Filmschrott

Schlechte Filme von Mainstream bis Trash. Die Lücke ist kleiner als man denkt.

Mach was #3

Das Gemeinschaftsblogprojekt von Pö (ehemals mit oe geschrieben) und Herba (immer noch fasziniert von Unkraut), geht in die dritte Runde. Aber jetzt heißt das Ganze „Mach was“. Find ich gut. Gemeinschaftsprojekt klingt irgendwie so sehr nach singen am Lagerfeuer, während der immer anwesende Volltrottel seinen Marshmallow in den Flammen verliert. Mach was hingegen sagt: „Jetzt komm mal ausm Arsch, du Penner!“ Sehr motivierend.
Das Thema heute: Piraten. Ein gutes Thema, denn das gibt mir die Möglichkeit, die Wertier-Trilogie zu beenden. Wer noch mal sein Gedächtnis auffrischen möchte, was der Wer-Truppe bisher widerfahren ist, findet hier den ersten Teil und hier Teil 2.

Ein leises, aber doch unüberhörbares Grummeln zeugte davon, dass Leo der Werlöwe in seinem Käfig recht unglücklich war. Diesen Umstand verbarg er nicht, als ein Mann, auf einem Stuhl an dem wackelige Holzräder angebracht waren, an seinen Käfig gerollt wurde. Graue Haarsträhnen lugten unter einem schwarzzen Hut mit Totenkopf-Motiv hervor und verbargen einen Teil des graubärtigen Gesichts des Mannes. Was die Haare nicht verdeckten, verdeckte eine Augenklappe.
„Aaaaaaahr“, sagte der Mann unter dem Hut. „Ich bin Captain Half Leg McKee …“
„Ist es üblich, dass Seekapitäne sich über das Deck ihres Schiffes fahren lassen?“, fragte Leo gelangweilt.
„Aaaaaaahr“, begann McKee scheinbar jeden Satz, „natürlich nicht. Aber leider wurde mir vor geraumer Zeit von irgendeinem Spaßvogel mein Holzbein abgesägt während ich meinen Rausch ausgeschlafen habe. Ein neues kann ich mir nicht leisten.“
„Leisten? Ihr seid Piraten. Stehlt doch einfach ein Holzbein.“
„Aaaaaaahr“, McKee schien sein persönliches Wort des Jahres bereits gefunden zu haben, „wir sind Piraten, aber das Tischlerhandwerk ist eine große Kunst. Wir würden niemals von einem Handwerker stehlen. Auch Plündern und Brandschatzen hat seine Grenzen.“
„Ich könnte dir ein Holzbein kauen“, schlug Horst der Werholzwurm vor.
„Aaaa … Ähem. Habt ihr was dagegen, wenn ich auf das ‚Aaaaaaaahr‘ verzichte? Ist schlecht für den Hals.“
Alle Wertiere zuckten mit den Schultern, sofern welche vorhanden waren.
„Sehr gut. Es wird nicht nötig sein, mir ein Holzbein zu ‚kauen‘, was nebenbei eine widerliche Vorstellung ist. Und das sage ich als Pirat. Ich habe einen besseren Vorschlag für euch. Wir lassen euch frei, wenn ihr uns helft.“
„Helfen? Wobei?“
„Vor einigen Wochen haben wir auf einer einsamen Insel einen Schatz vergraben. Einen großen Schatz. Eine ganze Truhe voll. Das ist heutzutage echt selten. Die meisten Leute haben nicht mal eine Truhe. Von einem Schatz ganz zu schweigen. Jedenfalls können wir uns leider nicht mehr erinnern, wo genau wir den Schatz vergraben haben. Unsere einzige Hilfe ist diese Karte.“ McKee holte eine Karte hervor und zeigte sie den Wertieren.
„Was bedeuten die ganzen Kreuze?“, fragte Gertrud die Wergiraffe und streckte ihren langen Hals, bis ihr Kopf ganz nah an der Karte verharrte.
„Das ist das Problem. Ich sage es mal so: Beim Vergraben des Schatzes und beim Zeichnen der Karte war Rum im Spiel. Viel Rum. Ein ganzes Fass. Das ist heutzutage echt selten. Die meisten Leute haben nicht mal ein Fass. Von Rum ganz zu schweigen. Jedenfalls fiel uns irgendwann in der Nacht auf, dass wir uns nicht mehr erinnern konnten, wo wir den Schatz vergraben haben und zeichneten diese Karte, auf der jeder ein X einzeichnete, wo er den Schatz vermutete. Leider haben wir ihn immer noch nicht gefunden.“
„Was hat das mit uns zu tun?“ Leo wollte auf den Punkt und aus dem Käfig kommen.
„Ihr habt einen Wolf. Er kann sicher die Witterung aufnehmen und den Schatz finden.“
„Sind das nicht Hunde?“
„Hunde. Wölfe. Ist doch alles das Selbe. Also, was sagt ihr? Ihr helft uns und wir lassen euch gehen. Deal?“
„Nein.“ Leo klang entschlossen. „Ich habe ein Gegenangebot. Wir wurden aus unserer Stadt vertrieben und wollen uns rächen.“
„Das willst eigentlich nur du, Leo“, mischte sich Bruno der Werbär ein. „Wir wollen nur in Frieden leben.“
„Rache. Frieden. Ist doch alles das Selbe. Also, hör zu. Wir helfen euch, den Schatz zu finden, dafür helft ihr uns, die Stadt zu erobern. Deal.“
„Aaaaaaahr …“, McKee brach sein Lieblingswort für einen kurzen Hustenanfall ab. „Wir hatten lange keinen richtigen Kampf mit einer Stadt mehr. Zuletzt haben wir ein kleines Fischerdorf überfallen, in dem nur ein alter Mann lebte. Das ist viel heutzutage. Die meisten Leute haben keine Stadt. Von einem alten Mann ganz zu schweigen.“ Er stand auf und streckte seine Hand aus, was aber nicht verhinderte, dass er direkt zur Seite des fehlenden Beins umkippte. „Deal“, keuchte er vom Boden seines Decks.

Die Insel sah aus, wie eine gute Schatzinsel auszusehen hat. Lange Strände, dichter Dschungel, ein Berg geformt wie ein Totenkopf, bei dem man sich fragt, was für ein Wetter über Jahrtausende geherrscht haben muss, damit ein Felsen so eine Form annimmt. Captain Half Legs Schiff ankerte nicht weit entfernt von der Insel und schwankte auf den Wellen leicht hin und her. McKee ließ die Käfige aufschließen und die Wertiere sprangen auf das Deck und streckten sich erleichtert.
„Das ist die Mondschein-Insel“, erklärte der Kapitän. „Hier ist immer Vollmond, aber trotzdem ist die Insel ständig in Tageslicht getaucht. Fragt mich nicht warum. Scheint eine Laune der Natur zu sein. Wie sprechende Tiere.“
„Polly will nen Keks. Krah.“
„Äh, ja. Also, wenn ihr auf der Insel seid, lasst den Wolf die Witterung dieser Goldmünze aufnehmen und nach dem Schatz suchen.“
„Kommt ihr nicht mit?“
„Ein Kapitän verlässt niemals sein Schiff. Außerdem haben wir noch keine Möglichkeit gefunden, meinen Stuhl an Land zu schieben.“
Ein Pirat drückte Bruno ein Paddel in die Pfote und die Wertiere paddelten zur Insel.

Auf einem Hügel stand ein haariges Etwas, das sich auf den zweiten Blick als nackter Mann herausstellte. Er blickte auf den Ozean, während er einer Kokosnuss eine Geschichte erzählte. Das Gesicht der Kokosnuss ließ darauf schließen, dass sie die Geschichte eher uninteressant fand. Der Mann brach seine spannungsarme Geschichte ab.
„Nutsie, schau!“ Er zeigte auf den Ozean. „Ein Schiff! Wir sind gerettet!“
Die Begeisterung der Kokosnuss hielt sich in Grenzen, als der Mann sie packte und den Hügel hinunter rannte. Er erreichte den Strand, legte die Kokosnuss in den Sand und begann, mit den Armen wedelnd, auf und ab zu springen. Die Kokosnuss schloss sich ihm nicht an, in seinen Bemühungen, auf sich aufmerksam zu machen.
Das Boot legte am Strand an und Tiere sprangen in den Sand.
„Euch schickt der Himmel!“
„Meinst du er weiß, dass er mit Tieren redet?“, fragte Bruno.
„Gerade hat er mit einer Kokosnuss gesprochen. Ich glaube, für ihn macht das keinen Unterschied“, versuchte Leo eine Erklärung zu finden.
„Seit ihr hier, um mich zu retten?“
„Ich fürchte ich muss dich enttäuschen. Wir sind mit Piraten unterwegs.“
„Primaten? Ist das euer Anführer?“, fragte der Mann mit Blick auf Albert den Weraffen, der auf einer Banane kaute.
„Nicht Primaten. Piraten. Augenklappen, Holzbeine, Hakenhände, Skorbut. Du weißt schon.“
„Leo, der Typ ist doch völlig balla. Lass uns lieber nach dem Schatz suchen.“
„Nutsie, hast du das gehört?“ Der gammelige Gestrandete lief zurück zu der Kokosnuss und hielt sie sich vors Gesicht. „Eine Schatzsuche. Deswegen sind wir gestern in See gestochen.“
„Äh, heißt das, du bist erst seit gestern hier gestrandet?“
„Oh nein, nein, natürlich nicht. Ich bin seit ungefähr zwei Stunden auf dieser Insel.“
„Zwei Stunden? Und du redest schon mit einer Kokosnuss?“
„Kokosnuss? Was für eine Kokosnuss.“
„Die du in der Hand hältst.“
„Ich kenne Nutsie schon seit Jahren. Ich habe ihn auf einer Expedition über die Meere kennen gelernt, an einem schönen Strand. Ähnlich wie dieser hier. Wir haben viele spannende Abenteuer gemeinsam erlebt. Weißt du noch Nutsie, als wir von dem Wal verschluckt wurden.“
„Leo, ich schlage vor, wir sehen zu, dass wir schnell hier weg kommen.“
„Gute Idee.“

„Such, Wulf. Wir haben nicht den ganzen Tag Zeit.“
Leo wurde ungeduldig. Seit Stunden irrten sie über die Insel, Wulf folgend, der, immer der Nase nach, den Schatz suchte.
„Wie oft soll ich euch noch erklären, das ich kein Spürwolf bin? Ich habe keine Ahnung, wo der Schatz ist.“
„Jetzt streng dich mal etwas an, man. Kann doch nicht so schwer sein.“
„Dann such du doch danach, Bruno. Bären haben sicher ganz hervorragende Spürnasen. Aber lass dich nicht von nem Honigtopf ablenken.“
„Ich mache gleich Honig aus deiner Fresse …“
„Okay, okay, das reicht. Kommt Jungs, wir sind wegen wichtigerem hier. Wulf, riech noch mal an der Münze.“ Leo hielt Wulf die Münze ins Gesicht.
„Schau Nutsie, es sind unsere neuen Freunde. Wo wart ihr die ganze Zeit? Ihr habt viel verpasst. Wir haben am Strand Sandburgen gebaut.“
„Toll. Wenn du uns entschuldigen würdest, wir haben zu tun.“
„Sicher, sicher. Oh, schöne Münze. Genau wie die aus der Schatztruhe, nicht wahr Nutsie?“
„Warte, welche Schatztruhe?“
„Die, die ich am Strand gefunden habe. Stand einfach so rum. Neben einer Schaufel und leeren Rumflaschen. Jemand muss sie vergessen haben.“
„Wo ist die Truhe jetzt?“
„In meinem Baumhaus. War nicht einfach, sie da hoch zu kriegen, aber Nutsie hat geholfen. Nicht wahr Nutsie? Weißt du noch, wie du vom Baumhaus gefallen bist. Die Narbe sieht man immer noch. Seht ihr?“ Der alte Mann hielt dem Wertiertrio die Kokosnuss vor die Schnauzen.
„Ja, ja, böse Verletzung und so. Wo ist dein Baumhaus noch mal genau?“
Der alte Mann zeigte nach oben. „Ihr steht genau darunt … aah …“
„Bruno, ich glaube nicht, dass das nötig war.“

Captain Half Leg McKee sah zu, wie seine Scumbags die Truhe an Deck zogen. Er öffnete die Truhe und überzeugte sich davon, dass der komplette Inhalt vorhanden war. Er grinste zufrieden und ließ sich zur Reling rollen. Er zog sich an der Reling hoch und schaute hinunter zu den Wertieren, die im Ruderboot neben dem Schiff warteten.
„Gute Arbeit. Leider trennen sich hier unsere Wege.“
„Aber du wolltest uns helfen, man.“
„Ja, was das angeht; Aaaaaahr, Pirat. Ihr versteht das sicher. Es wäre schlecht für unsere Reputation, wenn herauskäme, dass wir nicht mal unseren eigenen Schatz wiederfinden können. Weil wir so nette Typen sind, lassen wir euch das Ruderboot, damit ihr zurück zur Insel paddeln könnt. Machts gut.“
Leo grummelte unerfreut.

„Schau Nutsie. Unsere Freunde kommen zurück. Vielleicht haben sie etwas dabei, das gegen meine plötzlichen Kopfschmerzen hilft.“ Der verfilzte Mann winkte mit der Kokosnuss, als das Boot erneut am Strand anlegte und die Tiere in den Sand hüpften.
„Hallo Freunde. Nett, dass ihr zurückgekommen seid.“
„Jetzt sitzen wir mit dem Verrückten hier fest.“ Die Wertiere hatten zu viele Rückschläge erlitten, um ihren Kummer nicht gleichzeitig laut auszusprechen.
„Oh, keine Panik, Freunde. Wir können direkt in See stechen, wenn ihr so weit seid.“
„Was?“
„Ich weiß ja nicht, ob ihr erst noch etwas in der Sonne liegen wollt.“
„Du hast ein Schiff?“
„Natürlich. Was meint ihr, wie ich und Nutsie hergekommen sind.“
„Aber warum hängst du dann hier auf der Insel rum?“
„Alleine kann ich das Schiff nicht segeln. Und Nutsie ist kein guter Steuermann. Ursprünglich hatte ich eine Crew, aber die sprang nach und nach über Bord. Meistens, wenn ich ihnen Nutsie vorgestellt habe. Keine Ahnung, was da los war. Skorbut vielleicht.“

Das Schiff holte auf. Das Piratenschiff war bereits zu sehen. Die Wertiere stellten sich beim Segeln nicht so doof an, wie man annehmen könnte.
„Macht die Kanonen bereit“, befahl Leo und sah zu, wie die Tiere Kanonenkugeln über das Deck rollten, während Kathrin die Werkatze sich in einem Seil verhedderte. Es war immer gut zu wissen, dass Kathrin beschäftigt war, und die anderen nicht bei der Arbeit behinderte.
„Kanonen sind bereit, Leo.“
„Käptn, wir müssen das Schiff drehen, damit wir feuern können.“
„Hast du gehört, Nutsie. Dreh am Rad. Ich muss noch diesen frischen Fisch aufessen.“ Der alte Kapitän biss in einen rohen Fisch und kaute, während die Kokosnuss auf dem Steuerrad balancierte und sich als so nutzlos wie erwartet herausstellte.
„Scheiße, ich übernehme das Steuer.“ Bruno stapfte zum Steuerrad rüber und warf die Kokosnuss über Bord.
„Nutsie, neiiiiiiiiin!“ Der Kapitän sprang auf und spuckte den Rest des Fisches aus, den sich direkt Kathrin unter die Krallen riss. „Mann über Bord! Keine Panik, Nutsie! Ich rette dich.“ Der Kapitän ging über Bord, was Erleichterung bei den Wertieren auslöste.

„Käptn, wir werden angegriffen!“
McKee ließ die Feile fallen, mit der er ein Stuhlbein bearbeitete, und ließ sich an Deck rollen.
„Aaaaahr, wo haben die das Schiff her? Zu den Säbeln!“
Albert der Weraffe schwang sich als erster an Deck des gegnerischen Schiffes und warf mit Bananen, die die Piraten mit ihren Säbeln in der Luft schälten. Die anderen Wertiere hatten Schwierigkeiten, sich an Seilen durch die Luft zu schwingen. Leo kletterte zurück an Deck und spuckte einen Schwall Wasser aus. „Ich übernehme die Kanonen“, grummelte er und wrang seine Mähne aus. Albert gingen die Bananen aus, was ihn dazu zwang auf eine umherhüpfende Verwirrungstaktik umzusteigen, die dazu führte, dass die Piraten auf den Bananenschalen ausrutschten und wie Schildkröten auf dem Rücken an Deck lagen. Leo zündete die Kanone. Die Kugel flog durch die Luft, zersplitterte den Hauptmast. Das Hauptsegel schwirrte hinab und begrub McKees Mannschaft unter sich.
„Aaaaahr …“ McKee ließ seinen Säbel fallen, und biss in eine geschälte Banane.
Leo sprang von Schiff zu Schiff und stellte sich vor McKee.
„Beeindruckend“, kannte der Kapitän an. „Für Landratten seid ihr verdammt gute Piraten. Das Schiff gehört dir.“
McKee reichte Leo seinen verknitterten Hut.
„Was machen wir jetzt, Käptn Leo?“, fragte Bruno der Werbär.
„Ein Leben als Pirat ist vielleicht gar nicht so schlecht.“
„Aaaaahrgh …hust … keuch.“ McKee spuckte ein Stück Banane aus. „Das kann ich bestätigen. Viel Alkohol. Viele Frauen. Alles, was ein Mann, oder Tier, braucht.“
„Klingt gut.“ Leo setzte den verknitterten Hut auf. „Bruno, geh ans Steuerrad. Ich weiß schon, welche Stadt wir als erstes plündern.“

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Eine Antwort zu “Mach was #3

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