Filmschrott

Schlechte Filme von Mainstream bis Trash. Die Lücke ist kleiner als man denkt.

Mal aktuell: Lethal Weapon

Jetzt denkt der ein oder andere hier vielleicht: „Hä? Lethal Weapon aktuell? Hat der gesoffen? Hat ihm jemand einen Fluxkompensator an die Birne geworfen und er denkt jetzt, er sei im Jahre 1987? Sind ihm die ganzen Schrottfilme zu Kopf gestiegen und haben ihm komplett den Verstand geraubt?“ Nein, nein und nicht unwahrscheinlich.

Aber ja, es gibt Lethal Weapon in einer aktuellen Neuauflage. Nämlich als Serie auf einem dieser amerikanischen Kacksender, die nur noch Scheiße am Fließband produzieren und sich wundern, dass die Quoten tiefer liegen als die Titanic. Und nachdem ich einen Trailer zu dieser Serie gesehen hatte war klar: Das wird scheiße, das muss ich sehen.

Und hier sind wir also. Mit meinen wöchentlichen Recaps zu Lethal Weapon. Ich vermute nebenbei, dass die Serie in 2-3 Wochen abgesetzt wird, also gewöhnt euch nicht zu sehr dran.

Pilot

Selbstverständlich beginnt die Serie da, wo die meisten Szenen der Filme gespielt haben: in der Wüste von El Paso, Texas. Äh, whatever. Martin Riggs und sein Partner jagen gerade einen Typen in nem Kombi und Riggs Frau ruft an, um ihm mal kurz zu verklickern, dass sie ein Kind kriegen. Riggs ballert schnell den Verfolger weg, aber als er ins Krankenhaus kommt, ist seine Frau tot, da sie einen Autounfall hatte.

Seht ihr, 1987 musste man dem Zuschauer nicht alles direkt in die Fresse schlagen. Die haben das verstanden, ohne dass man diese Szenen jemals gezeigt hat. Aber es ist 2016, also muss das rein. Kann man aber drüber wegsehen. Ist halt nur unnötig.

Roger Murtaugh und seine Frau liegen im Bett und da der Arzt gesagt hat, dass Roger Stress abbauen soll, fragt er erst mal nach nem Blowjob. Good old Roger. Er war schon immer ein absoluter Stecher. Nee, Moment mal, war er überhaupt nicht. Er war ein liebender Familienvater. Hier … nicht so richtig, denn als seine Frau ihm vorschlägt, in Pension zu gehen, sagt er, so lange die Kinder im Haus sind, muss er arbeiten gehen, weil die ihm sonst den ganzen Tag auf den Sack gehen.

Jedenfalls sind die beiden halt neue Partner und lernen sich bei einem Banküberfall kennen und Riggs latscht direkt mal in die Bank um die Bankräuber zu überreden, ihn zu erschießen. Seht ihr, 1987 konnte ein Charakter noch irre und selbstmörderisch sein, dabei aber die Gefahr für sich und vor allem andere zuvor kalkulieren. Aber es ist 2016, also muss der Typ einfach straight irre sein und auf alles scheißen.

Oh, und er muss natürlich cool sein. Deshalb schnappt er sich natürlich ein Stück Pizza, nachdem er die Gangster überwältigt hat und die Bombe tickt, und latscht dann ganz gemütlich aus der Bank, kurz bevor sie in die Luft fliegt.

Ganz ehrlich: Lethal Weapon ist das natürlich aus Prinzip schon mal nicht. Aber selbst als eigenständige Produktion wäre das einfach extrem lahmer Scheiß, der auf absolut keiner Ebene funktioniert.

Murtaugh beschwert sich beim Chief über den selbstmörderischen Riggs und sein komischer Stressmesser piept am laufenden Band. Das Teil wird extrem nervig werden, wenn man das nicht schnell entsorgt. Aber der Chief kann nix machen, denn der Befehl kam von ganz oben, da wohl jemand Riggs schützen will.

Der nächste Fall ist ein Mord an einem Typen in der Wüste. Es wird halt etwas investigiert und recherchiert und irgendwo in einem Lagerhaus sorgt Riggs natürlich direkt mal wieder für Action und es folgt eine Verfolgungsjagd, bei der man auf einer Rennstrecke landet, auf der gerade ein Rennen stattfindet. Riggs springt auf das Dach des Autos und kloppt den Typen so lange durchs Fenster in die Fresse , bis der die Karre schrottet. Riggs konnte natürich vorher noch abspringen. Leider wird der Flüchtige vom Bus überfahren.

Es folgt das übliche nach so einer Zerstörung: Die beiden werden suspendiert oder so. Wir kennen das. Man spult hier halt das kleine Einmaleins des Actionfilms ab. Nur, hat man hier eben weniger Zeit dafür, also muss man das alles etwas rushen.

Am Abend kommt Riggs bei Murtaugh vorbei und es gibt die Einladung zum Essen von Murtaughs Frau. Übrigens kocht die Frau hier nicht selbst, sondern Roger übernimmt das. Klar, der Mann in der Küche ist kein Problem, nur beraubt man damit der Frau einer ihrer Charaktereigenschaften aus dem Film. Nämlich, dass sie nicht kochen kann. Wäre an sich auch scheißegal, wenn man ihr dafür was anderes gibt. Macht man aber nicht. Sie ist einfach … eine Frau … die Roger hin und wieder mal einen blasen darf. Toll.

Die Kinder sind natürlich auch beim Essen dabei und weil Riggs halt auf alles scheißt, empfiehlt er Roger Jr. (ja, der heißt hier nicht Nick, weil man sich wohl nicht zu viele Namen merken wollte) nach Thailand zu reisen, wenn er seine Eltern anpissen will und gibt Tochter Riana Tipps, wo man das beste Gras kaufen kann, nachdem die offenbar mit etwas Weed erwischt wurde. Und das alles vor den Augen, oder besser gesagt Ohren, der Eltern.

Immerhin erfährt man dann mal ein bisschen was von den Charakteren und die auch von sich. Riggs erzählt von seiner toten Frau, Roger erzählt, dass er einen Herzinfarkt im Kreissaal hatte, als Nick geboren wurde, der hier noch ein Baby ist. Aha, na immerhin. Jedenfalls muss er deshalb kürzer treten.

Am nächsten Tag wird der Bruder von dem ermordeten Typen in der Wüste entführt. Riggs verspricht, der Mutter den Sohn wiederzubringen. Roger will mit, aber Riggs weiß, dass das eine Selbstmordmission wird und kettet ihn in seinem Wohnwagen an.

Weil Riggs halt megacool ist, latscht er fröhlich pfeifend ins Lagerhaus und erzählt dem Obermotz, dass er das Kind will, oder so viele umlegt, wie es geht. Etwas Blahblah später ballert Roger mit einem Pick-Up in das Lagerhaus, einfach weil er absolut nicht so ist wie der originale Roger Murtaugh und alle bösen Buben werden schnell umgenietet. Roger bringt dann noch nen coolen Spruch über Handschellen, weil, äh, ja.

Jedenfalls wird Riggs draußen von einem Scharfschützen angeschossen und man braucht nen Plan. Also kommt Riggs aus seiner Deckung, damit der Scharfschütze ihn abknallen kann, dabei seine Position verrät und Roger dann den Schützen wegballern kann, da er natürlich nur noch eine Kugel hat. Roger hat aber in letzter Sekunde Plan B, schießt Riggs ins Bein, damit der hinfällt neben ein zufällig da rumliegendes Gewehr, mit dem er den Schützen wegknallt. Come On! Versucht doch wenigstens, etwas Glaubwürdigkeit zu bewahren.

Roger soll gerade einen geblasen kriegen, als Riggs klingelt. Er bedankt sich mit ner Flasche Fusel für die Lebensrettung und erklärt Murtaugh, dass er sich nicht selbst umbringen kann, da seine Frau das nicht wollen würde, Sie würde sich schämen und deshalb geht das gar nicht. Rogers Blasebalg lädt ihn dann wieder ein und er kriegt wieder keinen geblasen. Roger ist nicht erfreut.

Tja, was soll ich sagen. Ich habe das absolute Grauen erwartet, aber das ist es nicht. Zumindest nicht, wenn man mal die erste Viertelstunde ausklammert, die einfach komplette Scheiße im Quadrat ist. Es ist nur leider insgesamt auch einfach nicht gut. Die kleinen Änderungen sind teils okay und sogar sinnvoll, teils aber einfach zu drüber. Gerade der Riggs-Charakter ist zu cool/irre, so dass man das alles nicht mehr ernst nehmen kann. Immerhin haben die Darsteller ne relativ gute Chemie. Natürlich weit entfernt von Gibson und Glover, aber es könnte viel schlimmer sein. Leider fehlt komplett der lockere Humor der Vorlage. Hier wirkt jeder Spruch unfassbar gezwungen und ist dadurch nicht mehr lustig sondern nur ein Augenroller. Durch das recht hohe Budget stimmt zumindest die Action.

Wenn man an den richtigen Rädern dreht, könnte hier tatsächlich zumindest eine unterhaltsame Serie für zwischendurch rumkommen, die zwar mit Lethal Weapon selbst nur den Namen gemein hat, aber immerhin ist es nicht der erwartete Totalausfall. Bisher zumindest nicht.

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15 Antworten zu “Mal aktuell: Lethal Weapon

  1. ginadieuarmstark September 25, 2016 um 2:50 pm

    Ich kann nicht weiter lesen …. ich habe Schmerzen … unendliche Schmerzen 😥

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  2. Loretta Cosgrove September 25, 2016 um 3:23 pm

    Für mich ist das ungesehen „Scheiße im Quadrat“. Einfach aus Prinzip. Es gibt Filme, an denen man sich nicht zu vergreifen hat!

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  3. donpozuelo September 27, 2016 um 8:03 am

    Dass sie jetzt aber auch wirklich aus jedem Film eine Serie machen müssen… „Lethal Weapon“??? Wirklich… ich meine, das Konzept schreit doch schon danach, dass sich das mindestens nach drei, vier Folgen ausgelutscht hat. Als wenn wir nicht schon genug Ermittler-Cop-Serien hätten. Sie können halt nicht alle „Fargo“ sein 😉

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    • Filmschrott September 27, 2016 um 8:59 am

      Unnötig ist es absolut. Aber die TV-Sender haben eben auch den grauenhaften Reboot-Wahn für sich entdeckt. Das Konzept hier wird nebenbei sicher nicht mal mehr in der zweiten Folge wirklich zum Tragen kommen, also hat man jetzt wohl ne simple Fall der Woche Cop Show. Ju-fucking-hu.

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  4. Pingback: Media Monday #283 | Filmschrott

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