Filmschrott

Schlechte Filme von Mainstream bis Trash. Die Lücke ist kleiner als man denkt.

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Filmstapel: Scorsese, Party, Game Night

Wie sich auf einem echten Schrottplatz die Vehikel stapeln, stapeln sich bei mir die Filme. Den ein oder anderen davon gibt es hier in einer Kurzbesprechung.

Den Anfang machen Martin Scorsese, Robert De Niro und Harvey Keitel, mit zwei der ganz großen Streifen aus den 70er Jahren. Ersteren kannte ich bereits, beim zweiten bin ich mir unsicher, ob ich ihn vielleicht vor 20 Jahren oder so schonmal gesehen habe. Macht für die Qualität aber auch keinen Unterschied:

TAXI DRIVER

Ich und die Filme der 70er tun uns immer recht schwer, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Ich bin eben mit dem überbordenden 80er-Quatsch groß geworden und dagegen wirken die 70er oft wie ein Spaziergang im Park. Alles ist ruhiger, langsamer, zäher. Mit den richtigen Leuten am Werk, kann das aber natürlich ebenfalls seinen Reiz haben. Diese richtigen Leute haben sich hier zusammengefunden und ein psychologisches Drama kreiert, das von seiner Atmosphäre nichts eingebüßt hat.
Der Film ist ebenfalls ruhig, langsam und stellenweise zäh. Aber genau das ist hier der Kernpunkt, denn so folgen wir dem schleichenden Prozess, der Travis letztlich ans „Ziel“ führt.
De Niro ist dabei natürlich überragend und mit Keitel als Streetcornerpimp macht man nie was verkehrt. Daneben brilliert vor allem die Stadt. Oder sollte man sagen: Sie verstört. Alles und jeder hier ist einfach nur abgefuckt und zu keiner Sekunde will man in dieser Umgebung leben.
Mich wundert ein wenig, dass der Streifen über die üblichen Filmenthusiasten hinaus so beliebt ist. Schließlich kriegt man hier nicht viel Action oder Coolness geboten, die sonstige „Kult“-Filme so mitbringen. Er ist wohl die Ausnahme, die die Regel bestätigt. Das alleine spricht schon für ihn.

MEAN STREETS – HEXENKESSEL

Das hier ist quasi die Blaupause für die späteren Rock-N-Roll-Gangster-Streifen, mit denen uns Martin Scorsese bis heute in unregelmäßigen Abständen versorgt. Quasi die Vorstufe zu den „Klassikern“. Wenn man diese kennt, findet man hier überall Facetten, die später größer und besser wieder aufgegriffen wurden. Sagen wir, es ist die etwas holprige Version, die gerade das Laufen lernt. Stellenweise etwas unbeholfen, aber nicht weniger interessant und unterhaltsam.

Nach all der Ernsthaftigkeit musste dann mal was zu Lachen her:

THE PARTY – DER PARTYSCHRECK

Ausschließlich Peter Sellers ist in der Lage, mit der ultimativen Whitewashingrolle inklusive Blackfacing (oder hier eher Brownfacing) davonzukommen. Könnte man heute zurecht nicht mehr so bringen, aber Sellers war einfach ein Comedygott und holt zu jeder Sekunde das absolut Beste aus seiner Rolle heraus. Ich meine, er ist auch kein Franzose, aber hat absolut überzeugend einen französischen Inspektor verkörpert, dessen Akzent so treffsicher war, wie die Gags von Blake Edwards. Diese Kombination schmeißt hier die unterhaltsamste Abrissparty bei spießigen Fatzken mit Stock im Arsch, die von einem Klischeeinder gesprengt wird. Könnte man heute zurecht so nicht mehr bringen.
Vielleicht ist das der Grund dafür, dass es noch kein Remake gibt. Der Stoff drängt sich geradezu für eine grottenschlechte Komödie mit siebentausend Cameos von Hollywoodstars auf. So bleibt uns aber das Original, dass man zwar so heute zurecht nicht mehr machen könnte, aber trotzdem unterhaltsam ist, weil hier eben echte Meister ihres Fachs am Werk waren. Das Drehbuch hatte nur knapp 50 Seiten, der Rest ist Improvisation. Das merkt man auch irgendwie, denn die improvisierten Momente sind die Guten. Der Rest ist Blahblah. Das macht man heute übrigens immer noch so. Nur ohne die improvisierten Momente.

Und dann gab es noch eine große Überraschung:

GAME NIGHT

Wer hätte gedacht, dass die scheinbar unlustigen Flachpfeifen, die das VACATION-Reboot verbrochen haben, in der Lage sind, eine wirklich lustige Komödie zu fabrizieren?
Vermutlich liegt es vor allem an der netten Idee, die eine Gruppe von Brettspielverballerten in eine echte Kidnappingstory verfrachtet. Vor allem liegt es aber daran, dass die Charaktere recht gut funktionieren und die Darsteller hier sichtlich jede Menge Spaß hatten.
Im Mittelteil hängt die Nummer zwar ein wenig durch, aber kann mit ein paar beknackten Twists und Turns gerettet werden.
Ein lustiger Spaß, gepaart mit ein wenig Thrill und Action, der nur manchmal seine Gags zu sehr in die Länge zieht, insgesamt aber wirklich lustig ist. Und das ist heutzutage ja mehr, als man meistens kriegt.