Filmschrott

Schlechte Filme von Mainstream bis Trash. Die Lücke ist kleiner als man denkt.

Schlagwort-Archiv: Das Grabmal des Drachenkaisers

Totenerweckung in fernöstlichen Wüstengegenden

Alle quatschen von „The Mummy“, der gerade im Kino gestartet ist … Okay, eigentlich spricht schon niemand mehr darüber, weil er wie zu erwarten war, eher nicht so der Bringer ist, um es mal vorsichtig auszudrücken. Aber es gab ja schon etliche Mumienfilme und man kann eben nicht immer einen Knaller abliefern. Wobei man wohl in Frage stellen kann, ob es bei der Mumie überhaupt jemals einen richtigen Knaller gab, außer eben vor fast 100 Jahren oder so. Einen richtig schlechten gab es aber vor knapp 10 Jahren auf jeden Fall und der scheitert schon daran, überhaupt eine Mumie zu haben.

THE MUMMY: TOMB OF THE DRAGON EMPEROR – Die Mumie: Das Grabmal des Drachenkaisers – USA – Deutschland – China – 2008 – 112 Min.

Vorweg sei gesagt, dass ich die ersten beiden Mumienfilme mit Brendan Fraser in der Hauptrolle wirklich mag. Klar, es sind keine Meisterwerke, aber die haben so einen trashigen Charme und nehmen sich selbst nicht zu ernst und bieten einfach gute Unterhaltung. Auch wenn Teil 2 quasi schon nur ein Remake von Teil 1 war und da der Untergang schon anfing, wenn man es genau nimmt. Dieser Teil allerdings … nun ja, lest halt selbst:

Der Spaß beginnt vor achttrilliarden Jahren (Schätzung des Autors), als Jet Li von Meuchelmördern gemeuchelt werden soll, aber sie alle selbst ermordet, weil er nicht nur der Drachenkaiser, sondern auch Messerkönig ist. Immerhin stellen diese Kampfszenen das absolute – und einzige – Highlight dieses Films dar. Denn wie wir wissen: Wo Asiaten sind, wird auch asiatisch gekämpft. Und das können die nun mal. Jedenfalls wird Li also zum Kaiser, aber er entscheidet, dass er keine Zeit zum Sterben hat, weil er noch so viel vor hat. Vielleicht hätte er einfach mal früher anfangen sollen, seine „Bucket List“ abzuarbeiten, dann hätte er das Problem jetzt nicht. Aber im alten China lässt sich auch das lösen, mit der Hilfe einer Hexe, die das Geheimnis zu ewigem Leben in einer Bibliothek fand. Heute stünde es natürlich im Internet und die Hexe wäre arbeitslos. Und wir wären alle unsterblich und würden uns auf ewig gegenseitig auf den Sack gehen und nicht nur für ein paar Jahre, bis dann die nächste Generation folgt, um sich gegenseitig den Tag zu versauen. Es wäre absolut grauenhaft. Deshalb war früher eben doch alles besser. Jedenfalls wird Kaiser Li gevierteilt von König wasweißich und der gammelt anschließend weg, weil die Hexe den Verrat geahnt und ihn und seine Armee verflucht hatte, die dann alle zu Stein erstarren. Die Hexe haut ab und der Fluch darf niemals gebrochen werden, denn sonst fallen die Untoten über die Welt her und so weiter. Wir kennen das. Soweit also die Vorgeschichte.

Rick versucht zu angeln, aber verzweifelt schnell und nutzt lieber seine Waffe, um die Fische abzuballern. Kommen wir zu einer Erkenntnis, die äußerst ausschlaggebend für den Misserfolg dieses Schinkens ist: Maria Bello ist nicht Rachel Weisz. Zugegeben, dafür kann sie selbst herzlich wenig. Und auch sonst keiner. Aber das ändert nix daran, dass sie die Rolle der Evy einfach nicht so wunderbar mit Leben füllt, wie es Rachel Weisz in den Vorgängern geschafft hat. Und dadurch ist schon jetzt klar: Man hätte die Figur besser einfach rausgeschrieben. Und in dem Zusammenhang hätte man auch den Sohn Alex besser weggelassen, denn der nervt schon nach drei Sekunden mehr, als er es jemals dürfte.

Nach einigem Rumgedümpel, das wohl im Ansatz lustig sein soll, aber auf keiner Ebene ist, findet Alex dann die Armee des Drachenkaisers und die Action kann losgehen. Immerhin hat man sich ein paar nette Fallen ausgedacht. und dann wird Alex mitten im Grab am Arsch der Welt meterweit unter der Erde von einem Ninja angegriffen, der alles andere als untot wirkt. Es ist natürlich die Hexe … denke ich mal. Weil die erstens ziemlich sicher unsterblich ist und zweitens wer sonst?

Rick und Evy sollen einen Diamanten nach Shanghai bringen. Ich muss wohl nicht extra darauf hinweisen, dass eine Gruppe zwielichtiger Asiatensoldaten hinter dem Teil her ist. Rein zufällig ist in China übrigens gerade Neujahr und in Jonathans Nachtclub geht die Party ab. Es dürfte ziemlich klar sein, dass auch John Hannah hier nix retten werden wird. Der Humor ist einfach … ach scheiße, Humor gibts hier nicht. Alex ist natürlich auch zufällig gerade im Nachtclub und so treffen sie sich alle. Und wisst ihr wer auch da ist? Genau. Der Zwiebelritter Sir Davos aus „Game Of Thrones“. Wenn einer diese Scheiße hier retten kann, dann er. Der Haussegen hängt schief, denn Papa Rick ist enttäuscht von seinem Sohn. Mutter Evy verteidigt den Sohn und so weiter. Man kennt das. Typischer Familienausflug nach Shanghai eben.

General Yeng und der Verräter Roger (wer auch immer das sein mag; ich glaube, ihm gehört das Museum) zwingen Evy und Rick, die Mumienarmee mit dem Diamanten zum Leben zu erwecken. Alex und die Ninjabraut, die doch nicht die Hexe ist, eilen zur Rettung, bevor die Eltern abgeknallt werden. Der Verräterkönig ist allerdings schon frei und spuckt Feuer. Eine äußerst dämliche Verfolgungsjagd später, die aber noch zum Besseren ghört, das dieser Streifen zu bieten hat, besaufen sich alle im Nachtclub und planen nächste Schritte. Ninja Lin ist nebenbei die Ur-Ur-Ur-Ur-Usw-Enkelin der Hexe und hat den Todesdolch, mit dem man den König killen kann.

Mit der klapprigsten Flugmaschine seit den Gebrüdern Wright, geflogen von Sir Davos, begibt man sich also nach … ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Sieht aus wie der Himalaja und da ist wohl die Quelle ewigen Lebens. General Yeng ist natürlich auch schon unterwegs dahin. Bevor man aufeinander trifft liefern sich Vater Rick und Sohn Alex aber noch ein Duell in „Wer hat die geilste Waffe in der Hose“. Dann wird wild rumgeballert. Ach so, und natürlich kommen auch noch ein paar Yetis vorbei. Weil alles wird besser mit Yetis. Außer dieser Film natürlich.

Eine gignatische Lawine macht dann einfach alles platt. Die Yetis beschützen die „Guten“. General Yeng und der Totenkönig werden weggefegt. Rick muss zum Arzt, weil er ein Messer im Rücken hat, also tapert man halt durch die Walachei und ist nach 2 Minuten am Ziel. Und zwar bei der HEXE!!! Sie lebt doch. Und Lin ist ihre Tochter. Hä? Moment mal, also gehen wir mal davon aus, dass die Hexe nicht altert. Okay. Aber wenn die Tochter ebenfalls nicht altert, müsste sie dann nicht einfach Null Jahre alt sein, weil sie zu keinem Zeitpunkt gealtert ist? Ich glaube, ich denke schon wieder zu viel darüber nach.

Nach einem Moment der Ruhe und des Aussprechens zwischen Vater und Sohn kommt der König an und latscht direkt in die Quelle des ewigen Lebens. Und heraus kommt die schlechteste CGI-Hydra seit … es Hydras gibt. Ist die nicht eigentlich griechisch? Hier wird wirklich einfach alles zusammengewurschtelt, was Mythologien so hergeben. Ich schätze, gleich wird Odin beschworen, um den Tag zu retten. Jedenfalls muss jetzt das Vieh natürlich aufgehalten werden. Nebenbei hat es auch noch die Hexe entführt. Moment mal, warum ist der König jetzt plötzlich Jet Li? ICH RAFFE DIE ZUSAMMENHÄNGE HIER NICHT!!! Und das ist ein beschissener Blockbuster. Der soll mich nicht überfordern, sondern unterhalten. Wartet … ist das vielleicht alles doch tiefgründiger als ich dachte und ich sehe hier gerade einen philosophisch hochgradigen geschichtlich akkuraten Historienfilm, der mir den kompletten übergreifenden Weltenmythos erklärt, ohne dass ich es gemerkt habe?

Zwei grottig animierte Armeen voller Untoter ziehen in den Krieg. CGI kam sicher in keiner Mythologie vor. Und Skelette mit Armbrust und Bogen zu bekämpfen sicher auch nicht, weil es saudämlich ist. Die Skelette gehören nebenbei zur Hexe und wurden extra beschworen, um mit Rick und Co. in die Schlacht zu ziehen. Die Schlacht selbst ist dann der wohl langweiligste Filmkampf seit … ich weiß nicht, was der erste Filmkampf aller Zeiten war, aber er kann niemals so scheiße gewesen sein. Sir Davos und sein Flugzeug mischen auch noch ein bisschen mit und werden von einem … mutierten Nashornbären vom Himmel geholt.

„Ding Dong The Witch Is Dead“. Lin ist ganz traurig und will jetzt endlich mal den Kaiser schnetzeln. Ja, dann macht auch endlich mal voran. Wird langsam wirklich unerträglich der Quark.

Jet Li lässt in einer Pyramide irgendwelche Kugeln kreisen, dann kommt Alex und macht nen Dicken, also verwandelt er sich wieder in den grottig animierten Nashornbären. Wobei man zumindest sagen muss, dass der Scorpion King in Teil 2 noch beschissener aussah, was schon eine Kunst ist, bei dem Augenkrebs hier. Lin und Evy erledigen mal eben so General Yeng im großen Zahnradraum der Zahnräder, zwischen die er dann gerät. Ich schätze, alle wissen, wie es weiter geht. Richtig. Jet Li stirbt. Und ich sage es, wie es ist: Sein Tot in Lethal Weapon 4 war um einiges cooler.

Was bleibt zu sagen, außer: Maria Bello ist nicht Rachel Weisz. Und dieser Film ist nicht ansatzweise so trashig charmant wie die Vorgänger. Ich gehe chinesisches Neujahr feiern …