Filmschrott

Schlechte Filme von Mainstream bis Trash. Die Lücke ist kleiner als man denkt.

Kriminalistische Aufklärung unter slapstickischer Aufsicht

Heute gibts mal etwas schöne Knobelei. Einen guten, alten Krimi. Naja, okay, streicht das „Gut“. Und „Krimi“ trifft es auch nicht so richtig. Aber irgendwie sowas in der Art, sollte das wohl werden:

CHARLIE CHAN AND THE CURSE OF THE DRAGON QUEEN – Charlie Chan und der Fluch der Drachenkönigin – USA – 1981 – 95 Min.

Starring: Ein Doktor der auf seinem Regenschirm durch die Gegend hüpft und eine Frau, die sich für eine Katze hält

Moment mal, das ist eine Produktion von Jerry Sherlock? Der Typ heißt ernsthaft Sherlock? Das kann ja nur absolut großartig werden.

Schon nach drei Sekunden weiß man, dass Charlie Chan jedes Asiaten-Klischee erfüllt, das ein Film braucht. Ihr wisst schon: Flühlingslolle und so.

Damals: Im Black/White-Castle haben sich ein paar Honks versammelt, weil Charlie Chan darum gebeten hat. Der kommt dann auch vorbei, um den Mord am Hausherr aufzuklären. Und der Mörder war: Die Drachenkönigin. Zumindest steht es so in der Zeitung. Allerdings hat das offensichtlich gar nichts mit Chan zu tun, denn der taucht erst im Artikel darunter auf, der erklärt, wie er den „Gabel in Teetasse“-Fall gelöst hat. Leider kann ich das Kleingedruckte nicht lesen. Hätte mich ja jetzt schon brennend interessiert, was es damit auf sich hat.

Jetzt: In San Francisco liest ein unglaublich netter Bonze im Rollstuhl die Zeitung, in der etwas von nem Massenmörder steht. Er ist … ja, was eigentlich? Ich glaube, es ist ihm scheißegal. Dann erschreckt er die Butlerin, oder Köchin, oder seine Frau, oder Wasauchimmer, in der Küche. Die latscht dann zur Oma des Typen, die traurig ist, weil heute der Todestag ihres Manns ist. Und ihre Tochter und ihr Mann wurden getötet. Von der Dragon Queen. Und Bla.

Und sie haben einen Enkel der halb jüdisch und halb chinesisch ist und der will Cordelia heiraten. Und Charlie Chan, der den Mordfall an Bernie, dem Mann von der Oma, gelöst hat, kommt nach San Francisco, um den Fall der Drachenkönigin zu lösen. und ich raffe absolut nicht, wo hier irgendein Zusammenhang zwischen dem ganzen Quark, den die Alte da erzählt, besteht.

Wartet. Der Bonze im Rollstuhl ist gar kein Bonze im Rollstuhl, sondern ein Butler im Rollstuhl. Jetzt blicke ich gar nicht mehr durch.

Lee Chan, Jr. kommt dann jedenfalls zum Essen vorbei, kriegt aber eigentlich nichts, weil der Butler ein Arsch ist und ihm den Teller wegnimmt, bevor er die Gabel mal so richtig reinpieksen konnte. Seine zukünftige Braut kommt angeritten und es folgt Slapstick aus der Hölle, bei dem sie und Lee tausend Mal auf die Fresse fallen. Cordelia wird dann geil und bringt der Oma Blumen. Fragt mich nicht, ich schreibe nur, was ich sehe …

Lee sorgt mit einem simplen Kurbeldreher, bei dem er eine Markise herunterlässt, auf der sich ungefähr alles Wasser, das der Ozean zu bieten hat zu befinden scheint, welches sich dann über eine Tussi ergießt, für totales Chaos auf dem Wochenmarkt. Ich hab letztens mal irgendwo geschrieben, dass ich trottelige Charaktere mag. Aber man kann es auch einfach übertreiben. Ich meine, hier bleibt vom Markt quasi nix mehr übrig und er latscht natürlich einfach weiter. Weniger ist manchmal mehr.

Es folgt ein absoluter Wahnsinnsgag, als ein Ziegelstein mit einer Nachricht durchs Fenster fliegt, auf dem steht: „Ihr Fenster ist kaputt. Kontaktieren sie Al den Fensterreparierer.“ Ich lach mich tot.

In einem Akupunkturschuppen hängt ne genadelte Leiche am Haken. Charlie Chan kommt endlich mal mit nem Hubschrauber angeflogen, um den Fall anzugehen … und mit schlauen Sprüchen aus Glückskeksen um sich zu werfen.

Nach einem kurzen Rückblick auf den Mordfall, den Chan damals gelöst hat, erfährt man, dass die Dragon Queen ihn verflucht hat. Und auch die nächsten drei Chan-Generationen.

Die nächsten Opfer werden von einer Flutwelle aus einem Fahrstuhl, ja, richtig gelesen, ertränkt. Chan kombiniert mal schnell, was abgegangen ist. Also Wasserschlauch auf dem Dach im Wassertank und so weiter. War ja jetzt nicht so schwer.

Cordelia fährt Charlie, der mal wieder die tausend Lehren des Konfuzius zitiert, in Lees Büro, der dort gerade von nem kleinen Mädchen verprügelt wird. Anschließend gehts zum gemeinsamen Essen zur Omi, die gerade mit der Urne ihres gekillten Mannes tanzt, in die der Rollstuhlbutler zuvor mehrmals reingeascht hat. Selbstverständlich reißt Lee mal wieder alles ab, weil er halt ein Trottel ist.

Großmutter schreit rum und man findet sie im Schlafzimmer, wo sie gerade von einem Schal erwürgt wird. Ohne Fremdeinwirkung, versteht sich. Wie selten dämlich sind die eigentlich alle? Sie erklärt, dass jemand sie erwürgen wollte, aber abgehauen ist. Und warum hat die dann immer noch würgend auf dem Boden gelegen?

Man geht in die Disco, um mal so richtig, nun ja, rumzusitzen, wie man es sonst auch ständig tut. Da wird ein Saxophonspieler per Elektrizität durch sein Instrument gegrillt. Es ist klar: Der Mörder muss noch in der Disco sein. Das Licht geht aus und alle sind verschwunden.

Im Büro gibts die nächste Leiche, die eine Nachricht mit ner Adresse angetackert hat, die mitten zum Arsch der Welt in irgendeinen Wald führt. Da turnt zufällig gerade die Dragon Queen rum. Pferdekutschenverfolgungsjagd vom Feinsten folgt. Die Drachenkönigin entkommt nachdem man die ganze Stadt zerlegt hat.

Lee hat keine Hose an und wird von der Dragonqueen angerufen, die Charlie entführt hat. Lee muss also mal kurz seine Hochzeit unterbrechen und ihn retten. Cordelia hat zwar schon ihr Brautkleid an, kommt aber auch mit, damit man gemeinsam für Chaos sorgen kann.

Cordelia wird direkt mal betäubt, als man die Dragonqueen findet. Oma will Lee retten und dann fahren irgendwie alle sinnlos durch die Gegend. Oma, Köchin, Rollstuhlbutler …

Cordelia und Lee sind gefesselt, geknebelt und werden von nem Hund bewacht, der an einer Leine hängt, die durch eine Guillotine führt, dessen Seil wiederum von einer Kerze durchgebrannt wird und dann ist natürlich Mittag für den Köter. Man weiß direkt, dass das Böse völlig hirnlos ist, wenn es auf solch dämlichen Konstruktionen zurück greift. Aber ich mag sowas ja. Aber Lee und Cordelia haben den absoluten Masterplan: Sie singen dem Hund Happy Birthday, damit der die Kerze ausbläst. Und das funktioniert auch noch. Wahnsinn.

Und dann sind halt alle da und Charlie fackelt den Butler ab, der aus seinem Rollstuhl springt und plötzlich wieder laufen kann. Charlie ist also neben seiner Detektivarbeit auch noch Wunderheiler.

Charlie erklärt dann, wie er darauf kam, dass die Dragonqueen nicht die Killerin ist und wer es eigentlich ist und ich raffe eigentlich überhaupt nichts, außer, dass es die Oma war, weil Charlie sie lächerlich gemacht hat. Äh, wie denn? Ich kapiere nix.

Jedenfalls flieht die Omi durch ein Kino und alle hinterher. Und dann irgendwie Chaos und dann wird die Omi für bekloppt erklärt.

Die Hochzeit geht über die Bühne, Oma wird eingewiesen und das wars. Ich gehe meinen Butler töten …

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6 Antworten zu “Kriminalistische Aufklärung unter slapstickischer Aufsicht

  1. Wortman November 19, 2015 um 5:21 pm

    Sohn Nummer wieviel war denn hier Chan Junior? 🙂
    Ich mag die alten Charlie Chan in S/W. Da hat Chan so schöne Sprüche:
    „Nur törichte Maus baut Nest in Ohr von Katze.“
    „Manchmal Maus wichtiger ist als ganze Elephant.“

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  2. Pingback: Schrott Awards 2016 – Filme | Filmschrott

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