Filmschrott

Schlechte Filme von Mainstream bis Trash. Die Lücke ist kleiner als man denkt.

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Reitende Ranger im Rinderwahn

Jetzt, wo sich die USA selbst auslöschen, dachte ich, es wäre ganz interessant, ein wenig in die amerikanische Historie einzutauchen. Schließlich könnte die demnächst um so wichtiger sein, wenn im Geschichtunterricht von dem Kontinent die Rede ist, der mal Nord-Amerika war, aber jetzt nur noch die Heimat schweratmender Zombies unter der Führung eines weißhaarigen Irren, der in einem mobilen Sauerstoffzelt über die Prärie fliegt. Deshalb scheuen wir uns heute mal den wilden Westen an. Ich glaube, einen Western hatten wir noch gar nicht hier auf dem Filmschrottplatz. Und natürlich habe ich nicht irgendwas ausgewählt. Es ist einer dieser Filme, die ewig in der Produktionshölle verweilten und dann auf die denkbar schlechteste Weise umgesetzt wurden. Also genau das richtige für den Filmschrottplatz. Es geht um die Gründung der:

TEXAS RANGERS – USA – 2001 – 86 Min.

Regie führte Steve Miner, der zuvor mit Slashern aus der FRIDAY THE 13th-Reihe und HALLOWEEN Teil 42 oder so, von sich Reden machte. Perfekt also für einen Western. Zwischenzeitlich sollte Sam Peckinpah das Projekt umsetzen, aber dann wäre es wohl zu gut geworden, also hat man sich dagegen entschieden.
John Milius, den wir alle als Drehbuchautoren von Granaten wie APOCALYPSE NOW oder CONAN THE BARBARIAN kennen, schrieb die ersten Versionen des Drehbuchs bereits Anfang der 90er und war mehrmals bereit, den Streifen auch auf dem Regiestuhl in die Tat umzusetzen. Aber das wäre zu gut geworden, also schnappten sich die Weinsteins den Stoff und ließen niemand geringeren als Scott Busby das Script komplett umschreiben. Der hatte zuvor immerhin bereits ganze drei Drehbücher für billige TV-Movies verfasst. Und nach diesem hier gar nix mehr. Eine Topwahl also.
Milius wollte Tommy Lee Jones für den Film, aber wie wir wissen, wurde daraus ja nichts. Stattdessen hatten die Produzenten eine viel geilere Idee: Die jungen Wilden müssen ran. Frisches Blut muss her. Die Leute wollen neue Stars. Also holte man alles ran, was nicht gerade Seriendrehpause hatte und bekam James van der Beek aus DAWSONS CREEK, Ashton Kutcher aus THE 70s SHOW, Dylan McDermott aus THE PRACTICE und Usher, der gerade keine beschissenen Popsongs aufnahm. Oh, und Rachael Leigh Cook, aber die mag ich, also Schnauze!

Der dokumentarische Beginn bringt uns James Coburn als Erklärer vom Dienst. Kurz zusammengefasst: Leander McNelly wird gesucht, weil er eine Gruppe von Rangers nach dem Bürgerkrieg leiten soll, um … irgendwas so richtig gesetzhütendes zu tun. McNelly ist aber gerade damit beschäftigt, sein eigenes Grab zu buddeln. Vermutlich will er möglichst schnell aus diesem Film raus.

Lincoln van der Beek ist zufällig in der Stadt, als der böse John King Fisher, böse gespielt von Alfred Molina, ein paar Rinder einsacken will, um sie an die vermutlich noch böseren Mexikaner zu verkaufen. Eine kurze, eher unspektakuläre Schießerei stellt klar, dass der Fisherking alle Argumente auf seiner Seite hat. Und natürlich wurde zufällig Lincolns Mutter abgeknallt, also wirds hier wohl zum Racheakt kommen. Vorher lernt er erstmal Ashton Kutcher kennen, der hier – wie immer – Ashton Kutcher spielt. Ernsthaft, der Typ ist sowas von eindimensional, dass es immer noch an ein Wunder grenzt, dass der in so vielen unterschiedlichen Genres unterwegs war. Irgendwo heult ein Kojote und mir kommen bei dem Acting auch die Tränen.

Die Rangers rund um McNelly befreien einige Sklaven. Abraham Lincoln wäre stolz. Lincoln vdB hingegen schließt sich gemeinsam mit Abraham Kutcher den Rangers an, weil … haben halt sonst nix zu tun.

König Angelmann und seine bösen Buben klauen einem Zirkusdirektor seinen Tiger. Und seine Frau. Und erschießen ihn. Und der Angelkönig lacht fröhlich. Denn sehr ihr: Er ist böse und deshalb hat er einen seltsamen Humor, der ebenfalls böse ist und alles was er sagt ist ebenfalls böse, denn seine Worte sind wohlgewählt, um möglichst böse zu sein. Kurz: er ist so eindimensional wie die darstellerische Gewandheit eines Ashton Kutcher. Hoffentlich haben die beiden den finalen Shootout …

Usher schließt sich auch den Rangers an und spricht wie ein Ghettokind aus den Neunzigern. Eventuell kann der Twist, dass er ein Zeitreisender ist, den Quark hier retten. Die Rangers sollen natürlich den König der Angelsachsen dingfest machen, wie man das früher nannte. Übersetzt: Sie sollen ihm so richtig den Arsch aufreißen. Wenn ich mir das Schießtraining der bekloppten da angucke, dürfte das schwierig werden.

Der beste Schütze ist Sam Stotterstott, aber der will McNelly abknallen. McNelly ist aber zu cool, um sich einfach so wegballern zu lassen und killt Sam, der eigentlich gar nicht stottert, sondern nur besser gespielt hat als Ashton Kutcher an seinem besten Tag.

Attacke auf das Lager von Fisher. Die haben ne Gatling-Gun im Planwagen. Was ne Action. Wahnsinn. Natürlich hilft ihnen der Plan wagen nicht und sie verkacken. Fisher ist aber nicht da.

Lincoln ist dagegen, Gefangene einfach so zu hängen, aber bevor das wirklich ausdiskutiert werden oder eine größere Rolle spielen kann, wird schon wieder rumgeballert. Ich habe keine Ahnung, wer hier auf wen schießt, aber ich glaube, die Gegner sind Mexikaner und Fisher persönlich ist auch da und die Rangers kriegen ganz schön aufn Sack. Da helfen Usher selbst seine ungelenken Bodenrollen nichts.

Nach dem Rückzug sind alle kacke drauf, aber McNelly weiß, wie es weitergeht und reitet mit seinen Jungs zur Ranch von Richard Dukes, dessen Tochter Rachael Leigh Cook wirklich gelangweilt gewesen sein muss, um hier mitzumachen, wo sie erst nach über der Hälfte auftaucht und mehr oder weniger völlig überflüssig ist. Sie war jung und brauchte das Geld, schätze ich. Nebenbei haben die Rangers die Frau vom Zirkusdirektor gerettet. Den Tiger haben sie aber leider nicht dabei, also wird das hier wohl nicht mehr gut werden.

Kutcher kloppt sich mit Beek um die Badewanne und setzt sich einfach mit rein. Cook sieht die beiden in der Wanne und Kutcher denkt, dass sie voll auf ihn steht. Jetzt will der Scheiß hier also auch noch lustig sein. Es wird nicht besser.

Kutcher und Cook versuchen die goldene Himbeere zu gewinnen, aber selbst dafür ist die Szene vermutlich zu belanglos.

Tochter Rachael findet es richtig kacke, wenn die Rangers einfach so Viehdiebe abknallen, denn das bedeutet, dass das Leben eines Rinds genau so viel Wert ist, wie das eines Mannes. Tierschützerin wird die nicht mehr. Feministin vermutlich auch nicht, so geil wie die auf die unfassbar männlichen Cowboys hier ist. Immerhin musste sie bisher nicht sinnlos halbnackt rumsitzen, wie die Zirkusfrau gerade. Wenigstens hat sie eine Bewandnis für die Story oder wie man das hier nennen will und sagt McNelly, wo Angelmann und Söhne sind. Das ist aber nur ein Ablenkungsmanöver, damit Fisher und Co. Papa Cook entführen können. Der wird vor den Augen der Rangers gehängt und die Zirkusfrau darf sich wieder dem bösen Fisher anschließen, weil … ist halt so. Der verpisst sich jedenfalls nach Mexiko und jetzt könnte das hier eigentlich vorbei sein.

Aber es muss natürlich noch den großen Showdown im Fort geben. Den Sinn dahinter kann ich nicht erklären, habe bereits vor 80 Minuten das Interesse an dem Müll verloren. Jedenfalls wird wild rumgeballert und Dynamit geworfen und die bösen sterben alle und die Rangers … nicht. Das ist auch das einzig positive was ich über die sagen kann, denn eigentlich ballern die auch nur hirnlos durch die Gegend wie der böse King Fisher und seine Angelfreunde.

McNelly hat sowas wie eine Entwicklung durchgemacht und will Gefangene jetzt nicht mehr einfach aufhängen, sondern ihnen einen fairen Prozess ermöglichen. Warum? Na, weil … es sonst überhaupt keine Charakterentwicklung in dieser Grütze gäbe. McNelly stirbt und Lincoln wird der neue Oberranger. Cook darf noch schnell Kutcher als geilen Stecher loben, um klarzustellen, dass ihre Rolle dermaßen überflüssig ist, dass man auch einfach ein Glas Wasser hätte hinstellen können und dann reiten die Rangers in den Sonnenuntergang.

John Milius war alles andere als begeistert darüber, wie sein Script zerlegt wurde und wollte Harvey Weinstein den Taliban übergeben. Im Nachhinein wäre das eine gute Sache gewesen, dann wäre man das Arschloch früher losgewesen. So durfte er noch einige Jahre beschissene Filme produzieren und Milius widmete sich dem römischen Imperium. Ich widme mich wieder meiner Rinderzucht …