Filmschrott

Schlechte Filme von Mainstream bis Trash. Die Lücke ist kleiner als man denkt.

Durch-die-Gegend-gurken für tödlich Gelangweilte

„Is it much further Papa Smurf?“ – The Smurfs, 1981

Manchmal fragt man sich einfach: „Sind wir bald mal da, oder was?“ Auch bei dem heutigen Streifen beschleicht einen das Gefühl, dass der Weg zum Ziel ewig dauert, und dazu nicht aufregender ist, als eine Kaffeefahrt. Das Ziel: Eine Brücke irgendwo in Kroatien.
Was haben Kriegsfilme bloß ständig mit Brücken? Es wurde schon um so viele Brücken gekämpft. Remagen, am Kwai, selbst in Saving Private Ryan wurde am Ende um eine Brücke gekämpft, die über einen Kanal führte, über den man auch einfach eine Holzbohle hätte legen können, um hinüber zu kommen. Aber egal wie breit der Fluss, oder klein der Bach, Brücken sind scheinbar ein strategisch äußerst wichtiges Mittel, um einen Krieg zu gewinnen. So auch heute:

DIE BRÜCKE VON ZUPANJA – Deutschland – Kroatien – 1975 – 82 Min.

Starring: Dr. Brinkmann aus der Schwarzwaldklinik

Boom! Irgendwas explodiert. Und dann … Mundharmonikamusik im Westernstil. Sehr passend. Quentin Tarantino wäre stolz.

Juni, 1944. Belgrad. Ein Zug fährt über eine Brücke. Eine Stimme aus dem Off erklärt, dass auch morgen wieder ein Zug vorbeifahren wird. Und der soll gesprengt werden, von einem Typen namens Pietr. Allerdings haben nur die Deutschen Dynamit am Start, also muss das erst noch besorgt werden. Die Stimme wirft mit irgendwelchen Namen um sich und ich weiß jetzt schon nicht mehr, wer eigentlich wer ist.

Irgendein Typ, der nichts verraten will, wird abgeknallt und liefert die längste Todesrolle aller Zeiten. Ein Opa auf nem Fahrrad kackt einen LKW-Fahrer an, weil, äh, sonst niemand da ist, dem er an die Karre pissen kann, oder so. Irgendwo spielen ein paar Soldaten Fußball und schießen ein Fenster kaputt. Nebenbei ist das hier alles völlig uninteressant und hat mit Sicherheit absolut nix mit dem Rest des Films zu tun.

Maria hat nen Verehrer, dessen Namen man natürlich nicht kennt. Vielleicht wurde er auch beim Namedropping am Anfang bereits erwähnt und ich hab es einfach wieder vergessen. Jedenfalls latschen die beiden ein bisschen durch die Gegend.

Eine Vorratslieferung kommt an. Der Fahrer heißt Haake. Sollte man sich eventuell merken. Cloppenburg kommt vorbei. Er hat sein Gewehr verloren und muss dringend kacken. Wo da jetzt der Zusammenhang besteht, bleibt ungeklärt. Unfassbar, wie unglaublich sinnlos das hier jetzt schon alles ist.

Maria schaukelt und will nach Zupanja. Ihr Stecher meint aber, dass er sie nicht mitnehmen kann, auf dem Militärtransport. Sie hält ihn für nen Feigling.

Der Fahrradfahrer kommt irgendwo an und begrüßt ein paar Blagen, von denen eine auch Maria heißt. Es gibt Trillionen Namen auf der Welt, aber der Drehbuchautor kennt nur einen Frauennamen. Keine gute Grundvoraussetzung für die Geschichte. Wenn denn überhaupt eine existiert. Bis jetzt wirkt das alles absolut planlos.

Schuster plant zusammen mit Schnell den Dynamitraub. Haake quatscht Bruno von Paris voll. Woanders kriegt der Stabsarzt nen Brief, der selbstverständlich rein gar nichts mit der Story hier zu tun hat. Irgendein Kroate … turnt halt bei den deutschen Soldaten rum. Niemand wird jemals erfahren warum. Marias Lover heißt Lindner und kommt wieder beim Stützpunkt an. Viel Rumgelaber, das zu nix führt. Cloppenburg sucht immer noch sein Gewehr.

Der Kroate beobachtet, wo das Dynamit verstaut wird und macht sich mit seinem Moped vom Acker. Haake spielt mit nem Hund, Maria versteckt sich auf einem der Lastwagen. Die Kolonne fährt los und mit etwas Glück passiert vielleicht gleich mal etwas Interessantes. Vielleicht auch nicht, denn man hält direkt wieder an, weil die Windschutzscheiben dreckig sind. Schön putzen, dann geht’s weiter.

Der Mofakroate blickt ins Tal, wo die Wagen lang rollen. Cloppenburg versucht, mit Hilfe des Hundes seine Flinte zu finden, entdeckt aber nur Maria. Haake saut den Leutnant mit Speck ein. Im anderen Wagen wird über Skilaufen palavert. Meine Fresse, jetzt kommt mal auf den Punkt hier!

Haake muss pissen, also hält man schon wieder an. Nach dem Urinieren im Gebüsch steigt er zu Cloppenburg hinten auf den Wagen. Da sitzt natürlich auch Maria und Haake kriegt direkt nen Haaten. Man stellt fest, dass man überladen ist, und hält erneut an, weil der Trupp wohl nicht mehr in diesem Leben bei der Brücke ankommen will. Haake verrät das Weib, was dem Leutnant gar nicht gefällt. Lindner wundert sich weniger. Nachdem man sich am Arsch hatte, beschließt man, gegen den Willen des Leutnants, das Mädel mitzunehmen.

Bei der Überquerung eines Flusses bleibt einer der Wagen stecken und reißt sich die Ölwanne auf. Lindner will sich den Schaden genauer angucken und wird von nem Baumstamm erschlagen, der zufällig vorbeischwimmt. Man schleppt die verreckte Karre aus dem Bach und weiter geht’s.

Karl der Kroate steht im Wald und fällt nen Baum, der dem Konvoi, bestehend aus zwei LKW, den Weg versperrt. Uh, die Kroaten greifen an. Feuer frei! Der Angriff dauert ganze drei Sekunden, damit die Spannung hier nicht zu überwältigend wird.

Während der Rückfahrt hat einer der Fahrer nen Hitzeschock, oder nen Herzinfarkt, oder nen Schlaganfall, oder was auch immer. Jedenfalls muss Haake das Fahren übernehmen, was der aber nicht gut findet, weil er seit vier Jahren nicht gefahren ist. Moment mal, der hat doch vorhin die Lieferung gebracht. Das Kurzzeitgedächtnis scheint nicht seine Stärke zu sein. Beim Zurücksetzen stößt er einen Typen von ner Brücke, der wegschwimmt, wobei er im Gesicht vergammelt aussieht, wie ein Zombie. Wahrscheinlich um deutlich zu machen, dass der Sturz von der einen Meter hohen Brücke, in den acht Meter tiefen Fluss ihn direkt umgebracht hat. Wenn man schon ein grottiges Drehbuch hat, kann man natürlich versuchen, dieses Problem mit preisverdächtigem Make-Up wieder auszugleichen. Daran scheitert man hier aber selbstverständlich ebenfalls.

Die unbeschreiblich aufregende Fahrt geht weiter und man trifft Schütze Nowak, der vor den Kroaten geflohen ist. Man glaubt ihm kein Wort und nimmt ihn fest, dann geht’s weiter in den Sonnenuntergang. Natürlich zu Mundharmonikaklängen.

Maria hat Cloppenburgs Knarre auf einem der LKW gefunden, deshalb darf der die erste Nachtwache übernehmen. Lindner leistet ihm Gesellschaft. Haake kocht nen Muckefuck (Nein, das ist kein schmutziges Wort). Nach diesem Hochgenuss geht die Kompanie pennen. Der Kriegsgefangene Nowak, der völlig unbewacht und ungefesselt in einer Ecke sitzt, schleicht sich davon und labert mit seinen kroatischen Freunden. Der Dialog führt mal wieder in die komplette Leere. Dann geht Nowak zurück zu den Deutschen. Maria bemerkt zwar, dass er weg war, aber interessieren tut sie das nicht im Geringsten.

Am nächsten Morgen geht es weiter. Bei einem Tunnel wird der Leutnant abgeknallt. Im Minenfeld gerät man erneut unter Beschuss. Die Kroaten versprechen, nicht weiterzuballern, wenn sie den Arzt und das Mädchen zu ihnen schicken. Der Doktor erklärt sich bereit, den Kroaten zu helfen und die Wagen können weitergurken. Wollten die Kroaten nicht eigentlich das Dynamit haben? Was wollen die dann jetzt mit dem Arzt? Der wird wohl nicht unbedingt Sprengstoffexperte sein.

Die Soldaten erreichen Zupanja. Nach nem kurzen Funkspruch, bei dem Cloppenburg ins Funkgerät singt wie ein Vollidiot, beschließt man, die letzten Kilometer hinter sich zu bringen. Im Wald startet die kroatische Attacke dann endlich mal richtig und es gehen alle Deutschen drauf, außer Haake, der dann Nowak abknallt, als der sich als Verräter rausstellt. Haake beweist seine unendliche Blödheit, indem er sich mitten auf die Straße stellt. Fehlt nur noch, dass er sich ne Zielscheibe auf die Jacke malt. Jedenfalls überlebt er nicht lange.

Die Kroaten krallen sich das Dynamit, aber ein Deutscher lebt noch und bombt sie alle mit ner Handgranate weg, bevor er selbst den Löffel abgibt. Maria rennt durch den Wald und erreicht die Stelle des Massakers, an der nur noch der Hund lebt. Zu harmonischen Noten des Lieblingsinstruments des Tonmanns fährt ein Zug über die Brücke von Zupanja dahin, damit dieses titelgebende Objekt wenigstens ein Mal im Film vorkommt.

Also hierzu fällt mir ehrlich gesagt nicht wirklich viel ein. Aber immerhin haben wir gelernt, dass der Krieg selbst im Film keinen Sinn ergibt.

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2 Antworten zu “Durch-die-Gegend-gurken für tödlich Gelangweilte

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