Filmschrott

Schlechte Filme von Mainstream bis Trash. Die Lücke ist kleiner als man denkt.

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Exeter – Horrorctober 2017

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EXETER – ExitUs: Play It Backwards – USA – 2015 – 91 Min.

Wie man sieht, handelt es sich mal wieder um einen dieser Filme, die hierzulande mit einem wunderbar sinnlosen Titel versehen wurde, bei dem man nicht mal weiß, was er bedeuten soll, was die Änderung noch sinnloser macht. Aber gut, halten wir uns nicht mit solchen Belanglosigkeiten auf und beschäftigen uns lieber mit anderen Belanglosigkeiten, wie eben dem Film selbst.

Es beginnt mit einem Mädchen, dass nur im Höschen in ihrer Wohnung erschossen wird und damit ist wohl eindeutig klar, dass der Film mehr als Blut und Titten nicht zu bieten haben wird.

Exeter war eine Irrenanstalt, in der schlimme Experimente angestellt wurden. Wir kennen das. Der Laden wurde geschlossen und wird jetzt, Jahre später, renoviert, um darin … irgendwas zu machen. Irgendwelche Honks gehen auf eine Party und sind halt da. Namen fallen auch mal zwischendurch, aber halten wir uns nicht mit solchen Belanglosigkeiten auf und nennen die einfach alle Vollidioten. Das erspart mir etwas Arbeit. Es sollte klar sein, dass die Party im alten Exeter-Gebäude stattfindet und es scheinbar keine Sau in der Umgebung interessiert, dass die Vollidioten da alles abreißen.

Die Vollidioten erzählen sich ein paar Geschichten über den Schuppen und die Experimente, die dort stattgefunden haben sollen. Und wenn man irgendwas rückwärts abspielt passiert irgendwas. Ich habs nicht gerafft, aber es ist doch eh scheißegal, denn wir wissen alle genau, wohin das hier führen wird. Vorher gibts aber noch ne Partie Strippoker und anderen Krampf, für den sich keine Sau interessiert.

Rory, der sich vorhin schon mal spaßeshalber vor ein fahrendes Auto geworfen hat – manche würden ihn als den Draufgänger der Truppe bezeichnen, ich eher als Oberbekloppten – hat dann einen Zombieanfall, oder sowas und wird an ein Bett gefesselt. Immerhin kommt man hier relativ zügig auf den Punkt. Patrick ruft den Dorfpastor an, damit der ihn exorzieren kann. Interessant, wie selbstverständlich es für ihn ist, dass sein Kumpel wohl vom Teufel besessen ist. Scheint bei ihm zum Alltag zu gehören.

Irgendein Typ kommt vorbei und ihm wird der Schädel von Zombierory weggeballert. Die Vollidioten hauen ab und überfahren den Priester. Nach etwas Tumult in der Garage entscheidet man sich dazu, nicht in den Knast zu gehen und stattdessen den Laden abzufackeln und die Leichen gleich mit. Es ist schon unglaublich, wie einfallslos das mal wieder alles ist hier. Da muss doch mal jemand gesagt haben, dass das einfach nur langweilig ist, oder? Nein, er hat gesagt, lasst uns auch noch alte Videos von den Experimenten einbauen, die sich die Vollidioten dann reinziehen können.

Aus irgendeinem Grund sind sie dann eingeschlossen. Vermutlich übernatürliches Gelöt, durch das sich die Bude selbst verriegelt, weil alles andere ja schon fast kreativ wäre. Und der Zombietyp hat sich vom Bett befreit und rennt jetzt frei rum. Aber man hat einen Plan, denn auf dem Tablet hat man im Internet eine „Do it Yourself“- Exorzismus Seite gefunden. Was ein Schwachsinn. Als ob es in der Bude W-Lan gäbe.

Okay, ich muss zugeben, die DIY-Seite ist schon ganz witzig gestaltet. Alles andere natürlich nicht. Man braucht Weihwasser, also zurück zum toten Priester in der Windschutzscheibe. Nur, dass der nicht mehr da ist. Keine Ahnung wie man jetzt das Weihwasser gekriegt hat, oder ob man es einfach weglässt, aber man zieht den Exorzismus durch und hat Erfolg … denkt man, denn dann kriegt einer der Vollidioten eine Spritze ins Bein und Zombierory geht richtig ab. Also im Sinne von, er macht das Gleiche wie schon den ganzen Film über.

Der nächste Schritt ist klar: Man bastelt sich so ein Ouija-Board, oder wie das heißt und nimmt Kontakt mit dem Dämon auf. Der spielt Verstecken und will, dass sie ihn finden. Immerhin gibt er ihnen noch den Tipp, dass er in einer Kiste ist. Dann fährt er in eine der Tussis und Rory ist wieder Rory. Auch wenn man den Unterschied kaum merkt, so doof wie der Vogel ist. Dann wird einer der Vollidioten von einem Kronleuchter erschlagen.

Man trennt sich und sucht die besessene Tussi und ist alles wirklich unglaublich aufregend. Oder dämlich. Kommt halt auf die Sichtweise an. Rory wird beim Pissen entführt. Patrick und die andere Frau im Bunde finden eine Geheimtür hinter einem Schrank. Im Keller finden sie ein paar Fotos und eine Angel. Keine Ahnung, was man damit will. Dann finden sie auch noch einen Lüftungsschacht und wollen rausklettern. Aber die Dämonentussi lockt Patrick in eine Falle, indem sie ihren BH als Köder ausgelegt hat. Es ist wirklich unglaublich, was hier für ein Quatsch abgeht. Kampf und die Dämonin fällt mit beiden Augen voran in zwei Spritzen. Zum Glück macht einer Dämonin sowas aber nichts aus und der Kampf geht weiter, bis die Patrick ihr mit einem Feuerlöscher den Schädel zu Matsch schlägt.

Irgendwo anders findet einer der Vollidioten den Priester und fällt vor Schreck in seine Spitzhacke. Es wird sekündlich immer noch dümmer. Das muss man auch erstmal hinkriegen. Dem nächsten Besessenen wird das halbe Gesicht weggefetzt und damit dürften nur noch Patrick, Rory und die Frau am Start sein. Und der Priester tapert natürlich auch noch da rum.

Der verfolgt dann das Mädel und überschüttet sich versehentlich selbst mit Benzin, bevor er sie absticht. Patrick ist untröstlich und mutiert zum Rachegott. Er fackelt den Priester ab, der durch das Benzin natürlich ganz besonders gut brennt und … Moment mal, wann ist denn Rory gestorben? Ach, scheiß drauf.

Die Tussi ist jetzt der Dämon und das hier scheint niemals zu enden. Rory lebt ja doch noch. Im großen Endkampf senst Patrick der Trulla die Arme mit einem Rasenmäher weg und anschließend wird sie von ihm und Rory in die Kiste gesperrt. Der Laden fackelt ab und Patrick und Rory sitzen draußen und gucken den Flammen beim Flackern zu.

Zwischenzeitlich ist der Streifen wirklich so dämlich, dass es schon wieder unterhaltsam ist. Diese Momente sind dann aber doch zu rar gesät, um durchgehend zu unterhalten.

Alle Filme im diesjährigen Horroctober findet ihr in der Übersicht.

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Mal aktuell: Don’t Breathe

Es ist ja kein großes Geheimnis, dass ich eher selten Filmtrailer gucke. Gerade heutzutage, wo Trailer die unfassbar dämliche Eigenart aufweisen, den ganzen Plot und jeden Twist des Films direkt zu verraten, mache ich einen gewaltigen Bogen um diese einst eigene Kunst des Filmschnitts herum. Aber wenn man im Kino sitzt kann man sich nur schwer davor retten. Wenn man nicht wie ein Trottel vor der Tür stehen will, bis der Hauptfilm anfängt, muss man nun mal den ein oder anderen Trailer über sich ergehen lassen. Meist sind die eher abschreckend. Meist verraten die direkt alles und man braucht den Film gar nicht mehr gucken. Aber manchmal gibt es eben doch noch Trailer, die einfach Lust auf den Film machen. So ein Beispiel war der Trailer zu:

DON’T BREATHE – USA – 2016 – 88 Min.

Eine Sache vorweg. Ich raffe nicht, warum heute alles, was auch nur ansatzweise etwas Brutalität in der Story hat, direkt als Horror bezeichnet wird. Don’t Breathe ist KEIN Horrorfilm. Nicht mal ansatzweise. Der Film ist nicht gruselig. Der Film hat keine wirklichen Schockmomente. Der Film hat absolut nichts Übernatürliches. Der Film ist KEIN Horrorfilm. Für mich ist der Film ein Psychothriller. Ein bisschen hat er mich von der Idee an Panic Room von David Fincher erinnert. Drei Leute brechen in ein Haus ein und müssen sich dann mit einem Problem herumschlagen, mit dem sie zuvor nicht gerechnet haben. Es sagt auch niemand, dass Panic Room ein Horrorfilm ist. Also: Psychothriller. So.

Aber egal was es dann letztlich ist, es ist verdammt gut. Der Film ist sich absolut bewusst, dass er sich in einem sehr vorhersehbaren Rahmen bewegt, was schon in der ersten Einstellung klar wird. Da nutzt man nämlich das komplett ausgelutschte Stilmittel der Vorblende, mit einem Blick auf den Ausgang des Films. Zumindest soll man das denken. Aber zum Glück macht der Film nicht so vorhersehbar weiter, wie man denken könnte. Denn gerade zum Schluss, wird man doch immer wieder überrascht dadurch, dass das Ende doch noch nicht gekommen ist. Mehrmals scheint es vorbei zu sein, eine der beiden Parteien gewonnen zu haben, und dann gibt es doch noch eine kleine Zugabe.

Die Charaktere sind nicht besonders ausgearbeitet. Wie man es von so einem Film gewohnt ist. Das Bisschen, das man erfährt erfüllt seinen Zweck. Allerdings hat man ein Problem, wenn man unbedingt eine Person braucht, der man einen Sieg wünscht. Immerhin reden wir hier von drei Einbrechern und einem blinden Mann mit Leichen im Keller. Hier gibt es kein gut und böse. Kein schwarz und weiß. Niemand in diesem Film hat ausschließlich gute Absichten. Wenn man das sucht, sucht man vergeblich. Aber das macht die Charaktere greifbarer. Leider erfährt man aber nur über zwei der vier Hauptfiguren wirklich genug um sich überhaupt für sie zu interessieren. Stephen Langs blinder Mann und die von Jane Levy gespielte Rocky sind Protagonist und Antagonist. Wer was ist, muss jeder für sich entscheiden. Vielleicht sind auch beide beides. Die anderen zwei sind einfach nur da. Man weiß leider viel zu wenig über die restlichen Figuren, um sich wirklich für sie zu interessieren und auch, um gutzuheißen, was sie tun. Denn deren Beweggründe sind nicht klar. Man weiß nur, dass sie Geld wollen. Wofür erfährt man nicht, womit sie einfach nur Einbrecher sind. Da hätte man ruhig noch 5 Minuten investieren können, um auch denen etwas Profil zu geben. Mehr Zeit hat man für Rocky auch nicht geopfert. Und da liegt dann auch mein einziger Kritikpunkt. Mal wieder scheitert ein Film daran, mir die Charaktere nahe genug zu bringen, dass ich wirklich mit ihnen mitfiebern, mitleiden, oder gegen sie sein kann. Sie sind mir mal wieder zu egal. Zum Glück schafft der Film es trotzdem, Spannung aufzubauen. Nur wäre da eben viel mehr drin gewesen. Eben eine typische Krankheit des Genres.

Genau wie die typischen dummen Entscheidungen und Zufälle, mit denen man sich hier natürlich auch abfinden muss. Zumindest wirkt der Film aber für das was er ist, doch ziemlich gut durchdacht.

Absolut erwähnenswert sind noch ein paar technische Aspekte des Films. Vor allem der Sound, den man hier wunderbar einsetzt, um den Vorteil des blinden Mannes hervorzubringen, ist einfach super. Und auch visuell hat man hier einiges richtig gemacht. Kamerafahrten sorgen zu Beginn für Foreshadowing und die Kellerszene in völliger Finsternis ist hervorragend umgesetzt. Und jede Szene fängt mit der Kameraeinstellung die Enge und Bedrängtheit der Charaktere sehr gut ein.

Wer mal wieder einen spannenden und etwas anderen Horror Psychothriller sehen will, sollte ins Kino gehen. Denn das Ding hier ist einfach sehr gut umgesetzt und man merkt, dass hier Leute am Werk waren, die tatsächlich Lust hatten, auf das was sie tun. Eine Tugend, die in der Filmbranche heutzutage leider viel zu selten anzutreffen ist.