Filmschrott

Schlechte Filme von Mainstream bis Trash. Die Lücke ist kleiner als man denkt.

Schrottsommer 2016 – Vögel füttern

Heute gibt es hier einen ganz besonderen sommerlichen Eisbecher des Grauens. Wir alle kennen und lieben die Werke von Alfred Hitchcock. Schließlich war der Mann ein echter Meister seines Fachs. Da ist es natürlich kein Wunder, dass viele junge Filmemacher gerne in die Fußstapfen des Großmeisters treten würden. Und der beste Weg das zu tun, ist seine Grenzen zu kennen und nicht zu versuchen, Hitchcocks visuelle Genialität zu kopieren. Mit anderen Worten: Man sollte es komplett anders machen als:

BIRDEMIC: SHOCK AND TERROR – USA – 2010 – 105 Min.

Nur um mal kurz darauf vorzubereiten, womit wir es hier genau zu tun haben: Regisseur (und ich nutze diese Bezeichnung nur aus Mangel an Alternativen) James Nguyen brauchte 4 Jahre, um den Film fertig zu stellen. Damit das ganze professioneller wirkte, erfand er einen Großteil der Credits, damit es so aussieht, als hätten mehr als 5 Leute an dem Scheiß hier mitgewirkt. Da er keinen Vertrieb für den Müll fand, bewarb er den Film selbst unter anderem auf einem LKW, auf dem er den Titel des Films versehentlich falsch buchstabierte, so dass auf dem dann „BIDREMIC“ stand. Ihr seht also, dass hier wird richtig übel. Schauen wir uns also mal an, wieso diese komplett ernst gemeinte Hommage an Hitchcocks „The Bidrs“ komplett verkackt wurde:

Nach ungefähr 3 Minuten – so lange dauern die Credits, bei denen man nicht viel versauen kann, aber auch das schafft man mit unfassbar wackeliger Kameraführung – wird direkt klar, warum dieser Film einfach nur totale Grütze ist. Rod kommt in irgendeinem Kaff an, bei dem ich mir jetzt nicht die Mühe machen werde, den Namen herauszufinden, und latscht ins Diner. Es gibt ja den Ausdruck „er spielt hölzern“, was so viel bedeutet wie: er wirkt verkrampft. Nun, Rod bzw. der Darsteller von Rod, ist ein Brett aus unbiegsamen Mahagoni.

Rod stalkt eine Blondine, die nicht ganz so scheiße spielt wie er, was aber ja auch fast unmöglich ist, und es folgt Soundediting auf Oscarniveau. Beim Gespräch mit Blondie hört man immer, wenn die Kamera auf sie gerichtet ist, den Verkehr. Wenn die Kamera auf ihn gerichtet ist, hört man gar nix. Naja, außer sein Kackgelaber. Auf die Dialoge gehe ich besser gar nicht erst ein. Jedenfalls tauschen die beiden ihre Karten aus – ja, jeder sollte heutzutage eine Karte haben.

Rod guckt die Nachrichten, in denen eine Nachrichtensprecherin vom großen Vogelsterben erzählt. Dann geht er arbeiten.

Natalie kriegt einen Job als Victorias Secret Model. Und ich finde, dass kann man mal machen, denn da muss sie ja nicht schauspielern, sondern ihre Titten zeigen. Das sollte sie ja noch gerade so gebacken kriegen. Rod ruft an und es folgt ein weiterer Dialog direkt aus der Screenplayhölle. Ernsthaft hier:

NATALIE
Hello?

ROD
Natalie?

NATALIE
Who is this?

ROD
It’s Rod.

NATALIE
Oh, the guy from the restaurant.
What’s up?

ROD
Hey, it was nice running into you at Half Moon Bay.

NATALIE
Yeah. It was nice meeting you.

ROD
So, how’s your day?

NATALIE
My day’s going well, how’s yours?

ROD
Great. I made a big sale today.

NATALIE
Good, fantastic!

ROD
Thanks.

NATALIE
I closed a big job offer today at Victoria’s Secret.

ROD
Wow, congratulations! I think you’ll look great in those lingerie.

NATALIE
Thanks.

Ich breche das hier mal ab, weil es einfach unerträglich ist. Die beiden verabreden sich dann noch zum Essen.

Rod und sein Freund Rick spielen Basketball und völlig aus dem Nichts quatschen sie über die Erderwärmung. Und übers Ficken. Halt ein ganz normales Gespräch unter zukünftigen NBA-Profis.

Rod guckt mal wieder Nachrichten.Nur mal so nebenbei muss erwähnt werden, dass die Nachrichtensprecherin hier einen einigermaßen guten Job macht. Ich schätze mal, es liegt daran, dass sie ihre Sätze ablesen kann. Es klingelt und Rod guckt, als hätte er noch nie so ein seltsames Geräusch gehört. Es ist ein Solaranlagenverkäufer, der der geschickteste Verhandlungsexperte ist, den ich jemals gesehen habe. Rod lässt sich zwei Sekunden voll labern und fragt dann, ob man nicht noch was am Preis machen kann. Der Vertreter überlegt genau ein Hundertstel einer Hundertstelsekunde und gibt ihm 1000 Dollar Rabatt. EINTAUSEND DOLLAR!!!! Wisst ihr, wenn der Autor dieses Mülls gut wäre, würde er daraus einen Gag machen und den Typen immer wieder mit anderen Geschäften zu Rod schicken, weil er dauernd gefeuert wird, aufgrund seiner Unfähigkeit seiner Firma Geld einzubringen. Quasi der Gil Gunderson von Birdemic. Aber der Autor ist scheiße, also gibt es nur einen Handshake.

Rod und Natalie treffen sich beim China Restaurant und natürlich gibt es passend dazu chinesisches Geklimper als Soundtrack. Ziemlich sicher von James Nguyen selbst mit dem Music Maker erstellt. Der Hauptdarsteller ist ganz stolz, da es ihm gelingt, seine Jobbeschreibung voller Fremdwörter irgendwie über die Bühne zu kriegen. Irgendwo existieren 10 Stunden Outtakes nur von dieser Szene, da bin ich absolut sicher. Es folgt die unglaublichste „Lernen wir die Charaktere mal etwas besser kennen“-Satzaneinanderreihung, die die Filmwelt jemals gesehen hat. Aber immerhin wissen wir jetzt, dass Natalie eine Katze hat, gerne in Discos geht und nicht so wie Rod dauernd Football guckt. Wenn der Regisseur gut wäre, würde ich nebenbei sagen, dass es tatsächlich Absicht ist, dass immer nur Hintergrundgeräusche zu hören sind, wenn die Kamera auf Natalie gerichtet ist. Quasi als Foreshadowing, weil sie später von einem Bus überfahren wird, oder so. Aber es wird wirklich nur Zufall und grottenschlechtes Editing sein.

Natalie erzählt ihrer Mutter von ihrem Date und … scheißt jetzt mal auf den Mist. Es ist ne halbe Stunde rum und ich habe noch nicht einen einzigen Vogel gesehen.

Es ist unfassbar. Natalie ruft ihre Freundin an – die gerade Sex hat, für den sie nicht mal den Bikini ausziehen musste – und ihr wisst schon: Natalie = Brumm Brumm Freundin = Grillenzirpen. Ich schätze mal, dass man die Szenen mit Natalie alle am selben Tag, an der selben Autobahnraststätte gedreht hat, weil sie ihren Bus kriegen musste.

Double Date Time. Rod + Natalie und Rick + Bikinitussi gucken den Al Gore Schinken und Rick will sich ein Elektroauto kaufen. Zu mehr hat die Szene nicht geführt. Man hätte ja zumindest mal nen Vogel im Hintergrund zeigen können, aber nix. Kein Vogel da.

Uh, das „Art & Pumpkin Festival“ steht an. Ich weiß nicht, was es ist, aber es klingt unglaublich scheiße. Kann also nur gut werden. Vielleicht ist sogar ein Vogelzüchter da. Nein, es gibt nur nen 1500 Pfund Kürbis zu sehen.

Rod und Natalie tapern am Strand entlang und … DA!!!! Im Hintergrund sitzt eine Möwe im Sand. Bitte lasst die jetzt sofort angreifen. Leider nicht. Aber Natalie findet am Strand einen toten Vogel. Und mit toter Vogel meine ich, dass jemand ein Bild von einem toten Adler im Internet gesucht, dieses dann noch mal abfotografiert hat, um es dann als Vorlage zu nehmen, um es mit Paint in einen Computereffekt umzuwandeln, den er dann in den Film reinklebt. Natalie weint also völlig berechtigt. Meine Augen tränen auch schon von dem Anblick.

Rod und Nat sind bei Mama Natalie eingeladen und labern über die Rente und anderen Scheiß, der absolut nichts mit den Vögeln, dem Vögeln, oder Vogelfederumherschwingenden Kissenschlachten zu tun hat. Und dann sitzen sie in einer Bar und labern wieder nur Scheiße. WANN KOMMEN DIE VERFICKTEN VÖGEL!!!!!!!!!!!!!!???????????????!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Bikinisex Teil 2.

Eine idyllische Umgebung, dieses Half Moon Bay, wie uns ruhige Bilder der Umgebung zeigen. Stille. Nur wunderschöne Naturaufnahmen. Frieden. Ruhe. ABER DANN GREIFEN AUS DEM NICHTS DIE VÖGEL AN UND ÜBERALL FLIEGT IRGENDWELCHE SCHEIßE IN DIE LUFT UND DIE VÖGEL FLIEGEN IN SCHWÄRMEN AUF DIE KAMERA ZU UND SIE STÜRZEN SICH WIE JAPANISCHE KAMIKAZEFLIEGER IN TANKSTELLEN UND VERURSACHEN EXPLOSIONEN DIE SO REALISTISCH WIRKEN DASS MICHAEL BAY DIREKT SEINEN SPECIAL EFFECTS SUPERVISOR NEU BESETZEN WIRD UND DIE VÖGEL KACKEN ALLES VOLL!!!! Rod und Natalie pennen. Welcher Irre hat die Scheiße hier bitte geschnitten?

Warum sind die eigentlich in einem Motel? Können die nicht zu Hause poppen? Naja, jedenfalls tun sie sich mit Ramsay (nicht Bolton) und seiner Freundin zusammen, um sich den Weg durch die Vögel zu kämpfen. Und das kann man eigentlich nicht beschreiben. Stellt euch vor, ihr schmiert euch ein Brot mit einem Kleiderbügel statt einem Messer und nehmt das auf Video auf. Während ihr das Brot schmiert, werdert ihr ständig von euren Haustieren abgelenkt und müsst nach ihnen schauen und die Augen vom Brot nehmen. Aus dem entstandenen Video wird das Brot rausgeschnitten und auch die Haustiere und … einfach alles, außer euch, mit nervösen Zuckungen und dem schwingenden Kleiderbügel. Und dann editiert ihr in den Vordergrund ein paar Vögel, die genau zwei Bewegungen machen: Flügel nach oben, Flügel nach unten. Und das in Endlosschleife. TATA!!! Ihr habt eine Birdemic-Actionszene.

Die Gang rettet sich in einen Van und aus irgendeinem Grund haben sie plötzlich ein Maschinengewehr. Irgendwo finden sie noch ein kleines Mädchen, dass alle Beteiligten darstellerisch mit nur einer Sekunde Auftritt direkt in den Schatten stellt. Und dabei ist sie trotzdem scheiße. Und 5 Minuten später retten sie wohl auch noch nen Jungen. Oder warum sitzt der plötzlich mit denen im Auto?

Mittagszeit. Also hält man an der Tanke, um sich mit Süßigkeiten einzudecken und vielleicht mal noch ne Tiefkühlpizza mitzunehmen. KRAH!!! KRAH!!!! Die Vögel kommen. Zum Glück hat man ein ganzes Arsenal an Waffen angesammelt und … wisst ihr, wenn die Welt wirklich von blutrünstigen Vögeln zu Grunde gerichtet würde, wäre es dann nicht der erste Gedanke, dass ich NICHT DRAUßEN IN DER WILDNIS EIN PICKNICK MACHE?

Zufällig kommt ein Wissenschaftler vorbei, der mal kurz erklärt, was die Erderwärmung so anrichtet. Alter, die Message hier wird einem aber auch einfach so derbe in den Schädel geballert, dass man nur Ozon kotzen kann. Warum die Vögel angreifen, weiß er trotzdem nicht. Vielleicht ist ihnen zu warm …

Ramsays Freundin liegt tot im Feld und … ist halt tot. Ramsay ist traurig. Mir ist es egal. Die können gar nicht schnell genug sterben, die Affen hier.

Die Vögel attackieren einen Bus. Ramsay will helfen, aber Rod meint, dass sie keinen Platz im Auto haben. Aber sie haben Becky getötet, also muss Ramsay Rache nehmen wie ein echter Actionheld. Um ehrlich zu sein kommt es mir so vor, als würde er eher die Leute verstören, wenn er mit seiner MG rumballert und die Leute aus dem Bus zieht. Naja, dann wird er ohnehin von ein paar Vögeln ANGEKOTZT!!! und stirbt.

Na, zum Glück hat die Tankstelle noch offen. Nur scheiße, dass ein Liter Benzin jetzt 100 Dollar kostet. Da hat Rod ja Glück gehabt, dass er von Solaranlagenschorsch den Magarabatt gekriegt hat. Und dann hat er Pech, weil er von einem Cowboy ausgeraubt wird, Aber dann wieder Glück, weil dem Cowboy ein Vogel direkt in die Halsschlagader fliegt. Manchmal hat man einfach einen guten Tag, denkt sich Rod und fährt weiter.

Im Wald treffen sie einen Typen, der – wie soll es anders sein – über die Erderwärmung palavert und dass er die Bäume nicht davor schützen kann. Leider hört er einen Berglöwen und muss nach Hause. Die anderen Irren laufen zum Auto … Moment mal, warum waren die eigentlich in dem Wald? Und warum brennt es da überall? Und warum ist dieser Scheißfilm immer noch nicht vorbei?

Oh nein, das Benzin für 100 Dollar ist schon wieder leer. Rod findet sich dann plötzlich in einem Point & Click Adventure aus den 80ern wieder, als er den Kofferraum öffnet.

ROD
Look, it’s a fishing rod. I could catch some fish.

Rod geht also angeln und läuft immer noch wie ein Cyborg mit Stock im Arsch. Selbst zum Ende des Films ist der Typ die Verkrampftheit in Person. Natalie geht mit den Blagen am Strand spielen. Und dann brät man halt den Fisch und mir ist jetzt schon schlecht. Den Kindern auch, denn die wollen lieber ein Happy Meal. Geht aber nicht, denn die Vögel kommen und man muss weg. Also schließt man sich wieder im Van ein und Rod ballert die letzte Munition leer. Also bewaffnet man sich mit Schraubenschlüssel und Gaskanister. Das wäre aber gar nicht nötig gewesen, denn es ist The Happening all over again. Scheinbar kommt der Winter und die Vögel müssen nach Süden. Jedenfalls hauen sie einfach ab.

Rod, Nat und die Pissblagen stehen am Strand und gucken zu, wie die Vögel in den Sonnenuntergang gleiten und sind sicher. Zumindest bis Teil 2. Ja, den gibt es wirklich. Ich gehe Tauben füttern …

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7 Antworten zu “Schrottsommer 2016 – Vögel füttern

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  2. Wortman September 2, 2016 um 6:44 am

    Da hast dir aber eine echt heftige Grütze angeguckt 🙂

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  3. Frau Argh September 5, 2016 um 3:40 pm

    Verdammt – das ist mir wegen der ganzen Umzieherei doch glatt entgangen hier. Klingt wirklich nach heftiger Grütze. Gut möglich aber, dass die Viecher in meine Richtung abgedampft sind – hatte tatsächlich ’nen gigantischen Vogelschiss auf der Karre, aber zum Glück is hier bisher noch keiner auf Kehle gegangen…

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