Filmschrott

Schlechte Filme von Mainstream bis Trash. Die Lücke ist kleiner als man denkt.

Postapokalyptischer Nebencharakteraustausch

Mad Max Fury Road hat ja bei den Oscars gut abgeräumt. Und die Reihe gilt ja gemeinhin als Begründer des Genres der Postapokalypse mit vielen Autos und jeder Menge Schrott. Aber was ist das? Bereits 2 Jahre bevor der irre Max durch die Wüste fuhr, fuhr Hannibal, seines Zeichens Anführer des A-Teams, mit Vollgas über die:

DAMNATION ALLEY – Straße der Verdammnis – USA – 1977 – 91 Min.

Ein kleines Sandfort in der Wüste … Moment mal, wollen die mir gerade verklickern, dass sich in dieser kleinen Sandburg, die jeder Dreijährige mit etwas zu viel Zeit am Strand hätte bauen können eine komplette Basis für Wasweißichwas befindet? Sieht aus wie bei der NASA kurz vorm Raketenstart, wenn alle Honks wie doof auf ihre Bildschirme starren. Hannibal mit Wolfgang Petry Rotzbremse und irgendein Typ latschen durch ein Gebäude. Ich bin nicht sicher ob das auch noch Sandburghausen ist, denn offenbar spielen Größenunterschiede hier ohnehin keine Rolle. Es ist also durchaus möglich, dass in dem kleinen Sandhaufen ein ganzer Gebäudekomplex versteckt ist.

Jedenfalls lag ich mit meiner NASA-Theorie gar nicht so weit daneben, denn die Honks feuern ein paar Atomraketen oder sowas ab, die dann halt überall alles wegbomben und für das Ende der Welt, wie wir sie kennen sorgen. Und damit meine ich natürlich, dass plötzlich alles orange ist. Warum weiß ich nicht. Ich schätze der Kameramann hat damals einfach den Farbfilter entdeckt und sich nen schönen Tag gemacht.

Nach dem dritten Weltkrieg ist also alles im Arsch. Sogar die Erdrotation funktioniert nicht mehr, weil … ich weiß nicht … Superman ein mal zu viel über dem Tempolimit drum herum geflogen ist? Das hat zusätzlich noch für Fluten und Stürme gesorgt, die so einfach nicht vorherzusehen waren. Hätte man sie vorhergesehen, hätte man sich das mit dem dritten Weltkrieg sicher noch mal anders überlegt.

Nun ist der Schaden aber angerichtet und ein Cowboy hängt in der Wüste rum und beobachtet einen Mopedfahrer, der durch eine Horde Riesenskorpione fährt und um seinen Arsch zu retten einfach mal seine Freundin vom Moped stößt, die dann von den Skorpionen angegriffen wird und in Nahaufnahme als Schaufensterpuppe im Sand endet. Soviel schon mal zu den großartigen Effekten hier. Aber wartet ab, der richtige Effekte-Knaller kommt erst später.

Sandburgen fliegt aus irgendeinem Grund in die Luft und jetzt müssen Hanibal und Co. mit ihren Amphibienpanzerfahrzeugen durch die Wüste gurken, um … irgendwohin zu fahren. Ein genaues Ziel wurde bisher nicht definiert, also behaupte ich einfach mal, sie suchen Wasser. Weil das in der Wüste Sinn macht.
Von der Wüste sieht man dann auch jede Menge. Sonst aber nicht viel, denn es passiert eigentlich erst mal überhaupt nichts.

Ah, man will nach Albany, weil von da mal ein Signal kam, oder so. Tanner und Keegan sind übrigens aus der Armee ausgetreten. Ich wette, das spielt absolut keine Rolle, aber irgendwas muss ich hier ja erzählen, um den Text etwas zu strecken, bevor was aufregendes passiert. Zum Beispiel wenn Tanner und Keegan über Funk Gospellieder singen. Oh, und wenn man mitten in eine Ansammlung von Tornados fährt.

Man fährt also einfach mal mitten in den Sandsturm, der eine photoshopische Glanzleistung darstellt, die selbst die Skorpione von vorhin in den Schatten stellt. Stellt euch vor ihr habt ein Stück Pappe und einen Wüstenhintergrund. Jetzt schiebt er das Stück Pappe ganz langsam von rechts über den Hintergrund und filmt das. Tata! Ihr habt einen 1A-Sandsturm. Wenn das Teil hier nicht den Schrott Award für Effekte im nächsten Jahr abräumt, weiß ich auch nicht.

Weil man ja so tolle runde Amphibienpanzer hat, macht ein Überschlag mal so gar nichts aus. Allerdings verliert man den Funkkontakt zueinander. Was macht man also? Genau man schießt eine Rakete ab und sprengt einen Felsen, damit die anderen den Weg finden. Genial diese Militärs. Wissen sich immer zu helfen, so lange genügend Munition da ist.

Keegan hat sich etwas am Bein verletzt und sein Beifahrer Perry ist tot. Da waren es also nur noch drei, die dann in einem Wagen weiterfahren, weil sich ein Zweiter nicht mehr lohnt.

Man erreicht den ZIRKUS! Und dieser Zirkus soll Las Vegas sein. Vegas ist also ein Zirkuszelt voller einarmiger Banditen. Und einer blonden Tussi im Bademantel, die die Besucher beim Spielen stört. Sie ist die letzte Überlebende in Vegas und hat eine ganz tolle Kleidersammlung. Viel mehr aber auch nicht. Sie erzählt, dass der Manager für den Tod von ein paar Leuten verantwortlich war und deshalb an einem Herzinfarkt verreckt ist.

Da Perry seinen Platz frei gemacht hat, nimmt man die Ische mit. An einer Tankstelle am Arsch der Welt entdeckt Keegan eine Riesenkakerlake und Tanner fährt mit der Tussi Moped. Wir wissen wie gut das vorhin ausging.

Angriff der Monsterkakerlaken! Keegan wird direkt mal in die Hand gebissen und kann nicht mal mehr mit einem beherzten Feuerlöschereinsatz durch Hannibal gerettet werden. Der fährt dann mal lieber los und Tanner und die Tuse müssen mit dem Moped aus dem Kaufhausfenster springen und dann in Echtzeit das komplette Parkhaus herunterfahren, damit man auch die 90 Minuten voll kriegt hier.

Irgendwo in der Wüste trifft man dann irgendein Blag, das mit Steinen um sich wirft. Also muss man den Jungen erst mal durch die halbe Wüste jagen, weil … ja, warum eigentlich? Lasst ihn doch Steine werfen, wie er lustig ist. Ich denke, ihr wollt nach Albany. Wenn der Junge keine Abkürzung dahin kennt, war das hier pure Zeitverschwendung.

Da die „Regel der Vier“ besagt, dass immer nur vier Leute in diesem Streifen unterwegs sein dürfen, bin ich mal gespannt wer beim nächsten Stop an der nächsten Tanke drauf geht und wen man stattdessen einsammelt.

Um Himmels Willen es sind hinterwäldlerische Tankstellenbesitzer mit Schrotflinten. Ich schätze, das ganze verkommt nun mit dem Steinschleuderjungen zum waschechten Teenie Horror. Während sich zwei der Hinterwäldler das Amphibienfahrzeug angucken, steinigt der Junge den Dritten und dann wird rumgeballert. Und natürlich fliegt die Tanke in die Luft.

Interessanterweise haben alle überlebt und gurken weiter durch die Wüste. Ich schätze man wollte keinen der Hinterwäldler mit in die Karre setzen, weil das sonst zu spannend geworden wäre.

Der Kameramann hat den Farbfilter mal auf violett gestellt, was wohl bedeuten soll, dass die Sonne aufgeht. In diesem unbeschreiblich schönen Panorama fährt man auf den Schrottplatz. Ich wusste doch, dass der Film noch richtig gut wird. Tanner warnt Blag Billy nicht zu weit wegzugehen, denn hier wimmelt es von Panthern. Was sonst? Wie jedes gute Kind hört Billy natürlich überhaupt nicht und latscht zwischen den Schrottkarren herum. Ein Sturm zieht auf und Tanner muss auf seinem Moped Billy suchen. Der latscht nebenbei durch den Sturm, als wäre er der Windbreaker persönlich, der eine Windstärke 12 nur müde belächelt. Tanner findet ihn und man fährt zurück zum Panzer. Meine Fresse, das war die wohl aufregendste Rettungsaktion, die ich jemals gesehen habe.

Aus irgendeinem Grund wird dann der ganze Schrottplatz geflutet und wir wissen endlich, warum die unbedingt einen Amphibienpanzer durch die Wüste kutschieren mussten. Hannibal beeindruckt das nebenbei offenbar alles überhaupt nicht, denn er guckt durchgehend, als wären irgendwo Titten an die Wand genagelt, von denen er auf keinen Fall den Blick abwenden kann.

Über den Seeweg erreicht man also eine Blumenwiese. Da ist der Radioempfang ganz besonders gut und man hört einen Funkspruch aus Albany. Vor Freude ballert Hannibal in die Luft und gibt einen Funkspruch ab, damit man sie finden kann. Tanner und Billy fahren in die Stadt, um Pizza und Bier zu besorgen. Leider werden sie nicht plötzlich von einer Riesenkakerlake angegriffen. Sie sehen nur zwei Pferde. Nach ungefähr 5 Minuten des harmonischen Die-Straße-entlang-fahren-und-bloß-nicht-für-Spannung-sorgen-jetzt-zum-Schluss ist der Streifen dann leider vorbei und wir werden nie erfahren, ob das hier das erste A-Team war.

Okay, ich geb zu. so richtig Mad Max war das noch nicht. Aber es ging in die Richtung. Würde mich also nicht wundern, wenn George Miller dieses Machwerk ebenfalls gesehen hat und sich dachte: „Cool. Das mache ich auch. Nur in Nicht-Scheiße.“ Wie auch immer. Ich gehe meinen Riesenskorpion füttern …

Advertisements

12 Antworten zu “Postapokalyptischer Nebencharakteraustausch

  1. Wortman März 3, 2016 um 10:18 am

    Den Film hatte ich früher mal als VHS – Cassette aus der Videothek ausgeliehen 😉

    Gefällt mir

  2. filmimdialog (PD) März 3, 2016 um 12:31 pm

    Noch ein paar Jahre früher, hat ja Peter Weir eine Auto-Apokalypse auf Australien losgelassen: https://en.wikipedia.org/wiki/The_Cars_That_Ate_Paris

    Das ist jetzt kein wirklicher Vorläufer zu „Mad Max“, aber Endzeit-Filme und noch dazu Autos haben im australischen Kino schon einen sehr großen Stellenwert.

    Gefällt 1 Person

    • Filmschrott März 3, 2016 um 9:54 pm

      Jetzt wo du es sagst, von dem habe ich auch schon gehört. Mad Max ist an sich glaube ich schon der Begründer zumindest dieses besonderen Mixes von Postapokalypse, rasanten Stunts und skurillen Figuren. Aber hin und wieder findet man dann trotzdem einen Film, bei dem man dann feststellt, dass Max das Rad nicht komplett neu erfunden hat.

      Gefällt mir

  3. Frau Argh März 3, 2016 um 1:00 pm

    …ich muss den Sandsturm sehen!!!

    Gefällt mir

  4. Stepnwolf März 4, 2016 um 9:06 pm

    Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert…

    Gefällt 1 Person

  5. Pingback: Schrott Awards 2017 – Filme | Filmschrott

Diskutiert den Schrott

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: