Filmschrott

Schlechte Filme von Mainstream bis Trash. Die Lücke ist kleiner als man denkt.

Schlagwort-Archiv: Arschheiß in der Wüste

Monatsrückblick – April 2017

Im April haben wir natürlich vornehmlich unsere Kriegsfilmreihe weitergeführt. Aber es gab auch ein bisschen was anderes.

THE BRIDGE AT REMAGEN – DIE BRÜCKE VON REMAGEN

Gute Action, ein paar unfreiwillig komische Situationen und keine Schwarz/Weiß-Malerei. Die Amis hier sind nicht nur gut und die Deutschen nicht nur böse. Sicher kein Meisterwerk, aber ein guter Antikriegsfilm. Zur Abwechslung geht es mal um eine Brücke. Das hat man ja so selten im Kriegsfilm.

Diesen Film hatte ich vor ein paar Monaten schon mal geguckt, aber Krieg ist die Hölle, da muss man den dann halt auch noch mal gucken:

STALINGRAD

Krieg, so wie er ist. Dreckig und unschön und ohne Pathos. Einfach die Hölle.
Die erste halbe Stunde des Films ist leider etwas zäh. Gerade, weil die Darsteller teils im Overact-Modus sind und dadurch alles etwas lächerlich und billig wirkt. Wenn man diese Phase überstanden hat, spielt der Film aber seine Stärken aus und zeigt den Wahnsinn und die Ruchlosigkeit des Krieges. Gegen Ende führt man dann natürlich noch so ein paar Handlungsstränge zusammen, was dann doch wieder eher etwas gewollt wirkt, aber das muss man nun mal in Kauf nehmen.
Einer dieser Kriegsfilme, die wirklich zeigen, was für ein Irrsinn das alles ist und das es keine Helden gibt; nur Verlierer.

Dann ging es mal in etwas düstere Gefilde:

8MM

Es ist wirklich schade, dass Autor Andrew Kevin Walker nicht weiter auf den Psychothrillerpfaden gewandelt ist, auf denen er sich in den 90ern scheinbar so wohlgefühlt hat. Nach „Se7en“ lieferte er hier das nächste Drehbuch ab, bei dem es in die Untiefen der Geisteskrankheiten des menschlichen Daseins geht.
Anfangs ist das alles genau so bedrückend und zermürbend. Immer tiefer dringt man ein in eine Welt aus Perversionen. Leider verlässt der Film diese Seite dann vor dem letzten Drittel und verkommt zum recht stringenten Rachethriller. Ich schiebe das mal auf die vom Studio geforderten Änderungen, die Joel Schumacher dann am Drehbuch vornahm. Walker hat den Film angeblich bis heute nicht gesehen, weil er sich gegen die Änderungen weigerte. Recht hatte er scheinbar damit.
Immerhin sind die Darsteller durchgehend hervorragend. Das rettet das letzte Drittel aber leider auch nicht. Da war deutlich mehr drin.

Alle Jubeljahre kriege ich es ja in die Birne und hole mal einen Klassiker nach, bei dem mir schon im Vorfeld klar ist, dass er vermutlich größtenteils anstrengend aber trotzdem gut wird. An Ostern gab es deshalb (als Ersatz ür den eigentlich geplanten „Cleopatra“, den Netflix aber 2 Tage vorher aus dem Programm genommen hat; deshalb halte ich nebenbei nix von dem ganzen Streamingscheiß und kaufe mir lieber alles auf Scheibe):

LAWRENCE OF ARABIA – LAWRENCE VON ARABIEN

Knapp 4 Stunden sind im Normalfall einfach zu lang, um mich bei der Stange zu halten. Und auch bei diesem Film ging irgendwo in der Mitte mal zwischendurch meine Konzentration flöten. Und dann habe ich überlegt, warum es wohl so wenige Filme über Kamele gibt. Die wirken immer so tollpatschig und sind schon aus Prinzip irgendwie lustig. Aber vielleicht ist es nicht leicht, mit Kamelen zu drehen. Vielleicht kann man die nicht richtig trainieren. Obwohl die immer so aussehen, als ob denen eh alles kackegal ist.
Lawrence und seine Gang reiten also durch die Wüste und ich habe überlegt, dass die Wüste ja ein echt cooles Setting für einen Film ist. Jeder Shot sieht in der Wüste einfach aus Prinzip gut aus. Und die ständige Gefahr sorgt für die nötige Spannung. Aber so ein Ritt durch die Wüste ist eben auch anstrengend und lang. Und genau so ist dieser Film. Also quasi der perfekte Wüstenfilm.

Und noch einen Klassiker, den ich zwar vor gefühlten Ewigkeiten schon mal gesehen habe, aber keine Erinnerung mehr dran hatte, gab es auch noch:

PSYCHO

Anthony Perkins ist fantastisch. Janet Leigh zwar nicht so, aber duschen kann sie gut. Alfred Hitchcock war ohnehin ein Visionär, der diesen Titel auch verdient … nicht so wie heute, wo jeder Heinz, der ein Remake macht, schon als Visionär gilt, obwohl er absolut nichts geleistet hat. Bei Hitchcock war es halt so, dass der Mann Ideen hatte, aber seine Filme sich nicht darauf ausruhen. Der Film dreht sich nicht um ein Stilmittel, sondern das Stilmittel wird flüssig in den Film eingearbeitet. Klar, die Duschszene ist die berühmteste Szene des Films. Sowas gab es damals noch nicht. Aber sie funktioniert organisch innerhalb des Komplettpakets. Heute würde man alles andere um die Duschszene herum zusammenfuckeln. Hauptsache, man hat diese eine gute Szene. Dieser Film besteht nur aus guten Szenen und deshalb ist er ein Meisterwerk und Horrorfilme von heute eben scheiße. Aber Hauptsache alles ist irgendwie „visionär“.

Insgesamt gesehen: 11

Davon Schrott: 2

Rewatches: 4

Außerdem gab es noch „Das Boot“ allerdings in der Serien-Version, die meiner Meinung nach die einzig Wahre ist. Außerdem gehen „Fargo“, „Better Call Saul“ und „The Leftovers“ weiter. Mein Serienkonsum ist also angestiegen und dadurch gab es weniger Filme zu sehen. Aber insgesamt eine bunte Mischung im April. Passend zum Wetter.

Weitere Reviews von mir zu fast jedem Film den ich gucke, gibt es auf Letterboxd.

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Gemeinschaftsblogprojekt

Bei der Poe bin ich vor geraumer Zeit auf ein Gemeinschaftsblogprojekt gestoßen, dass von ihr und der Unkrautvernichtenden, oder Unkrautliebenden, oder Unkrautwasauchimmerden Herba erdacht wurde. Die Regeln sind simpel: Es gibt keine. Man soll einfach kreativ sein. Auf welche Art und Weise ist völlig schnuppe. Man kann basteln, tanzen, aufbauen, abreißen, malen, pinseln, löschen, wieder neu machen, codieren, falten, erstellen, entstellen, aufstellen, unterstellen, wiederherstellen, oder was auch immer euch gerade Spaß macht.

Ich habe mich logischerweise für das unspektakulärste entschieden und mal wieder eine Kurzgeschichte geschrieben. Was anderes von den oben genannten kann ich eh nicht.

Das Thema lautet nebenbei schlicht: Tiere. Wenn ihr auch noch was machen wollt bleibt noch Zeit bis zum 7. März.

 

Flapflapflapflapflap … die Rotorblätter des Helikopters zerschnitten die heiße Luft … flapflapflapflapflap … die heiße Luft stieg vom Sand hinauf, der sich über die Landschaft erstreckte, so weit das Auge reicht … flapflapflapflapflap … auf dem linken Auge sah der Hubschrauberpilot sehr gut … flapflapflapflapflap … auf dem Rechten auch … flapflapflapflapflap … mit seinen guten Augen erblickte der Pilot einen Geier über der Wüste kreisen … flapflapflapflapflap … der Helikopter flog direkt auf den Geier zu … flapflapflapflapflap … der Geier machte keine Anstalten, seine Flugbahn zu ändern … flapflapflapflapflap … der Pilot reagierte und ließ den Hubschrauber sinken … flapflapflapflapflap … der Helikopter tauchte unter dem Geier weg … flapflapflapflapflaaaaaahhhhhkrrrchz … Federn segelten durch die Luft … flupflupflupflupflup … der Pilot verlor die Kontrolle über das Fluggerät … flopflopflopflopflop … der Helikopter sank schnell Richtung Wüstensand … flop … flop …flop … der Aufprall schleuderte Sand in die Luft … flp … und erschlug eine neugierige Hyäne … fp … f … Stille.

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Frirp. Der Pilot öffnete seine guten Augen. Frirp. Frirp. Er sah Sand, Frirp.Watsch. Watsch. Watsch. Mit seinen ebenfalls hervorragend funktionierenden Ohren hörte er die Schritte von flachen Füßen. Frirp. Er öffnete seinen Gurt. Seine Hüfte schmerzte. Er drückte den Arm in die Seite. Frirp. Watsch. Hopp. Frchz. Er drehte sich um und blickte in den Rückraum des Helikopters. Der Käfig, in dem sich die lebendige Ladung befunden hatte, die er transportierte, war leer. Der Pilot erhob sich mühsam aus seinem Sitz und schlurfte unter Schmerzen in den Rückraum. Die Tür stand offen. Draußen im Sand sah er Fußspuren, die vom Helikopter wegführten. Er griff nach einer Wasserflasche und trank. Er kletterte aus der Tür in den Wüstensand, um den Spuren zu folgen.
Die Sonne brannte heiß vom Himmel herunter, als dächte sie, in der Wüste sei es noch nicht trocken genug. Die einzige Flüssigkeit in der Nähe waren die Wasserflaschen in der Hand und der Schweiß auf der Stirn des Piloten. Er hielt sich die verletzte Seite. Er kämpfte sich durch den weichen Sand, wie durch knöchelhohen Schnee. Schnee wäre ihm lieber gewesen. Bestimmt auch der Ladung, die er verfolgte. Der Pilot sah in die Ferne, wo die zwei Tiere als kleine schwarze Punkte hinter einer Düne verschwanden. Der Pilot leerte die zweite Wasserflasche in einem Zug. Der ursprüngliche Plan, mit der Flüssigkeit sparsam umzugehen, scheiterte früh. Er sah zurück. Der Helikopter war nicht in Sichtweite. Er hatte schon einige Meter im Sand zurückgelegt. Er beschloss, die Verfolgung fortzusetzen, in der Hoffnung, dass ihn die Tiere zu Wasser führten. Schließlich mussten auch Tiere trinken. Besonders Tiere, die die Hitze nicht gewohnt waren. Die Schmerzen in der Seite wurden schlimmer. Jeder Schritt fühlte sich an, als würde ihm ein Geier mit seinem Schnabel in die Rippen hacken. Der Pilot blickte in den Himmel, wo die Sonne brannte und kein Geier kreiste. Er stolperte weiter. Die Düne hinauf. Einige Minuten später sackte er auf dem Gipfel der Düne auf die Knie. Er sah Sand. Er sah Pinguine, die sich aneinander kuschelten. Er sah eine Oase. Rettung. Der Pilot mühte sich auf die Beine und torkelte zur Oase. Die Pinguine ignorierend ließ er sich in das kühle Wasser unter den Palmen fallen.

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Der Boden fühlte sich ungewöhnlich an. Nicht glatt. Nicht kalt. Nicht feucht. Die Pinguine sahen sich ratlos an und frirpten, während sie die Landschaft betrachteten. Das einzige Vertraute war die helle Scheibe am Himmel, die hier heller schien, als zu Hause. Aber immerhin etwas. Die Pinguine watschelten los. Das Laufen fiel schwer auf dem unbekannten Untergrund. Einer der Pinguine lief voran. Der Kleinere hinterher, bemüht nicht den Anschluss zu verlieren, während er sich neugierig umsah. In seinem jungen Leben hatte er nicht viel gesehen. Eigentlich nur Eis, Wasser und das Innere eines flappenden Ungetüms, in dessen Bauch er sich bis vor Kurzem befunden hatte.
Der größere Pinguin blieb stehen und frirpte, um dem jüngeren Pinguin zu verstehen zu geben, dass er nicht so trödeln soll. Hinter dem ungewöhnlich verfärbten Eisberg vor ihnen würde sicher Wasser sein. Der jüngere Pinguin holte ihn ein und kuschelte sich an ihn. Frirpend stieß ihn der große Pinguin weg. Wie jeder Pinguin kuschelte er gerne, aber dies war weder der richtige Zeitpunkt noch die richtige Temperatur. Weiterfrirpend gab er dem jüngeren Pinguin zu verstehen, dass sie kuscheln können, wenn sie ein paar Fische gefangen haben.
Hinter dem verfärbten Eisberg wartete das Pinguinparadies. Wasser, so weit das Auge reichte. Eisberge. Eisschollen. Eisrutschen. Alles, was das Pinguinherz begehrt. Die Pinguine sprangen auf eine Eisscholle und blickten in die Ferne, während sie über das Wasser trieben.

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Die Hyäne lachte. Die Hyäne lachte gerne. Die Hyäne lachte gerne und oft. Viel mehr hatte sie nicht zu tun. Bis auf Lachen und Nahrung suchen, gab es in der Wüste nicht viel Beschäftigung. Allerdings konnte die Nahrungssuche sich schon mal über den ganzen Tag erstrecken. Dann hatte die Hyäne nicht viel zu lachen. Der heutige Tag hatte Potenzial, lustig zu werden. Sie lugte hinter einem Baum hervor und sah zwei komische Vögel durch den Sand stolpern. Einige Meter hinter ihnen folgte ein zu groß geratener Primat, dem die Haare ausgefallen waren. Eine vielversprechende Situation, um die Nahrungsbeschaffung schnell hinter sich zu bringen und den Rest des Tages mit Lachen verbringen zu können. Die Hyäne folgte dem möglichen Mittagessen in sicherem Abstand. Sabbernd sah sie zu, wie der Primat sich eine Düne hochquälte. Es würde nicht mehr lange dauern, bis das Essen zubereitet war. Die Feuerkugel am Himmel leistete ihren Beitrag dazu, den Vorgang zu beschleunigen. Die Hyäne schlich die Düne hinauf. Auf der anderen Seite bot sich ein lustiges Bild. Die Hyäne lachte. Die Vögel standen aneinander geschmiegt im Sand, während der Primat reglos daneben lag. Die Hyäne sah sich um. Die andere Hyäne war nicht zu sehen. Heute musste sie sich nicht mit ihr um die Nahrung streiten. Die Hyäne sabberte. Die Hyäne war erfreut. Die Hyäne lachte.