Filmschrott

Schlechte Filme von Mainstream bis Trash. Die Lücke ist kleiner als man denkt.

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Mal spontan: Meine Meinung zu #OscarsSoWhite

Statt weißer Weihnachten dachte sich die Academy Of Motion Picture Arts And Siences also, dass sie uns diesen Winter zumindest weiße Oscars bescheren. Ich wollte eigentlich gar nicht viel dazu sagen, aber da das Thema doch ziemlich breit getreten wird, gebe ich mal kurz nen Kommentar dazu ab.

Vorweg will ich nur mal schnell erwähnen, dass ich absolut kein Fan der Academy bin und ich mit deren Entscheidungen nie hundertprozentig zufrieden war.

Aber in diesem Fall muss ich ja mal eindeutig sagen: Leute, ihr pisst hier dem falschen ans Bein.

Denn auch wenn es natürlich nicht schön ist, dass die Oscars dieses Jahr einem Jubiläumstreffen des Ku Klux Klan ähneln werden, das zufällig einen schwarzen Gastgeber hat, so kann die Academy nun mal auch nur Leute nominieren, die innerhalb des letzten Jahres auf der Leinwand überzeugt haben – oder von denen sie glauben, dass sie überzeugt haben, denn wir wissen alle, dass die Nominierungen und Gewinner zum Teil völliger Käse sind. Jetzt ist es halt scheinbar so, dass innerhalb des letzten Jahres kein schwarzer Darsteller so richtig großartig vor der Kamera war. Hinter der Kamera sowieso nicht, denn da stehen generell nur weiße Männer, aber dazu gleich mehr. Ich habe jetzt einige Diskussionen über die „weißen Oscars“ verfolgt, aber nirgendwo habe ich einen Vorschlag gelesen, welchen Schwarzen man denn hätte nominieren sollen. Was soll die Academy also machen? Einfach willkürlich einen aus dem Hut ziehen, wegen Gleichberechtigung? Und wo man schon dabei ist auch unbedingt eine Regisseurin nominieren, weil sonst „#OscarsSoSausage“ droht?

Nein, das Problem beginnt an ganz anderer Stelle. Nämlich da, wo Filme entstehen und kein Platz für Schwarze in großen Rollen gefunden wird, wenn sie nicht einen (ehemaligen) Sklaven spielen. Leider sind die schwarzen Darsteller quasi immer noch reduziert auf die Rolle des lustigen Sidekicks – und momentan lustige Superhelden – es sei denn, sie heißen Will Smith oder Denzel Washington. Und auch hinter der Kamera sieht es „düster“ (no pun intended) aus, wenn man nach Nicht-Weißen sucht.

Was soll man also machen? Wenn man Spike „Rassismus ist immer und überall“ Lee fragt, boykottiert man am besten die Oscars. Eine Veranstaltung, bei der sich alles darum dreht, von welchem Proletenschneider die Fummel sind, die die Darstellerinnen tragen. Wenn man mich fragt, denkt  man aber vielleicht besser darüber nach, warum die meisten Filme mit weißen Darstellern besetzt sind, obwohl es auch genau so gut ein schwarzer Cast getan hätte. Klar, ein Biopic über Steve Jobs mit einem schwarzen Apple-Gründer wäre etwas eigenartig. Aber warten wir nicht schon seit Jahren auf den ersten schwarzen James Bond? Ein Doctor Who kann schwarz sein. Genau so wie die Hauptfiguren in irgendwelchen Dramen, Thrillern, Science-Fiction-Streifen, Fantasyepen und Wasweißichnichtnochalles. Und hinter der Kamera sollte es ja nun wirklich kein Problem sein. Warum sollte ein Schwarzer nicht genau so gut, oder besser, mit einer Kamera umgehen können, als ein Weißer? Oder einen Film schneiden? Oder halt als Regisseur einen Film … äh, regieren?

Ja, ich weiß, wir leben in einer Zeit der Pseudo-Weltverbesserer, in der direkt aus jedem kleinen Scheiß ein Rassismus/Sexismus/Feminismus/Wasweißichmus-Diskussion entstehen muss. Aber wenn das schon so sein muss, dann sollte man doch wenigstens den richtigen Feind angreifen.

Ja, es wird einfach Zeit für ein Umdenken. Das hat aber nichts mit den Oscars zu tun, sondern der Filmbranche generell. Es ist sicher nicht verkehrt, darauf aufmerksam zu machen, dass dieses Problem existiert. Aber es wird der falsche angegriffen. Mit etwas Glück sind die Oscars allerdings auch nur das nötige Bauernopfer, um die Industrie wach zu rütteln. Aber ich sehe da „schwarz“.

 

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