Filmschrott

Schlechte Filme von Mainstream bis Trash. Die Lücke ist kleiner als man denkt.

Mal aktuell: Get Out

Ich war mal wieder im Kino. Denn es ist tatsächlich ein Wunder geschehen und hier lief – auch außerhalb des von mir gemiedenen Multiplexpisspalastes – der neueste megagehypte Horrorshit. Mal schauen, ob der was taugt.

GET OUT – USA – 2017 – 104 Min.

Die kurze Antwort ist: Er taugt so halb was. Und so halb eben auch nicht.

Interessanterweise kann man das ganze chronologisch betrachten und dabei den Zerfall sehr gut festhalten. Das ich hier spoiler sollte klar sein.

Der Film beginnt damit, dass der schwarze Chris zusammen mit seiner Freundin Rose zu deren Eltern aufs Land fährt, damit sie sich mal kennen lernen. So weit, so simpel. Schnell kommt dabei der unterschwellige Rassismus ins Spiel, den diese Begegnung mit sich bringt. Dabei sind die Eltern alles andere als Rassisten, sie versuchen eben nur zu sehr, es nicht zu sein.

Dieser Rassismus zieht sich durch die ganze erste Hälfte des Films und wird immer stranger. Mit dem Höhepunkt auf der großen Party voller weißer reicher Typen und dem Satz „Schwarz ist das neue Weiß“.

Richtig eigenartig wird es, wenn Chris sich mit den schwarzen Arbeitern auf dem Grundstück unterhält. Der Film zieht ein richtig schönes „Was zur verfickten Hölle ist eigentlich los mit den ganzen Typen in dem Streifen“-Gefühl durch die erste Hälfte.

Und dann kommt Hälfte zwei und er verkommt zum vorhersehbarsten Horrorfilm den ich in den letzten Jahren gesehen habe. Nun ist es natürlich nicht unbedingt so, dass das Horrorrad täglich neu erfunden wird, aber etwas so stringent nach Schema F ohne jegliche Überraschung durchzuziehen ist einfach schwach und leider eben auch langweilig.

Recht früh im Film wird erwähnt, dass die Mutter von Rose ihrem Vater mit Hypnose das Rauchen abgewöhnt hat. Erstmal nichts spektakuläres. Kurz darauf zwingt sie aber Chris diese Hypnose auf und ab da ist mehr oder weniger klar, wo hier der Hase lang läuft. Als dann in einer Szene Chris einen der Schwarzen mit seinem Handyblitzlicht aus der Hypnose weckt, ist die Gehirnwäschegeschichte natürlich perfekt. Es folgt der Ablauf, den man sich denken kann, wenn man mal einen Horrorfilm gesehen hat. Und das eben leider bis zur letzten Szene. Keine Überraschungen, nichts besonderes, Stangenware.

Eine atmosphärische erste Hälfte wird also leider von einer extrem vorhersehbaren zweiten Hälfte zerstört. Die guten Darsteller, allen voran der wirklich starke Daniel Kaluuya, können das dann einfach nicht mehr auffangen. Mal wieder eine der sehr sehr vielen verpassten Chancen, mal etwas richtig frischen Wind ins Genre zu bringen.

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8 Antworten zu “Mal aktuell: Get Out

  1. Felix Jung Mai 4, 2017 um 11:11 pm

    Ich kann deine Kritikpunkte absolut nachvollziehen, muss aber sagen, dass der Film für mich in seinem Laufe so viel Hass auf gewisse Personen erzeugt hat, dass ich am Ende nicht anderes mehr sehen wollte als eine möglichst brutale Auflösung nach Horror Manier. Wenn ein Film es schafft solche Abneigungen zu entfachen, dann finde ich das durchaus beeindruckend.

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    • Filmschrott Mai 4, 2017 um 11:49 pm

      Das brutale Ende ist auch absolut kein Problem. Mein Problem fängt viel früher an. Eben ab der erwähnten Hypnoseszene hat sich in meinem Kopf jede Szene abgespielt, bevor sie überhaupt passiert ist. Alles lief eben genau so ab, wie es zu erwarten war. Da fehlte mir denn einfach die Überraschung.
      Richtig Hass hatte ich leider auch nicht. Man hätte diese ganze Sache viel weiter ausbauen sollen mit den ganzen Bekloppten da, die Schwarze beim Bingo kaufen. Mehr Einblick geben in den ganzen Ablauf und den Antrieb dahinter. So war mir das nach dem wirklich starken Anfang einfach zu wenig von allem. Dadurch ist der Film dann minütlich in meiner Gunst gesunken, was einfach extrem schade ist, da hier sehr viel Potenzial einfach komplett liegen gelassen wurde.

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  2. Wortman Mai 5, 2017 um 8:42 am

    Wenn ich mal die Alien – Filme auslasse, dann war ich bestimmt 30 Jahre nicht mehr für einen Horrorfilm im Kino…

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  3. Pingback: Kritik: Get Out – filmexe

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