Filmschrott

Schlechte Filme von Mainstream bis Trash. Die Lücke ist kleiner als man denkt.

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Drive-In Massacre – Schrottsommer 2017

Der Sommer geht weiter. Letztes Mal haben wir mit Ferienarbeit etwas Geld verdient, also können wir jetzt mit unserer Liebsten, oder dem Liebsten, oder einem Sexspielzeug unserer Wahl, ins Autokino.

DRIVE-IN MASSACRE – USA – 1976 – 74 Min.

„Am 10. August hat in einem kalifornischen Drive-In alles angefangen …“ verrät uns der Film zu Anfang. Dann versucht jemand Gitarre zu spielen wie Carlos Santana und versagt auf ganzer Linie, was aber auch wenig verwunderlich ist. Mit dem Soundtrack wird der Streifen also schon mal nicht punkten.

Alan und seine Freundin sind ja sowas von verknallt, es ist einfach grauenhaft. Er will mit ihr zusammenziehen, sie will ein Baby von ihm. Und sie will im Autokino rummachen, aber Alan will lieber vorher noch schnell den Film sehen, den er schon viermal geguckt hat. Er ist also genau so ein Trottel wie ich. „Titten? Nee. Ich gucke lieber diesen Kackfilm, Süße. Komm doch später wieder.“ Story Of My Life. Ein paar Sekunden später sind beide einen Kopf kürzer, denn der Mörder hier hat ein Schwert und er weiß es zu benutzen.

Wir kennen das: Die Cops sind absolut ratlos, aber der Drive-In Betreiber ist natürlich sehr verdächtig. Erstens hat er eine Glatze und zweitens ist er ein Arschloch. Würde mich nicht wundern, wenn er sich auch noch als Rassist herausstellt. Erstmal wirft er aber Germy den Geiern zum Fraß vor, der wohl sowas wie die Putzfrau da ist. Der Darsteller heißt nebenbei ernsthaft Douglas Gudbye. Also für mich ist der Fall damit gelöst. Reicht euch noch nicht: Okay, dann hier noch ein paar eindeutige Beweise. Kein normaler Mensch schleppt so einen Klopper von Taschenlampe mit sich rum wie Germy. Mit dem Teil könnte man einen Elefanten erschlagen. Aber jetzt das absolute Indiz auf seine Schuld: Er ist ein ehemaliger Schwertschlucker. Ja, es ist wahr. Germy der Schwertschlucker arbeitet jetzt als Putze im Drive-In, das auf dem ehemaligen Gelände des Jahrmarkts errichtet wurde, auf dem er der Schwertschlucker war. Und auch alle anderen Mitarbeiter sind ehemalige Jahrmarktschausteller. Kann es noch besser werden? Wohl kaum.

Germys Schwertsammlung ist wohl in Indien, wenn ich das richtig verstanden habe, also ist die Sache wohl doch nicht mehr so klar. Also für die Bullen. Für mich bestehe weiterhin kein Zweifel. Vielleicht erkennt man ihn ja in der nächsten Szene, in der ein Paar im Autokino rumpalavert und sich wunderbar dafür qualifiziert, den Kopf zu verlieren, da sie mir nach drei Sekunden schon derbe auf den Sack gehen. Nun ja, einen Kopf kürzer werden sie nicht gemacht, aber abgestochen, was ich auch dankend annehme. Der Killer sah aber gar nicht wie Germy aus. Hm … ich weiß: Er ist ein Shapeshifter. Jeder weiß schließlich, dass Jahrmarktkünstler übersinnliche Fähigkeiten haben. Germy ist schuldig.

Die Cops holen ihn aber erstmal nur als Zeugen ran und der hat das Nummernschild eines Verdächtigen aufgeschrieben. Und dieses Nummernschild gehört Mr. Ingelson, der verdächtig ist, weil er während dem Film mal pissen gegangen ist, oder so. Ach wartet mal, das ist sicher der Typ, der da rumgeschlichen ist und den ich für den Killer gehalten habe. War scheinbar doch nur Ablenkung. Also bleibt nur noch Germy als Täter übrig. Die Sache ist klar. Wo man aber schon mal da ist, verhaftet man den Typen wegen Drogenbesitz.

Und dann ist auch schon wieder Abend und ein neues Paar darf dran glauben. Dieses Mal irgendein Schmierlappen und eine verklemmte Trulla in einer Bluse, die nicht mal meine Oma tragen würde. Die Cops sind nebenbei undercover auch da und tun so, als würden sie rummachen. Das sind noch Polizisten mit Liebe zum Job. Denen ist nichts zu doof, um den Fall zu lösen. Allerdings sind sie zu blind, um den Fall zu lösen, denn natürlich kriegen sie den Mord nicht mit, obwohl er nur zwei Autos entfernt passiert. Johnson, der das Drive-In leitet und noch nichts Rassistisches geäußert hat, ist auch nicht begeistert von der Polizeiarbeit und kackt die Bullen erstmal an. Germy will erstmal Kaffee servieren. Sicher, um von sich selbst abzulenken.

Um sich selbst auch abzulenken, latscht Germy über den Rummel und hat dabei durchgehend Flashbacks in der Birne. Ich sags ja, der ist ein irrer Killer. Ein Psychopath. Ein völlig Wahnsinniger, der sicher den Verlust seiner Schwertsammlung einfach nicht verkraftet hat.

Ich habe wirklich nicht die geringste Ahnung, was dann passiert. Die Cops werden zu einem Lagerhaus gerufen, da hat irgendwer irgendein junges Mädel in seiner Gewalt und bedroht sie mit einem Schwert. Sie kann flüchten und versteckt sich zwischen den Kisten. Ich weiß weder wer er ist, noch wer sie ist, noch wo zum Kuckuck die da eigentlich sind. Zudem ist es viel zu dunkel, um überhaupt was zu erkennen. Also selbst wenn ich wüsste, wer die beiden sind, würde ich sie in der Dunkelheit nicht erkennen. Alles was ich weiß, ist, dass der Typ einfach nicht die Fresse halten kann und durchgehend nach dem „Little Girl“ ruft. Äußerst intelligent, wenn man mich fragt: So kann sie wunderbar vor der Stimme weglaufen und weiß immer, wo der Killer gerade ist.

Die Cops kommen und retten den Tag, indem sie den Killer im gefühlt mehrstündigen Finale, ausschließlich bestehend aus einem einzigen Versteckspiel und anschließendem kurzem Rumgeballer, töten. Und wer ist nun der Killer, fragt ihr euch? Nun, keine Ahnung. Der Typ hier jedenfalls nicht. Denn der ist der Vater des „little girls“ und heute morgen aus der Anstalt geflohen, um seine Frau abzuschlachten und seine Tochter zu entführen. Wenn ihr schon immer mal wissen wolltet, wie man Nebenplots nicht schreibt, habt ihr hier die Antwort.

Also geht die Suche nach dem Killer weiter. Germy ist nebenbei gefeuert. Die Cops vermuten jetzt wieder, dass es Glatzenjohnson ist. Und ganz ehrlich: Da zieht man so ein Brimborium um den entflohenen Irren auf, der nix mit dem Plot zu tun hat, aber hier bringt man die Auflösung mal eben so nebenbei. Denn Germy liegt ermordet bei Johnson in der Waschküche und damit ist die Sache natürlich klar. Germy stellt sich tot, damit der Verdacht auf seinen Boss fällt und er abhauen kann. Okay, ich gebe zu, meine Detektivfähigkeiten lassen zu wünschen übrig. Es war natürlich nicht Germy. Aber jetzt kommt der Knallertwist: Es war auch nicht Johnson. Denn auch wenn Johnson Germy erledigt hat, ist er nicht der irre Schwertschnitzer aus dem Autokino. Der ist immer noch auf freiem Fuß. Und er kann jederzeit zuschlagen. Überall. Niemand ist sicher. So will es uns eine Texteinblendung jedenfalls weismachen.

Ich frage mich, ob der Killer gefasst wurde. Oder ob er einfach nach dem Aussterben des Drive-Ins in Rente gegangen ist und jetzt ein ruhiges Leben in einer alten Schmiede fristet. Es wäre ihm ja schon zu wünschen, denn eigentlich hat er nur nervige Affenärsche gekillt.

Raus aus dem Kino und rein ins Wasser, heißt es dann bei unserer letzten Schrottsommeraktion in diesem Jahr, wenn wir surfen gehen.

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