Filmschrott

Schlechte Filme von Mainstream bis Trash. Die Lücke ist kleiner als man denkt.

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Schwesternsuche in verhextem Unterholz

Heute kommen wir zu einer der größeren Enttäuschungen, die ich selbst im Kino erlebt habe. Und glaubt mir, davon gab es in den letzten Jahren so einige. Manche stechen aber dann doch nochmal so negativ heraus, dass sie ihren Platz hier auf dem Filmschrottplatz redlich verdient haben. Es geht um eine Hexe, einen Wald, einen Haufen Vollidioten und … Zeitreisen?

BLAIR WITCH – USA – Kanada – 2016 – 89 Min.

Als Regisseur Adam Wingard im Vorfeld verkündete, dass man sich bei der Produktion stark am Original orientieren wolle, war ich erstmal interessiert, wenn auch skeptisch. Schließlich mag ich BLAIR WITCH PROJECT immer noch sehr gerne, aber heute macht man solche entschleunigten und atmosphärischen Horrorfilme kaum noch. Dazu kommt, dass ich Wingards Arbeit nicht wirklich viel abgewinnen kann. Sein viel gelobter YOU’RE NEXT war in meinen Augen absolut generisch und nichts besonderes. Außerdem hat er zu dem grauenhaften V/H/S einen ebenfalls grauenhaften Beitrag geleistet, was immerhin in den Film passte, weil da einfach alles grauenhaft war.
Dass Drehbuchautor Simon Barrett standardmäßig alles für Wingard zu schreiben scheint, machte die Sache auch nicht besser.
Hauptdarsteller James Allen McCune hat es geschafft, im Cast von THE WALKING DEAD unterzukommen, was eigentlich schon alles aussagt, handelt es sich doch um eine Serie, bei der der komplette Cast absolut überfordert ist, wenn er mal wirklich spielen muss, anstatt nur Zombies den Schädel einzuschlagen. Er passt da also perfekt rein. Callie Hernandez war in einer anderen Enttäuschung namens ALIEN: COVENANT dabei und somit ist auch zu ihr alles gesagt. Brandon Scott ist in erster Linie als Voiceactor unterwegs und hat schon dem ein oder anderen Videospielcharakter seine Stimme geliehen, was ihn scheinbar prädestiniert, in diesem Streifen mitzuspielen, in dem die Stimme das Letzte ist, was irgendeinen interessiert. Valorie Curry turnte immerhin mal in einem der TWILIGHT-Schinken rum. Ihr seht, perfekte Grundvoraussetzungen für ein absolutes Desaster oder eine positive Überraschung. Wir wissen, was von beidem es werden wird …

James wurde ein Video zugespielt, aus dem Hexenhaus. Auf dem Video glaubt er, seine verschollene Schwester zu sehen. Namentlich Heather aus Teil 1. Teil 2 wird also ignoriert, was eigentlich eine gute Sache sein sollte, aber ist es natürlich nicht. 18 Jahre nach Teil 1, nach unzähligen Suchen und Aufspürversuchen, meint James also, dass seine Schwester noch in dem Haus ist und beschließt, sich selbst auf die Suche zu machen.Seine Freunde Peter, Lisa und Ashley begleiten ihn, weil sie nichts besseres zu tun haben. Vorher machen sie aber noch Party und filmen den ganzen Scheiß, weil Leute in Found Footage Streifen das nun mal so machen.

Ausgestattet mit ihren Handykameras und einer Drohne, machen sie sich also auf den Weg. Als erstes machen sie einen Abstecher zu Lane und Talia, denn Lane hat das Video angeblich am Waldrand gefunden. Kommen wir also zu dem größten Problem des Films: Alles hier ist einfach nur saudoof. Lane hat also ein Video gefunden, nachdem 18 Jahre lang zehntausend Suchtrupps jeden Millimeter des Walds durchsucht haben. Und es lag einfach so da. Direkt am Wegesrand. Da, wo es sonst scheinbar niemand finden kann. Aber gut, ich will mich nicht jetzt schon zu sehr aufregen, denn es wird noch viel dümmer werden.

Sie latschen also durch den Wald und durch einen Bach und Ashley latscht in irgendwas rein und blutet am Fuß. Merkt euch das, denn das wird noch eklig. Peter verzweifelt komplett am Aufbau seines Zelts und geht Feuerholz holen, damit man sich in der Nacht Gruselstorys über die Hexe erzählen kann. Lane ist da natürlich absolut informiert und erklärt, dass die Hexe so schrecklich ist, dass man schon beim bloßen Anblick tot umfällt. Ich wünsche mir gerade, dass die Hexe einfach hier reingelatscht kommt, damit ich die Kacke nicht länger ertragen muss.

In der Nacht hören sie Geräusche. Jemand tapert wohl durch den Wald und dann schießt jemand. Vermutlich ist Jagdsaison. Lane ist weg und alle suchen ihn. Dann stürmt er aus dem Wald und hat wohl nur nach der Ursache der Geräusche gesucht.

Am nächsten Morgen hängen über den Zelten komische Zeichen (wir kennen ja das Blair Witch Symbol alle, denke ich) und deshalb haben sie alle die Schnauze gestrichen voll und wollen nach Hause. Aber wie sich herausstellt, haben Lane und Talia die Zeichen aufgehangen, weil sie beweisen wollten, dass in dem Wald komischer Scheiß abgeht. Ähm, saudumm? Ja. Logisch? Nein. Passt zum Film? Absolut. Lane und Talia verpissen sich also, bevor sie vor die Fresse kriegen und die anderen suchen ihr Auto.

Erinnert ihr euch noch, wie der eine Trottel im ersten Teil die Karte in den Fluss warf, weil die Karte komplette Kacke war? Nun, hier hat man keine Karte, sondern ein GPS-System. Das ist aber ebenfalls fürn Arsch, denn scheinbar liegt der Blair Witch Wald direkt auf der Lost-Insel und deshalb laufen die trotz GPS immer im Kreis. Deshalb kommen sie wieder da an, wo sie übernachtet haben. Ashley kann nicht mehr laufen, weil ihr Fuß weggammelt. Ich vermute mal, dass niemand Antibiotika dabei hat, also ist sie wohl nicht zu retten. Nicht, dass das eine Rolle spielen würde.

Weil jeder hier einfach nur saudoof ist, wird mal kurz die Drohne in einen Baum geflogen und hängt fest. Peter tapert nachts durch den Wald und sucht mal wieder Feuerholz. Ein weiteres Problem des Films: Die Atmosphäre ist völlig daneben. Überall dröhnt es und kracht es und geht irgendeine Scheiße ab, wodurch nicht die geringste Stimmung aufkommen will, die Teil 1 durch seine ruhige Herangehensweise noch vermittelte. Peter ist unter einem Buam eingeklemmt oder so. Bin mir nicht sicher, denn es ist stockfinster und das Kameragewackel macht es nicht leichter, irgendwas zu erkennen. Und dann holt ihn die Hexe. Glaube ich. Was weiß ich. Es ist alles Bullshit.

Lane und Talia kommen aus dem Wald gestolpert und sind komplett neben der Spur. Passt auf, denn das ist jetzt wichtig und saudoof: Scheinbar sind für Lane und Talia 5 Tage vergangen, während die anderen erst ein paar Stunden im Wald sind. Da sich der Wald ja auf der Lost-Insel befindet, macht das sogar irgendwie Sinn, denn da spielte die Zeit ja auch gerne mal verrückt. Man, wie sich das alles zusammenfügt ist schon wunderbar. Perfektes Writing. Da hat sich wirklich jemand Gedanken gemacht.

In der Nacht hängen wieder die Zeichen über den Zelten und dieses Mal waren es nicht Lane und Talia. Ashley und Talia ticken völlig aus und Ashley ersticht Talia mit einem Stock. Und dann fliegt ein Zelt hoch und es ist wieder überall Gedröhne und Geknalle und Geschrei und Wasweißichnichtnochalles und alle rennen in den Wald.

Ashley pult sich irgendwas ekliges aus dem Bein, das aussieht wie ein eiternder Tausendfüßler. Das hindert sie aber nicht daran, auf einen Baum zu klettern, um die Drohne zu holen. Weil das natürlich, passend zu allem hier, eine saudoofe Entscheidung war, schmiert sie ab und wird von der Hexe geholt. Denke ich. Wer weiß schon, was in diesem Quark wirklich vor sich geht.

James und Lisa latschen durch den Wald und dann kommt der Regen. Mitten in dem Pisswetter finden sie das alte Hexenhaus. James meint natürlich, dass seine Schwester da drin rumschreit, also latscht er rein, weil es eine saudumme Idee ist. Lisa kommt nach, als draußen die Hexe auftaucht. Ja, man sieht die Hexe. Und sie sieht aus wie ein verkrüppeltes Alien, das zuviel Zeit auf der Sonne verbracht hat. Lane taucht wieder auf und ist völlig durchgeknallt und wirft Lisa in die Kellerluke. Lisa kriecht durch ein Loch voller Matsch zurück ins Haus und sticht Lane ab.

Gedröhne, Geknacke, Geknalle und Gedöns. Hauptsache laut und jede Stimmung killend. Und um dem ganzen die Krone aufzusetzen, landet ein UFO im Garten. Oder was auch immer. Jedenfalls strahlt plötzlich helles Licht ins Haus. Könnte natürlich auch das Licht von der Lost-Insel sein. Wer nebenbei genau aufpasst, stellt fest, dass die Aufnahmen von Lisas Kamera die sind, die Lane James zugeschickt hat. Zeit und so. Alles völlig banane hier.

James hat den Plan. Sich in die Ecke stellen und auf keinen Fall die Hexe anschauen. Was macht er also? Er dreht sich um. Es ist alles so unglaublich dumm, dass es nicht mehr zu ertragen ist. Lisa ist als letzte übrig und hat ebenfalls einen Plan. Rückwärts aus dem Haus latschen und dabei die Kamera nach hinten richten, um darin zu sehen, was hinter ihr abgeht. Gar nicht mal so doof. Bis sie sich natürlich ebenfalls umdreht. Absolut doof.

Alle tot. Ich habs irgendwie überlebt. Aber ich habe das ungute Gefühl, ein ganzes Stück dümmer geworden zu sein. Ich drehe mich nicht um …

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Mal aktuell: Blair Witch

Vor einigen Monaten gab es die große Ankündigung, dass es ein Blair Witch Project Sequel geben würde. Und zwar eins, dass direkt an den Originalfilm anschließt und nicht eins, dass totaler Bullshit ist und den ersten Teil komplett zerstört (zumindest war das wohl der Plan). Als Fan des ersten Teils musste ich den neuen Streifen natürlich sehen. Da ich weiß, wie Horrorfilme heute sind, habe ich wenig erwartet. Was ich gekriegt habe, lest ihr hier:

BLAIR WITCH – USA – 2016 – 89 Min.

Die Story hier ist simpel. James ist der Bruder von Heather aus Teil 1 und jetzt, 20 Jahre nachdem sie verschwunden ist, taucht ein Videoschnipsel im Internet auf, der darauf hinweist, dass Heather noch leben könnte und er will seine Schwester suchen gehen. Und da fängt das Problem eigentlich auch schon an. James war 4 Jahre alt, als seine Schwester verschwand, was bedeutet, dass er nicht wirklich einen Draht zu ihr gehabt haben kann. Er kommt auch nicht gerade besessen von der Idee sie zu finden rüber. Alles wirkt eher wie ein Wochenendausflug. Dazu kommt dann der Fundort des Videoschnipsels, der so ungefähr 2 Meter im Wald lag, aber jetzt 20 Jahre später wird das zufällig von nem irren Kiffer gefunden? Äh, ich denke nicht, dass ich euch den Quatsch abkaufen kann. Also alles nur Mittel zum Zweck.

Macht aber nix, denn der Film ist auch ansonsten in keinster Weise intelligent oder interessant und hat quasi keine eigenen Ideen. Im Prinzip hat man hier einfach ein neumodisches Remake des ersten Teils fabriziert. Mit anderen Worten, dieser Film macht alles falsch, was das Original richtig gemacht hat. Er baut keine Atmosphäre auf, er ist laut, er reiht lahme Jumpscares aneinander und am Ende landet ein UFO im Wald … oder so, bin mir nicht sicher was das grelle Licht im Haus sonst gewesen sein soll. Die neue Technik nutzt man nebenbei nur so semi. Da hat man zum Beispiel eine Drohne dabei und ihr einziger Zweck für den Film ist es, im Baum hängen zu bleiben, damit da später eine Tucke hochklettern kann, um dann halt vom Baum zu fallen. Solchen Schwachsinn gibt es hier häufiger.

Überhaupt haben wir hier die mit weitem Abstand dümmsten Horrorfilmcharaktere aller Zeiten – und wir wissen alle, dass das was heißen will. Gerade am Ende verhalten sich die beiden letzten Überlebenden so unfassbar dämlich, dass man schon Kopfschmerzen kriegt, wenn man nur daran denkt.

Auf die Zeitschleifenstory, die man überhaupt nicht versucht zu erklären, weil es eh scheißegal ist, und die Tatsache, dass man uns hier die Hexe zeigt und sie unfassbar scheiße aussieht, gehe ich besser nicht noch extra ein.

Das hier dürfte wohl die Horrorenttäuschung des Jahres sein. Simple Stangenware, die einfach nur langweilt und andere Streifen kopiert, wo es gerade geht. Bleh. Witch.