Filmschrott

Schlechte Filme von Mainstream bis Trash. Die Lücke ist kleiner als man denkt.

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Wunschschrott – Master Of The Flying Guillotine

Hin und wieder trudeln bei mir ja auch mal Filmwünsche ein. Meine treuen Leser besuchen den Filmschrottplatz schließlich nicht nur, um sich an dem filmischen Wahnsinn zu ergötzen, den ich hier präsentiere, sondern haben auch meist selbst ihre eigenen geliebten Schrottfilme. Frau Argh beispielsweise scheint etwas für alte Martial Arts Schinken übrig zu haben. Das ist zwar nicht gerade mein bevorzugtes Genre (wenn man mal von den guten alten Jackie Chan Knallern absieht), aber das macht die Sache um so interessanter. Genau genommen gilt der heutige Film auch nicht mal als Schrott, sondern als eine Art Meisterwerk des Filmgekloppes aus Asien. Jetzt habe ich euer Interesse wirklich geweckt, was? Dann schauen wir mal, was uns erwartet, bei:

DU BI QUAN WANG DA PO XUE DI ZI – MASTER OF THE FLYING GUILLOTINE – ONE ARMED BOXER 2 – Taiwan – Hong Kong – 1976 – 81 Min.

Regie, Drehbuch und Hauptdarsteller ist Jimmy Wang Yu. Der lässt also gar nichts anbrennen und übernimmt einfach mal alles, was zur Verfügung steht. Vermutlich hat er auch das Catering selbst organisiert. Wenn ein Mann einfach alles übernimmt, bin ich ja schon aus Prinzip skeptisch. Andererseits kann er so natürlich seine eigene Vision auch genau nach seinen Vorstellungen umsetzen. Und die sieht dann so aus:

Der Wind in den Bergen bringt Nebel mit sich. Der Nebel erreicht ein einsames Haus. Vor diesem einsamen Haus sitzt ein alter Opa, der genau so aussieht, wie wir sie aus solchen Filmen kennen. Lange, weiße Haare, langer, weißer Bart, lange, weiße Augenbrauen und blind ist er auch. Als Lama verkleidet zog er sich hierher zurück, um … Martial Arts-mäßig auf dem Berg herumzuhampeln und einer Taube bei der Landung zuzuschauen. Die Taube hat eine Nachricht von seinen Schülern dabei. Die sind alle tot und wurden vom einarmigen Boxer ermordet. Rache ist natürlich Ehrensache, wenn man auf einem Berg am Arsch der Welt lebt und so bricht Opa zu monströsen Klängen auf, um für Recht und Ordnung zu sorgen. Und weil es dafür eine gehörige Portio Coolness benötigt, macht man das natürlich am besten, indem man einfach durch sein eigenes Strohdach springt, ein paar Puppen mit seiner Kettenguillotine enthauptet und das Haus niederbrennt. Die Epicness kennt keine Grenzen hier.

Kampfkunsttraining im Dojo gehört ja aus Prinzip in so einen Film und das ist auch hier nicht anders. Immer wieder … spannend? Trainer Einarmboxer bringt den Schülern heute das Springen auf einen Korb bei, auf dem die Schüler dann balancieren müssen. So lernt man nämlich das richtige Atmen. Aha. Wenn ich mal Atembeschwerden kriegen sollte, besorge ich mir auch so einen Korb. Anschließend zeigt er, wie man an die Decke springt und kopfüber daran entlang latscht. Die Physik komplett auszuhebeln gehört nebenbei auch prinzipiell in so einen Film.

Der Meister bekommt eine gute Nachricht, denn sein Dojo ist zu einem Wettkampf der Schulen eingeladen. Dieses Turnier wird vom Obermeister der Adlerklaue-Kampfschule organisiert und der muss sich gerade mit Stirnbandelvis herumschlagen, der auch teilnehmen will. Dafür muss er aber mal eben beweisen, dass er würdig ist und tritt einen Stein zu Klump. Das scheint soweit zu reichen. Das komische Getanze im Anschluss ist nur ein Bonus. Und dass er die Schüler alle vertrimmt wohl auch. Adlerklaues Tochter will Stirnbandelvis dann die Fresse polieren, aber Adlerklaue geht dazwischen und gibt Stirnbandelvis ein Zimmer.

Die Regierung schmuggelt mit der Hilfe von Fung Sheng (das ist der Opa vom Anfang) einige Teilnehmer ins Turnier und ich habe jetzt schon komplett den Faden verloren. Was hat der Opa mit der Regierung zu tun? Und was interessiert die Regierung überhaupt das Turnier? Und warum schnetzelt Fung Sheng nicht alle nieder, um seine Schüler zu rächen?

Wartet mal. Da ist ja noch ein einarmiger Boxer. Dann ist der Trainer gar nicht der richtige? Oder doch? Fung Sheng köpft den Honk und schwört, einfach alle einarmigen umzubringen. Lässt nichts anbrennen, der Opa. So lobe ich mir das.

Papa Adlerhorst hat Bedenken, ob seine Tochter am Turnier teilnehmen sollte, denn Stirnbandelvis könnte sie verletzen. Denn sonst hat noch niemand die Einladung zum Turnier angenommen. Da aber nun mal alles vorbereitet ist, findet es einfach mal morgen statt. Und irgendwie sind da doch schon ein paar Kämpfer am Start. Irgendwelche Krampen eröffnen den Spaß und einer gewinnt halt. Der Mann, der ohne Messer kämpft, besiegt Das schnelle Schwert, indem er ihn mit einem Messer absticht. Der Mann mit dem Zopf und Der Mongole sind als nächstes dran und ich bin ehrlich: Das interessiert mich alles nicht die Bohne. Lasst wenigstens die Leute kämpfen, die vorher schon eingeführt wurden und nicht irgendwelche Honks, die ohnehin keine Rolle spielen. Nach Der Teufelskerl gegen Die Eisenhaut darf die Adlertochter gegen den Affenman ran und besiegt ihn, indem sie ihm die Hose auszieht. Meine Fresse, zeigen die jetzt einfach das ganze verdammte Turnier oder was? Wie viele Kämpfe sollen das denn noch werden? Vorhin hieß es noch, dass keine Sau teilnehmen wollte.

Adlerauge entdeckt den einarmigen Boxer im Publikum und will, dass der am Turnier teilnimmt. Der hat aber keinen Bock und haut ab. Also müssen sich weitere namenlose Heinis die Fressen polieren. Irgendwann greift dann auch mal Stirnbandelvis ins Geschehen ein und gewinnt nicht gerade unerwartet. Nach dem nächsten Kampf kommt dann endlich mal Opa Sheng vorbei und köpft jemanden. Adlerklaue findet das richtig kacke, denn der Opa hat sein Turnier versaut. Also gibt es zur Abwechslung mal einen Kampf. Adlerpapa und Adlertochter gehen drauf und Opi fackelt einfach mal alles ab, was sich dafür anbietet. Oh, ich glaube Adlertochtet lebt noch, denn der Alte nimmt sie mit. Das Turnier dürfte damit nebenbei vorbei sein und hat mich nur eine halbe Stunde meines Lebens gekostet, um dann zu absolut gar nichts zu führen.

Der einarmige Trainer erzählt seinen Schülern, was eigentlich geschah. Wir wissens schon, also spare ich mir das an dieser Stelle. Er hat die Schüler gekillt und Opi will jetzt Rache. Stirnbandelvis kommt reingetanzt und nervt einfach unglaublich mit seinem Scheißgetröte. Nicht nur mich und es wird gekämpft. Dann taucht auch noch Großvater Guillotine auf und alle hauen ab. Außer Stirnbandelvis, denn der hat wohl nix zu befürchten.

Ach, Tochter Adlerei wurde gar nicht von Opa mitgenommen, sondern vom Mann, der ohne Messer kämpft (aber dann seine Gegner bescheißt und mit einem Messer absticht). Der will sie mit nach Japan nehmen, aber die hat keinen Bock. Einarmboxer kommt vorbei und hilft ihr bei der Flucht. Woher zum Geier wusste der überhaupt, dass sie da war?

Nach und nach bastelt man die ganzen überlebenden Turnierteilnehmer in die Story ein und das führt selbstverständlich in erster Linie zu Gekloppe, ohne Sinn dahinter. So kämpft der einarmige Boxer gegen den Inder mit den ausfahrbaren Todesarmen, weil der ein heiliges Bild abfackelt. Stirnbandelvis hingegen hat sich aus einem Grund, der zu keiner Zeit erwähnt wurde, mit dem Guillotinengreis verbündet und jetzt suchen sie gemeinsam nach dem einarmigen Boxer, was auch nicht wirklich Sinn ergibt, weil sie ja vorhin schon bei dem waren. Aber lasst uns nicht anfangen, hier nach Logik zu suchen.

Weil irgendein Holzfäller im Wald es nicht gebacken kriegt, mit seiner Axt einen Bambusast abzuschlagen, wird der Plan entwickelt, mit eben diesem Bambus die Klingenguillotine unschädlich zu machen. Vorher wird noch Stirnbandelvis gegrillt und Meckie-ohne-Messer fordert mal schnell den Boxer zum Kampf heraus, damit Messer Jockel dann auch raus ist hier.

Das große Finale mit Bambus und Guillotine verlagert sich in die örtliche Vogelzucht, was tatsächlich gar nicht mal so doof ist, hat der blinde Opa da doch arge Probleme, seinen Gegner zu hören, vor lauter Geflatter und Gezwitscher. Generell ist der Kampf ziemlich intelligent, muss ich sagen. Der Boxer sorgt dafür, dass die Guillotine sich selbst mit zurückschleudernden Äxten verletzt und schaltet dann auch die Waffe aus. Das anschließende Gekloppe dauert mir aber dann doch zu lange und ich bin froh, als es vorbei ist.

Der Boxer hat nebenbei gewonnen, also war er hier wohl der Gute. Irgendwie war das zu keinem Zeitpunkt wirklich klar. Aber sonst im Film ja auch nix. Ich gehe meinen Arm amputieren …

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