Filmschrott

Schlechte Filme von Mainstream bis Trash. Die Lücke ist kleiner als man denkt.

Retrospektivischer Juwelendiebstahl

Die „physical Comedy“, auch „Slapstick“ genannt, scheint ja irgendwie eine aussterbende Form der Komödie zu sein. Jetzt werdet ihr sagen „na und? Wie lustig kann es schon sein, jemandem zuzusehen, der immer wieder auf die Fresse fliegt?“ Nun ja, kommt drauf an. Immerhin gab es einige Größen, die sich genau darauf spezialisiert haben. Laurel und Hardy, Charlie Chaplin, Buster Keaton, die Looney Tunes. Die Kunst dabei ist, immer anders auf die Fresse zu fallen. Aus ähnlichen Situationen wieder was Neues zu machen. Diese Beispiele konnten das einfach, wie kaum jemand sonst. Außer natürlich der fantastische Peter Sellers, den meisten vor allem bekannt als Inspector Clouseau. Nachdem ich am Samstag einen spontanen Pink Panther Marathon durchgezogen habe (meine Twitter Freunde werden es mitgekriegt haben), kam irgendwann der Punkt, an dem nur noch ein Film übrig blieb, auf den ich aber verzichtete, da er erst entstand, nachdem Peter Sellers bereits verstorben war. Ob jetzt Hommage oder Geldmacherei sei mal dahin gestellt. Der Film ist einfach überflüssiger Müll. Deshalb hab ich ihn dann doch noch für den Blog geguckt.

TRAIL OF THE PINK PANTHER – Der rosarote Panther wird gejagt – UK/USA – 1982 – 96 Min.

Inspector, sorry, CHIEF Inspector Jacques Clouseau sucht mal wieder den Dieb des berühmten Edelsteins rosaroter Panther. Um möglichst unauffällig ermitteln zu können, probiert er beim großen Balls, dem Kostümverleih seines Vertrauens, erst mal ein paar Nasen aus und kauft ein Quasimodo-Kostüm. Das ganze ist völlig unlustig, kein Wunder also, dass es aus Pink Panther Strikes Back geschnitten wurde. Immerhin war die spätere Quasimodo-Szene cool. „Wer glockt so spät?“

Dreyfus ist mal wieder auf freiem Fuß. Ich frage mich ja immer noch, wie er es geschafft hat, wieder sichtbar zu werden, nachdem er in Strikes Again von einem Laser getroffen wurde und zusammen mit einem Schloss einfach verschwunden ist. Aber gut, halten wir uns bei dieser Reihe nicht mit Sinn und Unsinn auf.

Denn Clouseau fackelt gerade versehentlich sein Büro ab. Peter Sellers war in solchen Szenen einfach grandios. Wie er einfach ein Fettnäpfchen nach dem anderen mitnimmt und beim Versuch Schlimmeres zu verhindern alles erst recht ins Chaos stürzt. Dreyfus kommt vorbei und kriegt direkt mal wieder sein berühmtes Augenzucken. Der Psychiater kann da auch nicht mehr helfen.

Clouseau geht nach Hause, was bedeutet: Großartiges steht bevor. Dort wartet schließlich Karate-Diener Cato, der Befehl hat, den Inspector, sorry, CHIEF Inspector jederzeit anzugreifen. Clouseau plagt sich in einer Deleted Scene aus Strikes Again aber erst mal mit der Fahrstuhltür rum und verteilt anschließend den eingekauften Zucker im Flur. Nachdem er der Nachbarin zur Tarnung einen vorgetanzt hat, zerreißt es ihm die Hose und er verteilt noch etwas Obst im Flur.

Leider keine Cato-Mega-Insane-Fight-Sequence, denn Clouseau will nach London fliegen, wo Sir Charles Lytton, das berühmte Phantom, wohnt. Auf dem Weg zum Flughafen setzt er noch kurz das Auto in Brand. Im Flugzeug gibts eine völlig zu Recht der Schere zum Opfer gefallenen Szene auf der Toilette. Genau so, wie eine völlig sinnlose Traumsequenz von Dreyfus. Der erfährt von einem geplanten Attentat auf den verhassten Clouseau und schickt ihn nach Lugash, weil äh, ja, keine Ahnung. Eben, damit Clouseaus Flugzeug abstürzen kann.

Nachdem man also bisher aus größtenteils berechtigterweise herausgeschnittenen Szenen eine Story zusammengefuckelt hat, verkommt das Ganze jetzt zur reinen Clip-Show, in der sich Clouseaus Weggefährten in Interviews mit einer Journalistin an Aufeinandertreffen mit dem Inspector, ich meine natürlich, CHIEF Inspector erinnern.
Immerhin kriegen wir noch einen Teil des besten Kampfes mit Diener Cato zu sehen.

Die Reporterin steht jetzt auf der Abschussliste der Assassinen, weil sie zu viel rumschnüffelt. Äh, ja, ganz gefährliches Rumgeschnüffel, wenn sie aufdeckt, was sowieso jeder schon in den vorherigen Filmen gesehen hat.

David Niven aka Sir Charles Lytton war zu diesem Zeitpunkt schon ganz schön alt geworden, muss ich sagen. Leider sollte auch er nur 1 Jahr später von uns gehen. Lustigerweise erinnert uns Sir Charles noch mal an ein echtes Highlight. Die Verfolgungsjagd aus dem ersten Pink Panther Film. Wenn sich ein Ritter, ein Hofnarr, zwei Gorillas und ein Zebra in Autos verfolgen, kann man das quasi nicht mehr toppen.

Die Journalistin wird verfolgt und gekidnapped. Irgendein Typ droht der Journalistin, dass sie aufhören soll, im Fall Clouseau zu recherchieren, was sie zu keiner Sekunde getan hat. Sie will, dass der Typ verhaftet wird, aber Dreyfus hat keinen Bock.

Die Reporterin sendet ihr TV-Special über Clouseau und kehrt zurück in dessen Wohnung, wo sie völlig sinnloserweise von Cato angegriffen wird, nur damit man noch mal ne kurze Cato kriegt vor die Fresse Szene untergebracht hat. Jedenfalls zieht sie anschließend weiter zu Clouseaus Vater, einem Weingutbesitzer, und … ich gehe nicht weiter auf den Quatsch ein. Der Vater ist genau so tollpatschig wie der Sohn, nur leider hat der Darsteller nicht mal ansatzweise das komödiantische Talent eines Peter Sellers, wodurch das Ganze einfach nur gewollt aber nicht gekonnt wirkt.

Clousaus Vater erzählt von der Kindheit und Jugend seines Sohns, was mit neuen Szenen dargestellt wird, die nur leider kein Stück lustig sind. Highlight ist Clouseaus Versuch, im zweiten Weltkrieg eine Brücke zu sprengen, was aber an der Technik scheitert. Als er zur Brücke geht explodiert sie dann natürlich doch. Wile E. Coyote wäre stolz, schließlich ist ihm genau das schon 40 Jahre zuvor passiert.

Und damit endet der Film dann ziemlich plötzlich, mit einem Mann, der aussieht wie Clouseau, auf einer Klippe stehend auf das Meer schauend, als ihm eine Möwe auf die Jacke scheißt. Passend zum Rest des Films.

Wie zur Hölle es dieses „Werk“ damals tatsächlich in die Kinos geschafft hat, bleibt wohl ein ewiges Rätsel. Als TV-Special hätte man das ja durchaus bringen können, aber ich bemitleide jeden, der damals für diesen Müll tatsächlich Geld ausgegeben hat. Immerhin haben wir gelernt, dass Peter Sellers einfach unersetzbar ist.

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6 Antworten zu “Retrospektivischer Juwelendiebstahl

  1. Wortman Mai 21, 2015 um 5:48 am

    Der Film war wirklich übel. Ich besitze ja auch alle Sellers – Clouseaus und dieser hätte wirklich verboten werden müssen.

    Gefällt mir

  2. Pingback: Schrott Awards 2016 – Filme | Filmschrott

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