit interessanten Geschichten und Effekten, wobei ja immer die Gefahr besteht in den ultimativen Trashbereich abzudriften. Aber Cronenberg ist eben ein echter Könner und deshalb kriegt man stattdessen einen starken Film.

Neben den üblichen Schrottfilmen gab es dann auch noch einen Streifen, der besser hätte sein können …

THE BABYSITTER – 2017

Gute Effekte. Humor … stets bemüht. Spannung nicht vorhanden, was aber vorher klar war. Der Rest besteht größtenteils aus nervigen Klischees, schlecht eingewürfelten Filmzitaten und überflüssigen Texteinblendungen, deren Sinn sich mir zu keinem Zeitpunkt erschlossen hat.
Zwischendurch gabs mal den ein oder anderen unterhaltsamen Moment und habe ich schon erwähnt, dass die Effekte nett sind? Mehr ist es aber eben alles auch nicht und größtenteils einfach langweilig.

… und einen, der wirklich totale Kacke war:

THE PYRAMID – 2014

Kruder und vor allem sterbenslangweiliger Mix aus Found Footage-Standard und Horror-Standard, ohne jegliche Höhepunkte. Die Charaktere sind alle sowas von uninteressant und saudoof, dass es nicht im geringsten tangiert, was mit ihnen passiert. Dabei hätte man mit diesem sogar recht unverbrauchten Setting so einiges anstellen können. Oder man macht eben die typische Lahmarschkacke draus, die man schon tausendmal gesehen hat. Nach 5 Minuten kann ich mich quasi schon an absolut nichts mehr erinnern, was in dem Streifen passiert ist. Zum Glück schreibe ich den Kram hier immer schon während dem Film, sonst hätte ich nur eins schreiben können: Selbst für den Filmschrottplatz zu scheiße.

SERIE

Ja, auch ein paar Serien gab es, bei denen ich mich dann mehr oder weniger zum Bingewatching (wie ich diesen Begriff hasse) habe hinreißen lassen, weil mir klar war, dass ich sonst ohnehin nie zum Ende kommen werde.

Zum Beispiel die nie enden wollende Geschichte um die Winchester-Brüder:

SUPERNATURAL – SEASON 13

Was soll ich dazu noch groß sagen? Es ist eben Supernatural und somit ist klar, was man kriegt. Eine dahindümpelnde Handlung, die in dieser Staffel zumindest in fast jeder Folge aufgegriffen wurde und zwischen all dem typischen Gedöns 1-2 interessante Folgen. Highlight war ganz klar ScoobyNatural, das Crossover mit Scooby-Doo. Für solchen Quatsch mag ich die Serie immer noch. Lowlight hingegen eindeutig die Spin-Off-Folge Wayward Sisters, die nur dazu diente, besagtes Spin-Off einzuleiten, dass dann aber doch nicht in Serie ging, wodurch die Folge nicht nur total langweilig sondern im Nachhinein auch absolut überflüssig ist. Es wäre wirklich schön, wenn man mal ein Ende für die Serie ankündigen würde, damit man mal darauf zusteuern kann und sich nicht immer nur noch im Kreis dreht und mich mit ein paar guten Folgen pro Staffel bei der Stange hält.

Und diese Horror-Anthologie:

CHANNEL ZERO – SEASON 2

Die Staffel stand unter dem Titel „No-End House“ und ich fand die Grundidee recht interessant. Mehr aber auch nicht, denn bereits nach der ersten Folge war bei mir die Luft schon raus. Irgendwie hat mich das alles nicht gepackt und Staffel 1 hat mir ne ganze Ecke besser gefallen. Aber gut, bei solchen Anthologie-Serien hat man ja den Vorteil, dass man auch nach einer schwachen Staffel wieder auf Besserung hoffen kann.  Also werde ich mir auch Staffel 3 dann irgendwann mal geben.

Und sogar was ohne Horror:

BETTER CALL SAUL – SEASON 4

Die in meinen Augen beste Staffel der Serie bisher. Okay, es sind zugegeben alle gut, aber man schafft es sehr gut, sich dann doch jedes Jahr zu steigern. Jimmy bzw. Saul steht zwar zur Zeit etwas im Hintergrund und ich habe das Gefühl, dass man sich vermehrt auf Mike konzentriert, aber das wird wohl nötig sein, um dann die Handlungsstränge zusammenzuführen, was ich in der nächsten Staffel dann langsam erwarte. Gerade für ein Prequel macht man hier sehr viel richtig, was gar nicht so leicht ist, da man als Zuschauer ja genau weiß, wo die Charaktere letztlich landen werden. Kann gerne noch 2-3 Staffeln weitergehen. Dann sollte man allerdings auch den Anschluss an Breaking Bad finden und entweder zum Ende kommen oder mit einem Zeitsprung in die Zeit nach Walter Whites Aufstieg und Fall springen.

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Mal aktuell: The Witch

Tatsächlich hat es doch ein Kino in der Nähe geschafft, diesen Film in seinem Programm zu verstecken. Also habe ich die Chance genutzt und zusammen mit 11 weiteren einsamen Seelen einen Kinosaal geteilt. Traurig, wie leer so ein Kinosaal doch ist, wenn nicht irgendwelche verfickten Superheldenarschlöcher sich gegenseitig die Fresse polieren. Aber darüber kotze ich dann ein anderes mal wieder ab. Jetzt erst mal zu:

THE WITCH – USA/UK/Kanada/Brasilien – 2015 – 92 Min.

Kurz zusammengefasst geht es in diesem Film um eine Familie, deren Glaube an Hexen sie langsam in den völligen Wahnsinn treibt. Da der Spaß hier irgendwann im 17. Jahrhundert spielt, als die ganze Welt noch von geisteskranken Jesusfreaks bevölkert war, die einfach jeden Scheiß glauben, dauert der Abfall in den völligen Irrsinn auch nicht all zu lange. Und das ist auch gut so, denn gerade das erste Drittel zieht sich doch etwas hin und kommt recht zäh daher.

Dabei baut der Film aber eine äußerst deprimierende Atmosphäre auf, die dann irgendwann in Spannung übergeht, wenn man als Zuschauer selbst nicht mehr so genau weiß, was denn hier jetzt eigentlich abgeht. Das macht der Film also ziemlich gut. Depression, Spannung und Wahnsinn geben sich die Klinke quasi in die Hand.

Die Darsteller machen ihre Sache ziemlich gut. Vor allem die Kinder bringen ihre Rollen super rüber, was bei Kinderdarstellern ja nun nicht immer der Fall ist. Die Mutter hingegen ist wohl einer der nervigsten Charaktere, die mir seit langer Zeit untergekommen ist und dazu auch nicht ganz glaubwürdig, für diese Zeitperiode. Aber das ist wohl nicht ganz unbeabsichtigt.

SPOILER AB HIER!!!

In letzter Zeit scheint sich ein Muster abzuleiten, das besagt, dass gute Filme mit einem beschissenen Ende noch mal alles etwas runterziehen müssen. Nach 10 Cloverfield Lane ist das nämlich auch hier leider wieder der Fall. Denn die letzten 5 Minuten hätte man sich einfach komplett schenken sollen. Muss man da wirklich einen sprechenden Ziegenbock, der sich dann in einen Piraten verwandelt und fliegende Hexen aus dem Hut zaubern, um auch dem letzten Trottel klar zu machen, dass hier halt wirklich der Teufel persönlich am Start war?

Und überhaupt bin ich klar der Meinung, dass der Film sogar besser gewesen wäre, wenn man den ganzen Hokus Pokus einfach komplett weggelassen hätte. Einfach ein paar geringfügige Änderungen vornehmen und man kann die Hexe streichen. Die Familie kann sich auch rein durch die Einbildung, dass etwas sie verflucht hat, in den Wahnsinn treiben. Das wäre erstens irgendwie mal interessanter, als dann doch immer den übernatürlichen Quark zu fabrizieren und zweitens hätte mir das auch die beschissenen Schlussszenen erspart.

Immerhin sind die Charaktere größtenteils ganz gut gezeichnet. Okay, die Mutter macht eigentlich nichts, außer rumzuflennen. Ihr Mann Lumberjack-Willy hingegen ist mir für so einen gläubigen Fatzken aus dieser Zeit irgendwie etwas zu locker; Kind im Wald verschwunden? Tja, passiert halt. Sohn taumelt nackt ausm Wald und kotzt einen blutigen Apfel aus? Was will man machen? Lasset uns beten.

Die Kids hingegen passen einfach. Das Mädel spielt die leicht genervte, aber allen Anschuldigungen zum trotz immer gehorsame Tochter super, der Junge rockt so richtig kurz bevor er das Zeitliche segnet und die Zwillinge sind einfach nur nervige Pissblagen mit ihrem Scheiß-Ziegenbock-Gesang.

Am Ende bleibt ein wirklich gut inszenierter Streifen mit toller Atmosphäre, der leider am Ende in die falsche Richtung abdriftet. Es bleibt einfach der fade Beigeschmack, dass da noch mehr gegangen wäre, wenn man einfach weniger gemacht hätte.

Eine Empfehlung gibt es aber schon alleine deshalb, weil es mal was anderes ist und nicht nur geschnetzelt wird oder hinter jeder Ecke ein lahmer Jumpscare lauert, wie es heutzutage in Horrorfilmen eigentlich der Fall ist.