Filmschrott

Schlechte Filme von Mainstream bis Trash. Die Lücke ist kleiner als man denkt.

Militärische Verwechslungsbeziehungen an notgeilen Internaten

Heute wird es endlich mal wieder erotisch hier auf dem Filmschrottplatz. Und das kann natürlich nur bedeuten, dass wir uns in den 70er Jahren befinden. Als erotische Filme noch so richtig knisterten. Als der Sex noch so richtig prickelnd war. Natürlich habe ich mir aber einen Film ausgesucht, bei dem all das nicht der Fall ist. Dafür hat er einen vielversprechenden Titel:

WENN MÄDCHEN ZUM MANÖVER BLASEN – Österreich – Deutschland – 1975 – 82 Min.

Der Film wurde auch unter dem Alternativtitel MÄDCHEN STILLGESTANDEN vermarktet, aber der ist natürlich lange nicht so gut, also hat man sich erstmal für die bessere Wahl entschieden. Regie führte Franz Antel unter dem Namen Francois Legrand, der über 80 Filme inszenierte. Neben billigen Sexcomedys kamen dabei auch einige historische Dramen herum. Eine perfekte Mischung also.
Autor Erich Tomek hat unter verschiedenen Pseudonymen geschrieben. Als Florian Burg verfasste er neben dem heute besprochenen Meisterwerk der filmischen Unterhaltung unter anderem SUNSHINE REGGAE AUF IBIZA, der mit Karl Dall in der Hauptrolle verfilmt wurde. Außerdem hat er auch die Fortsetzungen zu den DIE TOLLEN TANTEN Filmen mit Rudi Carrell und Ilja Richter geschrieben. Und auch am Drehbuch zum bereits hier auf dem Filmschrottplatz besprochenen GRAF DRACULA IN OBERBAYERN hat er mitgearbeitet.
Die Darstellerinnen Nina Frederik und Alena Penz erkennt man vielleicht an den Brüsten, denn ansonsten gibt es nicht viel erwähnenswertes zu ihnen zu sagen. Darsteller Alexander Grill und Rinaldo Talamonti erkennt man vermutlich nicht mal am Penis, aber sie haben immerhin in Knallern wie den SCHULMÄDCHEN REPORTs oder den GRAF PORNO Filmen mitgewirkt. Man sieht also, ein perfekter Cast für einen Film wie diesen.

Natürlich hat der Film auch einen eigenen Song. „Wenn Mädchen zum Manöver blasen, sind wir alle da!“ Natürlich sind wir das. Wer will sich den Spaß schließlich entgehen lassen? Der Postbote jedenfalls nicht, denn der ist direkt zur Stelle und klopft an eine Tür, weil er nicht weiß, wo er den Brief rein werfen soll. Die nackte Brünette, die die Tür öffnet, erklärt ihm, dass er den Brief nicht rein werfen, sondern „rein stecken“ soll und damit ist zu diesem Film auch eigentlich schon alles gesagt.

Feldwebel Novak lässt seine Truppe stramm stehen, aber Schütze Nagel ist nicht da, also macht er sich auf die Suche. Er findet ihn im Bett mit seiner Frau Julia und zur Strafe muss er „trockenbumsen“, was bedeutet, dass er Liegestützen auf einem Flokati machen muss. Als Julia erwähnt, dass Hauptmann von Pissewitz (ja, der heißt wirklich so) zu Besuch kommen wird, schickt der Feldwebel Schütze Nagel zurück zur Kaserne. Auf dessen Flucht vor dem Klischeehomosexuellen Nachbarn, der ihn inklusive Freudensprung vor lauter Geilheit verfolgt, rennt er fast Postbote Mario um, der mit „Reinstecken“ bei der Brünetten fertig zu sein scheint. Mario sammelt die Klamotten von Schütze Nagel ein, die Julia aus dem Fenster geworfen hat, aber Nagel haut ab und Mario klopft bei Julia an. Die sagt ihm durch die Tür, dass er sich schon mal ausziehen soll. Poliert die wirklich jedem in dem Kaff die Flinte? Um Julias Hunger zu stillen, hat er immerhin eine Salami dabei. Mann, die lassen wirklich gar nichts aus hier. Und das alles in den ersten 10 Minuten. Die Messlatte für den Rest des Films liegt hoch.

Mario hat versehentlich Nagels Uniform angezogen und wird von Hauptmann von Pissewitz für einen Soldaten gehalten. Feldwebel Novak hingegen kommt in der Postbotenuniform angelatscht und die Witzigkeit kennt keine Grenzen. Mario soll verhaftet werden und es kommt zur aufregenden Flucht durch die Vorgärten der Nachbarschaft, bei der natürlich auch grandiose Comedy mit einem Gartenschlauch nicht fehlen darf. Wundert mich, dass man nicht noch einen Wortwitz mit dem Schlauch eingebaut hat.

Der Oberst lässt den Oberstabsarzt ranholen, weil seine Frau einen Schnupfen hat. Die will nebenbei, dass Kathi vorbei kommt und ich kann der Handlung einfach nicht folgen. Währenddessen lässt sich Irene von zwei Matrosinen nackt malen. Das führt zum großen Tittenvergleich, weil jede meint, dass die anderen die kleineren Tüten hat. Zufällig fällt Leopold über die drei Bekloppten und grabscht ihnen an die Melonen, was ihn dazu bringt, geschockt wegzulaufen. Nebenbei sind sie alle auf der Suche nach was zum Poppen, damit sie auch etwas zum Plot beitragen können.

Da man keinen Postboten einsperren kann, wird Mario kurzerhand vom Oberstabsarzt als tauglich deklariert. Feldwebel Novak nutzt das direkt, um Mario mal so richtig durch die Ausbildung zu prügeln. Ach, Kathi ist eine der Matrosinen. Und natürlich bringt sie ihre beiden Busenfreundinnen mit. Auf der Kutschfahrt wird natürlich wild mit den Soldaten rumgemacht und wenn man schon dabei ist, kann man auch mal schnell ein Picknick veranstalten, bei dem auch Mario auftaucht, um ein bisschen mitzurammeln. Dabei erwischt Kathi leider den langweiligen Typen und kommt nicht dazu, mal schnell die Beine breit zu machen, wie ihre beiden Begleiterinnen.

Leopold stellt in Frage, ob es so schlau war, dass seine Frau die drei Mädels weggeschickt hat, weil … ficken.

Aus irgendeinem Grund schleichen die drei Freundinnen nackt nachts durch Onkel Bodos Schlafzimmer, weil sie mal einen drauf machen wollen. Warum zum Geier sind ihre Kleider im Schrank von Onkel Bodo? Was für eine perverse Scheiße wird hier impliziert? Sind die überhaupt schon volljährig? Jedenfalls bedeutet „einen draufmachen“ natürlich vögeln im dunklen Wald.

Leopold wird von seiner Frau hinter den Mädels hergeschickt, weil die schon eine Woche weg sind. Eine Woche? Das waren im Film keine 15 Minuten. Was für einen Zeitraum deckt der Streifen bitte ab? 42 Jahre?

Nachdem Feldwebel Novak der Bart abrasiert wurde, verwechselt seine Frau direkt Leopold mit ihm und bläst mit dem zum Manöver. Kathi und die Weibergang füllen derweil den Wachmann ab, damit sie die Soldaten wieder in ihre Betten schmuggeln können. Es sollte klar sein, dass es im Bett von Frau Oberst zur großen Penisverwechslung mit der Salami von Mario kommt, weil das einfach immer ein Knallergag ist.

Abreise der drei Knallerfrauen. Trainingsmanöver der Soldaten. Leopold ist von seiner Trulla genervt. Was ein Glück für ihn, dass er mal wieder mit Feldwebel Novak verwechselt wird und Oberst von Pissewitz ihn beim Training entführen lässt. Die Soldaten vergnügen sich derweil mit den Mädels im Internat, das aus irgendeinem Grund beim Trainingsmanöver eingenommen werden soll. Was zum Kuckuck ist das für eine Armee, die einfach mal so beim Training ein Mädcheninternat überfällt?

Feldwebel Novak bespringt dann mal schnell noch Leopolds Frau. Warum weiß er eigentlich nicht, mit wem er es zu tun hat? Die sieht ja nun nicht aus wie seine Frau. Leopold selbst landet natürlich bei Novaks Frau und ich werde das Gefühl nicht los, dass hier in Zukunft eine astreine Swningerbeziehung ansteht.

Pissewitz und seine Truppe besaufen sich schon mal auf den bevorstehenden Sieg. Im Internat laufen haufenweise nackte Mädels durch die Gegend. Es folgt ein absoluter Knallergag mit einem Soldaten, der dem Feldwebel mit Fistelstimme erzählt, dass das Mädchen, dass er zum Manöver blasen ließ, Kannibalin ist.

Die ganze Verwechslungsnummer wird natürlich noch schnell aufgelöst und irgendwie haben hier dann alle was zum Blasen gefunden. Ich ziehe ins Manöver und verabschiede mich in die Sommerpause…

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20 Antworten zu “Militärische Verwechslungsbeziehungen an notgeilen Internaten

  1. Wortman Juni 27, 2018 um 7:31 am

    Du guckst ja komische Filme… 😆

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  2. Martin Däniken Juni 27, 2018 um 10:55 am

    Ist ja ein sauberer Anti-Kriegsfilm!
    Make Love not War…haha

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  3. mwj Juni 27, 2018 um 12:27 pm

    Ist der Film auch so kurzweilig wie dein Review, Schrotty?

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    • Filmschrott Juni 27, 2018 um 8:15 pm

      Es gibt zumindest schlimmeres. Aber selbst in dem Genre sicher auch besseres. Ich hatte aber keine Langeweile beim Schauen.

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      • mwj Juni 27, 2018 um 8:40 pm

        Ich bewundere auf jeden Fall wie du die komplexe Aneinanderreihung von Handlungssträngen in einer kohärenten Inhaltsangabe erfasst hast. 😉

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      • Filmschrott Juni 27, 2018 um 8:56 pm

        Glaub mir, es fiel mir nicht leicht. Nicht nur wegen der ablenkenden Fleischbeschau, sondern auch, weil sowieso alles nur Mittel zum Zweck ist. So wie heute jede Szene in einem Blockbuster nur dazu dient, die nächste Action einzuleiten, ist hier jede Szene nur dazu da, den Mädels einen Grund zu geben, ihre Shirts auszuziehen. Film kann so einfach sein.

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  4. steffelowski Juni 27, 2018 um 7:09 pm

    Sehr schöner Artikel. Ich habe viel gelacht. Schon erstaunlich, dass diese Machwerke in den 70ern ja quasi am Fließband produziert wurden und beim Publikum super ankamen. Noch mehr überrascht es, das sowohl vor als auch hinter der Kamera durchaus so mansche Größe des deutschen Films hier mal (oder auch mehrfach) vorbeischaute…. Aber sie waren halt (meist) jung und brauchten das Geld….

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    • Filmschrott Juni 27, 2018 um 8:18 pm

      Ja, irgendwelche Trends gibt es ja immer. In Hollywood verheizt sich die junge Garde halt gerade in den immer gleichen Superheldenstreifen. Ob das jetzt viel besser ist, weiß ich auch nicht.

      Diese Filme passten aber natürlich auch einfach gut in die 70er im Sinne von „Freie Liebe“ und Aufklärung usw. Es gab ja sogar sogenannte Aufklärungsfilme, in denen es eigentlich auch nur ums Poppen ging.

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      • steffelowski Juni 27, 2018 um 8:31 pm

        Klar, die Filme kann man heutzutage nicht mehr mit gutem gewissen Gewissen gucken. Die meist unfreiwillige Komik und das Fremdschämen stehen da dann ganz eindeutig im Vordergrund. Von prickelnder Erotik keine Spur und die Schauspielkunst der meisten Akteure ist nicht die Rede wert. Aber das macht dann natürlich auch den besonderen Charme des Ganzen aus. Ich würde kein Geld dafür ausgeben, aber wenn sowas mal auf Tele5 läuft, bleib ich schon mal dran hängen und warte bis Herbert Fux oder Franz Muxeneder auftauchen …..

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      • Filmschrott Juni 27, 2018 um 8:52 pm

        Ja, das ist der Punkt. Man muss das natürlich immer im Zeichen der jeweiligen Zeit betrachten. Aber das gilt ja auch für vieles andere. Gerade dadurch machen solche Filme aber ja dann auch hin und wieder durchaus Spaß, weil man das heute so einfach nicht mehr bringen würde. Zu Recht.

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  5. steffelowski Juni 27, 2018 um 7:48 pm

    Ein schöner Artikel. Ich habe wir laut beim Lesen gelacht. Schon sehr erstaunlich, dass diese Filme in deren 70ern quasi am Fließband produziert wurden und ein ziemlich großes Publikum an sprachen. Noch mehr überrascht es, dass sowohl vor als auch hinter der Kamera so manche Größe des Deutschen Films mitmischte. Aber sie waren halt (meist) jung und brauchten das Geld. Das alte Spiel eben…

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  6. donpozuelo Juni 28, 2018 um 9:55 am

    😀 😀 😀

    Unfassbar schöner Artikel zu einem Film, der mich schon allein durch seinen Titel sehr zum Lachen gebracht hat 😀 😀 😀

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