Filmschrott

Schlechte Filme von Mainstream bis Trash. Die Lücke ist kleiner als man denkt.

Schalenobst zerstörende Gesangsattacken in diktatorischer Festtagsstimmung

Zu keiner Jahreszeit fällt es mir so schwer, einen Schrottfilm zu finden, der seinen Platz auf dem Filmschrottplatz verdient hat, wie zu Weihnachten. Das liegt nicht etwa daran, dass die Auswahl so gering wäre, oder ich einen besonderen Draht zu diesem Schwachsinnsfest habe. Nein, es gibt einfach viel zu viele Scheißweihnachtsfilme da draußen. Und dazu kommt dann noch, dass ich natürlich auch etwas Abwechslung bringen will. Nicht jedes Jahr nur schlechte Weihnachtshorrorfilme wie den grandiosen Santas Slay. Aber eben auch nicht immer schlechte Weihnachtskomödien wie Shöne Bescherung 2. Deshalb gibt es in diesem Jahr statt eines Films 1 Ballett in 2 Akten in 3D. Oder so …

THE NUTCRACKER IN 3D – UK – Ungarn – 2010 – 110 Min.

Wisst ihr noch wie die Filmmacher 3D als ultimatives Heilmittel betrachteten und einfach in jeden Scheißfilmtitel ein „3D“ klatschten, um davon abzulenken, dass ihre Filme totale Scheiße sind? Hat nie funktioniert. Bei dem Nussknacker schon gar nicht.

Denn hier beginnen wir direkt mit einer 3D-Kamerafahrt um den am schlechtesten animierten Weihnachtsbaum, den die Welt je gesehen hat. Hätte man einen Plastikweihnachtsbaum fotografiert, das dann animiert und das Ergebnis in einem 3D-Drucker ausgedruckt, um es dann erneut nachzuanimieren, hätte das nicht so beschissen ausgesehen wie dieser Baum.

Der Film hat aber selbstverständlich mehr zu bieten als grottige Animationen. Zum Beispiel Humor. Wie die Szene auf dem Schlittschuhsee, auf dem sich gerade irgendein Typ auf die Fresse legt. Brüller.

Aber wartet. Das ist ja noch längst nicht alles. Denn was wäre ein Ballet ohne Musik? Oder Operngesang von der Mutter von zwei Blagen, die mir absolut egal sind. Also haben wir schlechtes CGI, schlechten Humor und schlechten Gesang … kann ja nix mehr schief gehen.

Onkel Albert muss auf die Blagen aufpassen und schenkt ihnen ein Puppenhaus voller Puppen. Magischer Puppen. Und den Nussknacker, den er kurz nur „NC“ nennt. Max zerstört das Teil direkt mal und Mary ist untröstlich. Bis der nette Onkel ihn 2 Sekunden später repariert hat. Onkel Albert performt dann noch ein Lied über die Relativität, um den Blagen den Sinn von Freundschaft beizubringen, oder sowas. Ich bin ja nebenbei kein Experte, aber ich bezweifle, dass das Original-Ballet wirlich nur diese eine Melodie hatte, die die mittlerweile bereits zum fünften Mal dudeln. Und der Film läuft erst 15 Minuten.

Nachts fängt der Nussknacker dann an mit Mary zu labern und er hat die mit Abstand schlimmste Stimme, die ich jemals bei einem Nussknacker, einer Nuss, einem Knacker, oder bei überhaupt irgendwas vernommen habe. Und er labert ununterbrochen. Und er ist plötzlich einen Meter groß. Und nervt dadurch auch nicht weniger. Jedenfalls will er zum Puppenhaus, also schleichen er und Mary durchs Haus und haben Angst vor Ratten – ich denke, das wird noch wichtig.

Das Puppenhaus ist mittlerweile ebenfalls auf eine beachtliche Größe angewachsen und im Haus sind alle nur am singen und am trommeln und am rumnerven. Ich sehe es als Gewinn für meine Augen an, dass die Puppen nicht auch alle so grauenhaft animiert sind wie der Nussknacker, sondern man hier Leute in Kostüme gesteckt hat. Das wird aber wohl der wirklich einzige Pluspunkt dieser Grütze bleiben.

Aus irgendeinem Grund, den nun wirklich niemand raffen kann, weil er nicht mal im Ansatz erklärt oder auch nur angedeutet wurde, entscheidet NC, dass man gegen den Rattenkönig in den Krieg ziehen muss.

Nach ner halben Stunde dachten sich die Macher des Films wohl, dass es höchste Zeit wird, den schlecht animierten Weihnachtsbaum noch mal auszugraben. Nebenbei macht der Nussknacker Mary Komplimente, dass sie ja so wunderschön ist usw. Äh, ich bin mir nicht sicher, wo Pädophilie beginnt, aber das hier dürfte definitiv hart an der Grenze sein.

Auf dem Baum treffen sie die Schneefee und Mary kann dann fliegen und alles ist einfach nur völlig uninteressant. Nach einer halben Stunde ist der einzige Fitzel Story, den man mir gegeben hat, dass NC gegen den Rattenkönig kämpfen will. Wieso, weshalb, warum, bleibt offen. Aber das macht nix, denn die Schneefee singt ein Lied. Ich weiß nicht genau, worum es geht, aber das Wort „Gurke“ kam vor, glaube ich. Es handelt also wohl von einem Salat. Weil NC immer brav seinen Salat gegessen hat, verwandelt er sich in einen echten Jungen. Er ist also Pinnochios Bruder.

Prinz Nussknacker, Mary und die Schneefee tanzen dann noch ne Stunde rum, was von irgendwelchen Rattentypen beobachtet wird, die dann mit Jetpacks Marke Eigenbau davon fliegen. NC zeigt Mary sein Königreich. Oder besser gesagt, das dunkle Gedöns, das mal sein Königreich war.

Vor dem Buckingham Palace, oder einem Gebäude, das dem sehr ähnelt, wächst ein riesiger Penis aus dem Boden … nein, wartet, mein Fehler. Es ist kein Penis. Es ist mehr ein schwarzer Dildo, der sich in einen Wolkenkratzer verwandelt und aus dem dann eine riesige Armee an Soldaten marschiert kommt, die aus irgendeinem Grund, von einem verwirrten Trottel mit einem Blumenstrauß verprügelt wird. Fragt mich nicht, ich weiß es auch nicht.

Auftritt Rattenkönig!!! Der knackt eine Nuss, indem er einen Gefangenen mit dem Kopf drauf haut. Dann macht er das, was jeder gute Rattenkönig tut: Singen und Tanzen … Und natürlich einen Hai mit einem Stromkabel grillen!!! Leider wird dieser Irrsinn dann von den Spähern unterbrochen, die berichten, dass der Prinz wieder am Start ist. Der Rattenkönig ist nicht beeindruckt und geht zu seiner Mutter, deren Fluch auf den Prinzen scheinbar nicht mehr wirkt. Die beißt ihm ins Ohr und ich raffe einfach gar nichts mehr.

NC verwandelt sich dann wieder in den Nussknacker und Mary wacht in ihrem Bett auf. Die Eltern kommen nach Hause und sind die Arschlöcher, die Eltern nun mal in solchen Geschichten sind. Wir kennen das: Die Kinder erleben Abenteuer voller Fantasie und so und die Eltern glauben kein Wort, bis sie dann ihre eigene Imagination wiederentdecken. Das dauert hier noch ungefähr 1 Stunde. Sie wird sich wie 3 Tage anfühlen.

Habe ich eigentlich schon die schlechten Animationen erwähnt? Gut. Man legt nämlich noch mal ne ganze Schippe oben drauf, mit gepanzerten Katzen, die sich durch eine Mauer fressen.

Onkel Albert hat so ein Gefühl, dass etwas nicht stimmt und besucht mal wieder die Familie. Vater Joseph macht ihn für alles verantwortlich und will, dass er sich mit seinem Puppenhaus verpisst. Onkel Albert hat aber einen besseren Plan und fängt an zu singen. Der Vater fängt fast an zu flennen. Ich auch, wenn ich bedenke, wie lange diese Scheiße noch dauert.

NC rekrutiert Max als Soldaten gegen den Rattenkönig. NC wird von einem unsichtbaren … Wasweißichwasesistunsichtbar durch die Gegend geschleudert. Mary und Max fallen dem Rattenkönig in die Hände und es ist mal wieder Zeit für Musik. Leider wird kein Hai gegrillt. Kurz darauf folgt natürlich die obligatorische Flucht.

Mary und der Affenmann aus dem Puppenhaus landen in der Menschenstadt, die ganz unter Kontrolle der Ratten steht, die Spielzeuge verbrennen. NC und die anderen beiden Puppen werden in der Kanalisation von einer dieser gepanzerten Katzen gejagt, die aussehen, als hätte sie jemand an Silvester beim Bleigießen in einen Becher gewichst. Max bleibt in der Gewalt des Rattenkönigs, weil er mit dem Moped fahren durfte, was Max ganz besonders toll findet.

Der Rattenkönig singt eine Ansprache an die Nation, während man unten die Spielzeuge aufstapelt, um sie abzufackeln. Ähnlichkeiten zu einem gewissen Führer sind natürlich rein zufällig.

NC ist tot. Damit haben wir es dann wohl geschafft. Mary ist traurig und natürlich erscheint die Schneefee und sagt Mary, dass nur sie ihn retten kann. Mary gesteht dem Nussknacker ihre Liebe und erweckt ihn so zu neuem Leben und alle Pädophilievorwürfe sind natürlich zerschmettert, denn NC ist ja auch nur ein kleiner Junge. Die beiden dürfen also ruhig rumpoppen, wenn sie denn unbedingt wollen. Da der Prinz zurück ist, proben die Menschen den Aufstand in der Rattenfabrik.

Die Rattenmutter schlägt vor, dass man das tut, was Ratten am besten können: Den Schwanz einziehen und abhauen. Der Rattenkönig ist dagegen und ruft zur großen Action auf. Wer jetzt denkt, dass diese Action den Film vielleicht noch retten kann, der hat den Rest nicht gesehen. Denn hier ist absolut nichts mehr zu retten. Und selbst wenn dem so wäre, würde DIESE Action nichts zur Rettung beitragen.

Mary landet dann mal wieder beim Rattenkönig und es folgt eine unfassbar spektakuläre Motorradverfolgungsjagd von genau 3 Sekunden. Dann entkommt der Rattenkönig mit Mary. Kurz darauf fliegen der Rattenkönig, seine Mutter, Mary und Max im Rattencopter durch die Gegend und irgendwie landen Prinz NC und der Affenmann auch darin. Es gibt etwas Gekloppe, dann stürzt das Teil ab. Der Rattenkönig und seine Mutter verwandeln sich zurück in Ratten und fliehen in einen Gully. Also wird gesungen, denn die Ratten sind weg. Ich weiß nicht, ob da keinem der Gedanke gekommen ist, dass die Ratten in der Kanalisation nun nicht unbedingt komplett verschwunden sind und jederzeit zurückschlagen können. Aber egal. Erst mal Party.

Die Schneefee schickt Mary nach Hause, denn das hier ist alles nur ein Traum und blah. Onkel Albert kommt zu Besuch und bringt seinen neuen Nachbarn Nicholas Charles mit. Also NC, versteht ihr? Mary ist natürlich direkt verknallt in das Kackblag und will sich frei machen … ach nee, sie hat nur irgendwas aus der Bluse geholt, um es ihm zu zeigen. Sind sie ja doch noch mal ganz knapp an der Kinderpronografie vorbei geschrammt, die Filmemacher. Glück gehabt. Ich gehe Ratten fangen …

 

Und weil der Film einen so unfassbar in Weihnachtsstimmung versetzt, dürft ihr euch was wünschen. Und zwar hier.

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6 Antworten zu “Schalenobst zerstörende Gesangsattacken in diktatorischer Festtagsstimmung

  1. Wortman Dezember 21, 2016 um 2:23 pm

    Jetzt fängst du aber an komische Filme zu gucken *lol*
    Liegt es daran, dass Weihnachten vor der Tür steht?

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  2. nyria Dezember 21, 2016 um 7:35 pm

    Jetzt will ich mir den Schrott auch noch ansehen, weil es einfach so doof klingt.

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  3. Pingback: Schrott Awards 2017 – Filme | Filmschrott

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