Filmschrott

Schlechte Filme von Mainstream bis Trash. Die Lücke ist kleiner als man denkt.

Short Story Collab #14 & Gemeinschaftsblogprojekt #2

Diesen Monat hatte ich wenig Zeit, mich groß mit dem Schreiben zu beschäftigen. Da ich aber trotzdem immer gerne neue Kurzgeschichten aus meinen wirren Gedanken sauge, ich aber auch gleichzeitig an zwei Projekten teilnehmen wollte, habe ich das ganze einfach zusammengefasst. Zum einen natürlich der Short Story Collab von David, dessen Thema dieses Mal „Rakete“ lautet. Zum anderen das noch recht frische Gemeinschaftsblogprojekt von Herba und DiePoe. Das Thema dort „Superhelden“.
Superhelden und Raketen. Die Verbindung war offensichtlich … würde ich sagen, wenn ich ein Lügner wäre. Wie immer hatte ich nämlich überhaupt keinen Plan, wo das ganze hinführt und vor allem nicht, wo da ne Rakete rein passt. Hat aber trotzdem irgendwie geklappt.

Die Tür zum geheimen Konferenzsaal, im Geheimversteck der geheimen Vereinigung der gescheiterten Superhelden schob sich quietschend in den Raum und ein lautes Schnaufen betrat den Saal. Aufwirbelnder Staub und ein leiser Knall zeugten davon, dass etwas zu Boden gefallen war.
„Ich schätze, es ist der Unsichtbare.“ Karl Kolossal verschränkte seine muskulösen Arme vor der Brust, wobei sein Hemd zerriss. „Verdammt.“ Er zog das Hemd aus und präsentierte Muskelberge, an Stellen, wo andere nicht mal Muskeln hatten. Nach einem Unfall, der ein Fitnessstudio und einen verirrten Hypertrophiestrahl aus der Waffe des mittlerweile in Rente gegangen Dr. Muckis beinhaltete, bestand sein ganzer Körper nur noch aus von Haut verdeckten Muskeln. Das konnte Vorteile haben, wenn man mal wieder beim Umzug eines Freundes alleine die Waschmaschine in den sechsten Stock tragen musste und der Aufzug defekt war. Ein Nachteil war allerdings der Verschleiß von Klamotten. Kolossal regte das ganz besonders auf, denn er hasste es, shoppen zu gehen.
„Sorry, Leute“, stöhnte eine Stimme auf Höhe des staubigen Fußbodens, „ich wollte wirklich pünktlich hier sein, aber die Leute haben mich ständig angerempelt und dann wurde ich von drei Autos überfahren. Ich glaube, ich habe mir ein paar Rippen gebrochen.“
„Du solltest dir wirklich etwas anziehen, damit die Leute dich sehen können.“ Bibi Beaver hatte immer einen guten Ratschlag parat, wenn es um Kleidung ging. Schließlich war sie mal Modeberaterin gewesen, bis sie von einem Biber gebissen wurde, der kurz danach zu einem Mantel verarbeitet wurde. Der Biss hatte ungeahnte Folgen, von denen eine das Wachstum der Schneidezähne war, mit dem Bibi seit dem mit Leichtigkeit jeden Holzgegenstand durchbeißen konnte. Die ständigen Zahnschmerzen, verursacht durch Holzkauen, waren allerdings nicht angenehm. Immerhin wuchs der Pelz vermehrt an einer Stelle, die sie fremden Leuten nur sehr selten zeigte.
„Ich schätze, die Leute würden komisch auf eine durch die Stadt schwebende Hose reagieren.“ Ein Ächzen stöhnte sich auf die Beine und ein Schlurfen bewegte sich Richtung Tisch. Ein Seufzen ließ sich auf einen Stuhl fallen. „Also, warum musste ich mich hier her quälen?“

Superfähigkeiten waren verbreitet in der Familie des Timers. Das bereitete schon im Kindesalter Schwierigkeiten zwischen den Geschwistern, da Neid ebenfalls weit verbreitet war. Der Timer hatte aber auch guten Grund, neidisch auf seine Geschwister zu sein. Während sein älterer Bruder unsichtbar war und seine jüngere Schwester durch die Zeit reisen konnte, bekam er eine Mischung aus diesen Fähigkeiten ab, in Form einer unsichtbaren inneren Uhr, durch die er immer wusste, wie spät es ist. Keine spektakuläre Fähigkeit, aber zumindest war er immer pünktlich und verpasste nie eine Show im Fernsehen. Der Timer checkte seine innere Uhr und stellte fest, dass er mal wieder absolut pünktlich zum Treffen der Superschurken erschien. Heutiger Treffpunkt war das Raketensilo. Er stieg über die ermordeten Wachsoldaten hinweg. Jemand war wohl schon vor ihm zum Treffen erschienen. Egal. Er lag genau richtig in der Zeit.

„… und dann schrie der Zyklop: ‚Hilfe! Niemand greift mich an!‘ Kicher. Kicher.“
„Man, Gagster, das ist doch der älteste Witz der Welt.“ Handlanger Nummer 1 hatte einen eher neumodischen Humor.
„Deshalb ist er ja auch so lustig. Kicher. Humor ist zeitlos. Kicher.“
„Warum sagst du eigentlich dauernd ‚Kicher‘?“
„Ich habe vor langer Zeit mein Lachen verloren. Es ist eine lustige Geschichte. Kicher. Ich war ein Stand-Up-Comedian. Es war eine tolle Zeit. Kicher. Aber die Leute lachten nicht über meine Witze. Der Einzige, der über meine Witze lachte, war ich selbst. Kicher. Ich stellte fest, dass die Menschen keinen Humor mehr hatten. Und das macht mich traurig. Schluchz. Kaum jemand lacht noch wirklich herzhaft. Alle denken nur über ihre Probleme und Sorgen nach. Über das Leid der Welt. Schluchz. Aber wir sind hier, um das zu ändern. Kicher. Wir müssen nur noch auf den Timer warten.“ Der Gagster holte eine bunte Taschenuhr aus seinem karierten Jackett hervor. „Er wird gleich hier sein. Kicher. In 5 … 4 … 3 … 2 … 1 …“
Die Tür schwang auf.
„Pünktlich wie immer. Kicher.“ Der Gagster steckte die Tascheuhr weg und sprang auf einen Schreibtisch. „Also gut. Jetzt, wo wir alle hier sind: Dies ist der Plan! Kicher. Mit dieser Rakete“, der Gagster deutetet feierlich auf eine startbereite Rakete, „werden wir die Welt wieder lustig machen! Kicher.“
„Wie?“ Handlanger Nummer 2 war neugierig, wenn es um geisteskranke Schurkenpläne ging.
„Ich bin froh, dass du fragst. Kicher.“ Der Gagster sprang vom Tisch und ging zu einem Vorhang. „Kicher.“ Er riss den Vorhang herunter … „TA TA!“ … und präsentierte unzählige Gasflaschen.
„Was ist das?“ Handlanger Nummer 2 stellte ständig die wirklich intelligenten Fragen.
„Das sind Gasflaschen.“ Der Gagster gab immer die offensichtlichen Antworten. „Kicher. Gasflaschen gefüllt mit Lachgas. Wir werden diese Gasflaschen …“, er tätschelte eine der Flaschen, „… mit dieser Rakete …“, er streichelte die Rakete, „… in die Atmosphäre schießen, wo sich das Gas ausbreiten wird und alle zum Lachen bringen wird. Kicher.“
„Der Plan ist doch völlig verrückt.“ Handlanger Nummer 2 erkannte einige Schwachstellen.
„Danke. Ich finde ihn auch toll.“ Der Gagster wandte sich dem Timer zu, der bisher reglos, still und völlig desinteressiert in der Mitte des Raums stand. „Du fragst dich sicher, warum ich dich hergerufen habe, Timer.“ Der Timer verzog keine Miene. „Ich mache dir ein Angebot, das du nicht ablehnen kannst. Kicher. Mit Hilfe deiner Uhr werden wir die Rakete so timen, dass sie zum richtigen Zeitpunkt das Gas versprüht. Bald ist Trauertag. Alle Leute werden unglücklich sein und dem Gründer der Stadt gedenken, der vor wasweißichwievielen Jahren irgendwieirgendwo gestorben ist. Stellt es euch vor: Alle stehen weinend in der Gegend rum und dann KABÄM! kommt der plötzliche Lachflash. Kicher. Das wird fantastisch. Kicher.“ Der Gagster legte den Arm um den Timer. „Jetzt fragst du dich sicher, was für dich dabei herausspringt.“ Der Gagster ging zu einem Koffer, öffnete ihn und holte etwas heraus. „Eine Gasmaske!“ Er wedelte mit der Gasmaske vor dem unbeeindruckten Gesicht des Timers herum. „Mit dieser Gasmaske wird ein großer Traum von dir wahr werden. Kicher. Wenn das Gas die Welt zum Lachen gebracht hat, wirst du, mit dieser Gasmaske vor dem Gesicht, deine Geschwister aufsuchen und zusehen, wie sie sich totlachen. Kicher. Zugegeben, bei deinem Bruder wirst du es nur hören, aber immer noch besser als gar nix. Kicher.“ Der Gagster hielt dem Timer die Gasmaske hin. Der griff sich die Maske und setzte sich still auf einen Stuhl.
„Hervorragend“, rief der Gagster und rieb sich die Hände. „An die Arbeit. Kicher.“

Mentagron schloss seinen Monolog, in dem er von der Rückkehr des Gagsters und dessen Lachgasraketenplan erzählt hatte, um die gescheiterten Helden auf den aktuellen Stand zu bringen..
„Woher weißt du das alles?“, wollte Timetravel Girl wissen, die eigentlich zu spät gekommen war, aber durch die Zeit zurückreiste, um den kompletten Vortrag anzuhören.
„Das Chamäleon hat sich als Handlanger Nummer 2 getarnt, um den Gagster auszuspionieren. Wie mit jedem Lebewesen stehe ich mit ihm in mentalem Kontakt und kann seine Gedanken lesen.“
„Du kannst die Gedanken aller Lebewesen lesen? Muss spannend sein.“
„Es ist ein heilloses Durcheinander. Alle Gedanken kommen gleichzeitig. Die meiste Zeit sehe ich nackte Frauen, weil daran andauernd gedacht wird … hey, ich glaube, das bist du. Die Stelle zu piercen muss schmerzhaft gewesen sein …“
Timetravel Girl verschränkte die Arme vor der Brust und bemerkte, wie Karl Kolossal sie verträumt anstarrte. Sie rutschte weiter unter den Tisch.
„Ich habe mit dem Chamäleon eine Art Code ausgemacht, damit ich seine Gedanken herausfiltern kann. Immer, wenn er mir einen Gedanken mitteilen will, denkt er zuerst an angezogene Frauen. Daran denkt nie jemand.“
„Okay, toll“, der Unsichtbare machte auf sich aufmerksam, „wie halten wir ihn auf?“
„Wir machen es wie immer: Wir stürmen rein, verprügeln alle Anwesenden, in meinem Kopf ploppen ständig die BANG!- BOOM!- POW!-Sprechblasen auf, die ihr euch dabei vorstellt und hinterher wird uns niemand danken, niemand bezahlen, aber wir werden mit dem Gefühl nach Hause gehen, etwas Gutes getan zu haben und warten auf den nächsten Superschurken, der die Welt vernichten will.“

„Kicher.“ Der Gagster betrachtete die mit Gasflaschen behangene Rakete. „Kicher.“ er widmete sich dem Timer, der weiterhin völlig desinteressiert am Tisch saß und die Gasmaske vor sich anstarrte. „Timer! Hast du die Berechnungen fertig?“
Der Timer schob einen Zettel über den Tisch. Der Gagster schnappte sich den Wisch und gab einen Zahlencode in das Eingabefeld an der Raketenabschussrampe ein. „Kicher. Gleich wird die Rakete starten …“
Die auffliegende Tür unterbrach ihn im Satz.
„Nicht so schnell Gagster!“ Mentagron betrat den Raum und hatte die gescheiterten Helden dabei.
„Kicher. Ihr seid zu spät. Die Rakete wird fliegen. Kicher. Kicher. Aber wo ihr schon mal hier seid … VERPRÜGELT SIE!“ „Kicher.“
Alle Türen öffneten sich und eine Horde Handlanger stürmte auf die gescheiterten Helden zu.

Nach einigen Minuten KAWÄM! PADAUNZ! und FRIRP! standen die gescheiterten Helden neben bewusstlosen Handlangern und dem, nach einem versehentlichen Schlag von Karl Kolossal aus der Nase blutendem, Chamäleon.
„Das Spiel ist aus Gagster!“
„Kicher. Nicht ganz.“ Der Gagster steckte sich die Finger in die Ohren. „Kicher.“
Die Rakete schoss los. Gasflaschen fielen beim Abflug von ihr ab und verströmten ihren Inhalt in den Raum. Der Gagster nutzte die Verwirrung, um, ein Taschentuch vor sein Gesicht haltend, durch die Hintertür zu fliehen. Die gescheiterten Helden flüchteten durch den Haupteingang, kurz bevor sich das ausgeströmte Gas entzündete und das Raketensilo in Flammen aufging.
Die gescheiterten Helden waren gescheitert. Sie blickten zum Himmel, wo die Rakete Richtung Atmosphäre flog.
„Und was jetzt?“, fragte eine Stimme, deren Quelle nicht sichtbar war.
„Jetzt kann uns nur noch Gott helfen.“
„Du meinst, wir sollen auf die Knie fallen und beten?“
„Nein, wir müssen zu Martin Gott, auch Meteor-Martin genannt. Er wohnt hier um die Ecke. Er muss da hoch fliegen und die Rakete aufhalten.“

FORTSETZUNG FOLGT …

Weiter bin ich aus Zeitmangel leider nicht gekommen, aber ich wollte den Abgabetermin nicht überschreiten. Deshalb erzähle ich einfach weiter, wenn mal ein passendes Thema kommt (und ich weiß, wie es eigentlich weiter geht, denn ich habe selber keine Ahnung).

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10 Antworten zu “Short Story Collab #14 & Gemeinschaftsblogprojekt #2

  1. Schlopsi April 4, 2015 um 5:24 pm

    Kicher. Karl Kolossal und Dr. Mucki. Kicher. Genial.

    Gefällt 1 Person

  2. Wortman April 4, 2015 um 5:44 pm

    Da hast ja wieder richtig aus den Vollen geschöpft 🙂
    Du hast den Dreh raus 😉

    Gefällt mir

  3. Herba April 7, 2015 um 8:04 am

    Die gescheiterten Superhelden mit ihrem geheimen Geheimversteck sind genial! Danke fürs Mitmachen!!!

    Gefällt 1 Person

  4. Pingback: Feriencamptraining für pubertäre Looneys | Filmschrott

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