Filmschrott

Schlechte Filme von Mainstream bis Trash. Die Lücke ist kleiner als man denkt.

Kreuzfahrten am anderen Ufer

„I was the sperm at the back shouting „No! Don’t send me into that big scary cave!“ I was the only sperm who had to be chased by the egg. Don’t you get it? I’m gay.“ – Coupling, 2000

Und daran ist absolut nix auszusetzen. Trotzdem gibt es immer wieder Filme, die nur so mit homosexuellen Klischees um sich werfen, in dem Glauben, dass das irgendwie witzig ist. Fakt ist aber: Ist es nicht! Auch nicht in:

BOAT TRIP – USA – 2002 – 94 Min.

Starring: Ein Oscar-Gewinner, dem das einzigartige Kunststück gelang, nach seinem Gewinn ausnahmslos schlechte Filme zu fabrizieren

Und das hier ist der Erste, in einer langen Liste von graupeligen Streifen, die Cuba Gooding Jr nach der Preisverleihung verbrochen hat. Was zur Hölle ist bei dem Typen bloß schiefgelaufen? Klar, man kann natürlich darüber diskutieren, wie gut Pearl Harbor war, für den er diesen Preis gewonnen hat. Eigentlich war der auch beschissen, aber verglichen mit dem, was danach von dem Mann kam, war es Citizen Kane, Casablanca, Der Pate und die Verurteilten zusammen.

Goodings Abstieg in die absolute Bedeutungslosigkeit beginnt mit einem Heiratsantrag an seinen Hund. Das hätte vielleicht schon eine Warnung sein sollen. Wenn ein Film so beginnt, kann da einfach nix bei rum kommen.

Jerry hat eine Überraschung für seine Freundin. Einen Flug im Heißluftballon. Während dem Versuch, ihr jetzt den Antrag zu machen, den er zuvor mit seinem Hund geprobt hat, kotzt er ihr aufs Kleid und wird anschließend sitzen gelassen. Nicht gerade überraschend.

Sechs Monate später schleppt ihn sein bester Freund Nick vor die Tür, um ein paar Weiber aufzureißen. Allerdings treffen sie einen alten Schulfreund, der ihnen vorschlägt, auf eine Kreuzfahrt zu gehen, weil da alle Weiber poppen wollen.

Gesagt, getan. Was sie jedoch nicht wirklich registrieren, ist die Tatsache, dass es sich um eine Bootsfahrt für Homosexuelle handelt. Denn so was sorgt immer für eine Fülle an schlechten Gags, die so ein Film unbedingt braucht. Die erste Tunte lässt auch nicht lange auf sich warten, aber Nick und Jerry sind nicht die hellsten Laternenfische im Ozean und bemerken deshalb nicht, dass der Kerl im Kleid ein, nun ja, eben ein Kerl ist.

An der Bar lernt man Lloyd kennen. Nebenbei handelt es sich dabei um Roger Moore, der wohl unbedingt Geld brauchte und deshalb bei diesem Scheiß hier mitmacht. Immerhin verrät er den beiden Heteros, dass es sich hier um eine Schwulenkreuzfahrt handelt, was zu Ohnmachtsanfällen und Rumgeheule führt. Nach einem Streit der zwei Freunde, kommt das homosexuelle Klischee namens Hector reingelatscht und sorgt für weitere Szenen, über die niemand lachen kann.

Jerry besäuft sich und fällt in den Pool. Irgendeine Lesbe rettet ihn mit Mund-zu-Mund-Beatmung, was Jerry selbstverständlich gefällt. Nick hat einen Plan, wie er von dem Boot runterkommen kann, als ein Hubschrauber vorbeifliegt. Mit einer Leuchtpistole will er auf sich aufmerksam machen, schießt aber versehentlich den Helikopter ab. Was bei den Simpsons lustig ist, muss hier eben auch funktionieren. Tut es aber nicht.

Ein Rettungsboot mit jeder Menge heißer Weiber treibt mitten auf dem Ozean. Der Kapitän, der neben Nick und Jerry wohl der einzige Hetero an Bord ist, schreitet direkt zur Tat und rettet die in Seenot geratenen. Nick findet die natürlich alle voll geil, aber Jerry kann nur noch an seine lesbische Retterin denken. Nick macht sich mit Inga bekannt, die zum schwedischen Sonnenbräunungsteam gehört, deren Helikopter in der Nacht abgeschossen wurde. Nick gibt sich als schwul aus, damit alle Weiber blankziehen. Coach Sonya entdeckt allerdings Nicks waagerechte Gerade in der Lendengegend und verdrischt ihn, weil das Sonnenbräunungsteam vor dem großen Turnier, oder der großen UV-Bestrahlung, oder was auch immer ein Sonnenbräunungsteam so macht, nicht befriedigt werden dürfen.

Nick ist der Meinung, dass alle Homosexuellen schlechte Spieler sind und verkackt stundenlang beim Pokern, bevor er vom Gegenteil überzeugt ist. Jerry trifft derweil seine Lebensretterin namens Gabriella wieder, und fällt erneut in den Pool. Nick quatscht Inga voll. Die will in ihrem Raum auf ihn warten. Zu Nicks Bedauern schmeißt Coach Sonya aber Inga aus dem Zimmer und macht sich selbst dort breit. Gabriella steht auf Jerrys Arsch, wodurch klar wird, dass sie gar nicht lesbisch ist. Da sie aber von allen ihren Freunden verarscht wurde, traut sich Jerry nicht, ihr zu beichten, dass er gar nicht schwul ist. Nick fällt über Coach Sonya her und wird mal wieder vermöbelt. Der setzt sich mit einem Feuerlöscher zur Wehr. Nach einem Schwall Löschpuder in den Schritt der Trainerin haut er ab und die hereinstürmenden Schwedinnen glauben, dass Sonyas Vagina explodiert ist.

Jerrys Ex trauert ihm nach. Auf dem Boot will Jerry Nick überreden, dass er seinen Lover spielt, wenn Gebriella in der Nähe ist. Mit etwas Kohle kann er ihn letztlich überzeugen. Beim Tanzkurs stellt sich Nick eher doof an. Dann darf er mit Lloyd tanzen, der voll scharf auf ihn ist. Gabriella überredet Jerry, bei einer Tanzrevue mitzumachen. Um überzeugender rüberzukommen, nimmt Jerry Schwulenunterricht bei Hector.

Lektion 1: Wie man richtig Prosecco trinkt.
Lektion 2: Wie man I Will Survive auf dem Klavier spielt.
Lektion 3: Am besten die ersten beiden Lektionen vergessen, wenn man nicht die Klischeetunte von nebenan sein will.

Sein erlangtes Wissen stellt Jerry dann bei Gabriella unter Beweis, indem er I Will Survive summt und sich mit Champagner besäuft. Gabriella trinkt mit und später wird mal wieder getanzt.

Sonya schmeißt sich an Nick ran und beweist ihm, dass sie einen kompletten Baseballschläger in den Mund kriegt. Nick ergreift die Flucht und trifft Hector, der Angst vor Gewitter hat. Nick hat sich mit den Pokerbuddys angefreundet, aber meint, dass es vielleicht falsch ist, mit Schwulen befreundet zu sein. Hector klärt Nick darüber auf, dass sie auch nur Menschen sind. Dass Nick diese Erkentniss nicht von selbst erlangt hat, spricht wohl eher gegen ihn.

Gabriella macht sich nackig und bittet Jerry bei ihr zu schlafen, weil sie Angst vor dem Sturm hat, der draußen wütet. Gabriella will Blowjobtipps von Jerry und hat für eine Vorführung eine Banane mitgebracht. Dieser Gag wird auch nie alt. Liegt vielleicht daran, dass er schon vor der Entstehung des Universums existierte, als es noch keine Zeitrechnung gab.

Nick und einer der Pokerbuddys torkeln besoffen übers Boot, auf der Suche nach nem Drink. Am nächsten Morgen wacht Nick neben seinem neuen Kumpel auf und ist nicht begeistert. Nachdem er aber kurz darüber nachdenkt, glaubt er plötzlich schwul zu sein.

Das Boot legt an einer Insel an. Dort taucht Jerrys Ex auf. Außerdem trifft das Schwedenteam auf die Konkurrenz und es gibt die üblichen Schlampenbeleidigungen, die sich größtenteils darauf beschränken, was die Weiber schon so alles im Mund hatten. Ron beichtet Nick, dass zwischen ihnen nix gelaufen ist. Nick freut sich seines Lebens, dass er doch nicht am anderen Ufer paddelt. Jerry und Gabriella bringen an anderer Stelle nen Apfelbaum zum Wackeln.

Jerrys Ex latscht durch das Boot, auf der Suche nach ihm. Sie trifft auf Gabriella, die ihr erklärt, dass hier nur Schwule rumhängen. Ex Felicia geht ein Licht auf und sie besäuft sich. Dem Bartender erzählt sie von ihren Girl-On-Girl-Erfahrungen aus dem College. Woanders steigt die große Tanzrevue, bei der Jerry für den seekranken Haupttänzer einspringt, was Gabriella ganz toll findet. Ihre Begeisterung könnte andererseits an dem unfassbar bescheuerten Kostüm liegen, das Jerry trägt.

Felicia kommt vorbei und ist geschockt. Jerry erklärt ihr, was Sache ist. Gabriella hört alles mit und ist echt angepisst. Kurze Zeit später heiraten Jerry und Felicia. Zur Feier des Tages kiffen sich Jerry und Nick die Birne zu. Während der Zeremonie streut der Pfarrer seine komplette Lebensgeschichte mit ein, die nur aus Enttäuschungen besteht. Nick unterbricht den Quatsch und haut mit Jerry ab, um ihn zu Gabriella zu bringen. Hector hat für die Reise einen Feuerwehrwagen organisiert. Man fragt sich, ob diese Szene den Film Chuck & Larry inspiriert hat. Gabriella ist mal wieder auf ner Kreuzfahrt und mit Lloyds Flugzeug erreichen sie den Dampfer.

Jerry gesteht Gabriella seine Liebe, es gibt den unvermeidlichen Kuss und das lahme Happy End ist perfekt.

Aber was wurde aus Nick? Der reiste nach Schweden, stieg auf einen Berg und erreichte Ingas Berghütte. Warum eine Teinehmerin des Sonnenbräunungsteams mitten auf einem verschneiten Berg wohnt, bleibt ungeklärt. Sie ist aber eh nicht zu Hause. Dafür taucht aber Coach Sonya auf und freut sich ganz doll, Nick wieder zu sehen. Leider hat sie keinen Baseballschläger dabei, aber irgendwo gibt’s da bestimmt ein Alphorn, an dem sie ihre beeindruckende Schluckkraft beweisen kann.

Ja, Jerry hat sein Happy End, für Cuba gab es bisher leider Keins, und ich befürchte, dass er uns hier noch öfter begegnen wird. Aber immerhin haben wir gelernt, dass ein Oscargewinn absolut keine Aussagekraft hat.

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7 Antworten zu “Kreuzfahrten am anderen Ufer

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  2. Pingback: FILMSCHROTT TV-TIPPS 04.10. – 10.10.2014 | Filmschrott

  3. brustvergrößerung Oktober 5, 2014 um 9:06 pm

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